Auswahl robuster Apfelsorten für die Streuobstwiese

Aus streuobst-wiki.eu
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Angesichts des voranschreitenden Klimawandels ist es sinnvoll, auf Streuobstwiesen insbesondere robuste, alte Apfelsorten anzupflanzen. Dies wird im folgenden näher erläutert.

Geringerer Pflegeaufwand bei extensivem Anbau

Streuobstwiesen und agroforstliche Pflanzungen werden oft extensiv bewirtschaftet. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dort selten oder gar nicht vorgesehen. Robuste Sorten sind widerstandsfähig gegenüber Krankheiten wie Apfelschorf, Mehltau oder Obstbaumkrebs – das ist entscheidend, wenn keine regelmäßige chemische Behandlung erfolgt. Die Widerstandskraft gegenüber Schaderregern kann jedoch nur voll zum Tragen kommen, wenn die Obstbäume durch fachgerechte Pflanzung und regelmäßigen Schnitt gepflegt werden.

Bessere Resilienz gegenüber klimatischen Extremen

Der Klimawandel bringt:

  • mehr Hitze- und Trockenperioden
  • extreme Niederschläge
  • Spätfröste im Frühling.

Starkwachsende Bäume verfügen über ein kräftigeres Wurzelwerk, das auch bei Trockenheit Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann. Diese Fähigkeit verleiht starkwachsenden Sorten eine Robustheit. Sie verkraften Stressfaktoren wie Temperaturschwankungen, Spätfröste und veränderte Pilz- und Schädlingsverhältnisse besser.

Ökologische und genetische Vielfalt erhalten

Viele ältere Sorten sind genetisch vielfältiger als moderne Züchtungen. Sie besitzen teils jahrhundertealte Anpassungen an lokale Böden und Wetterbedingungen. Diese Vielfalt erhöht die Chance, dass einzelne Sorten auch unter veränderten Klimabedingungen gut gedeihen.

Weniger anfällig für neue oder wiederkehrende Krankheiten

Die Resistenz vieler moderner Sorten basiert lediglich auf einem Resistenzgen. Diese kann leicht durchbrochen werden (wie inzwischen vielfach geschehen). Alte Obstsorten mit komplexer genetischer Widerstandsfähigkeit sind hier im Vorteil.

Langlebigkeit und Nachhaltigkeit

Starkwachsende Bäume sind oft langlebiger – und somit nachhaltiger. In Zeiten knapper Ressourcen und wachsender Umweltprobleme ist es sinnvoll, in robuste, langlebige Systeme zu investieren.

Auswahl geeigneter Sorten

Sorte Genussreife Wuchs / Anfälligkeit
Biesterfelder Renette Aug. – Okt. Stark, breit (k, m)
Bittenfelder Nov. – März Stark
Bramleys Seedling Dez. – Apr. Stark, breit
Boskoop/Roter Boskoop Nov. – März Sehr stark (s)
Brettacher Nov. – Apr. Stark
Damason Renette Dez. – Apr. Mittelstark bis stark
Eifeler Rambur Nov. – Febr. Stark (k)
Finkenwerder Prinz Okt. – Jan. Mittelstark
Fromms Goldrenette (echt) Okt. – Dez. Stark
Galloway Pepping Okt. – Dez. Stark
Gelbe Schafsnase (Rheinland) Nov. – Feb. Stark
Gewürzluiken Nov. – Feb. Stark (k)
Grahams Jubiläum Sept. – Okt. Stark
Gravensteiner Aug. – Okt. Sehr stark (s)
Holsteiner Cox Okt. – Dez. Stark, breit (k, m)
Horneburger Pfannkuchenapfel Dez. – Apr. Stark (m)
Jakob Fischer Aug. – Sept. Sehr stark, breit
Kesseltaler Streifling Sept. – Okt. Stark
Stina Lohmann (Korbinian) Dez. – Apr. Stark
Lohrer Rambur Dez. – März Stark
Luxemburger Triumph Okt. – Dez. Sehr stark, breit
Martens Sämling Sept. – Nov. Stark bis sehr stark
(Neue) Orleans Renette Okt. – März Stark (k)
Notarisappel Okt. – Dez. Stark
Rheinischer Bohnapfel Nov. – Apr. Stark, steil (k)
Rheinischer Winterrambur Nov. – Febr. Stark, breit (k)
Riesenboiken Nov. – März Stark, breit
Rote Sternrenette Okt. – Dez. Stark, steil
Roter Bellefleur Nov. – März Mittelstark bis stark
Schneiderapfel Nov. – Jan. Sehr stark
Sonnenwirtsapfel Okt. – Febr. Stark bis sehr stark
Spätblühender Taffetapfel Sept. – Okt. Stark (sehr späte Blüte)
Tiefenblüte Okt. – Febr. Stark (k)
Uelzener Rambur Okt. – Dez. Stark
Weißer Winterglockenapfel Dez. – Mai Mittelstark bis stark (s)
Welschisner (Gr.Böhm.Brünnerling) Dez. – Mai Stark
Wiltshire Nov. – Febr. Stark
Wöbers Rambur Nov. – Apr. Sehr stark
Zabergäu-Renette Nov. – März Stark (k)

Legende: (k) = etwas krebsanfällig; schwere bzw. staunasse Böden meiden (m) = etwas mehltauanfällig; warme Standorte meiden (s) = etwas schorfanfällig, nur für gut durchlüftete Standorte (mo) = anfällig für Monilia-Spitzendürre

Forschungsbedarf

Es besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf die Eignung von Apfelsorten unter veränderten Umweltbedingungen, ihre Krankheitsresistenzen und ihre Rolle in nachhaltigen Anbausystemen. Genetische Vielfalt und Sortenerhaltung

  • Genetische Charakterisierung alter Sorten zur Erhaltung und Nutzung der Biodiversität.
  • Bewertung innerartlicher Diversität hinsichtlich Resistenzen gegen Pilz- und Bakterienkrankheiten.
  • Einbindung alter Sorten in moderne Züchtungsprogramme zur Entwicklung robuster Sorten.

Krankheits- und Schädlingsresistenz

  • Untersuchung der Resistenz alter Sorten gegenüber Apfelschorf, Mehltau und Feuerbrand, Schwarzem Rindenbrand.
  • Langzeitstudien zur natürlichen Schädlingsresistenz auf extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen.

Anpassung an Klimawandel und Standortfaktoren

  • Analyse der Toleranz alter Sorten gegenüber Hitze, Trockenheit und Frost.
  • Regionale Eignungsprüfung alter Sorten für unterschiedliche Boden- und Klimabedingungen.

Ertragsverhalten und Fruchtqualität

  • Bewertung von Ertrag, Alternanz, Fruchtansatz und Lagerfähigkeit unter extensiven Bedingungen.
  • Sensorische Analysen und Verarbeitungsqualität der Früchte (z. B. für Most oder Saft).

Ökologische Funktion in der Streuobstwiese

  • Erforschung des Beitrags alter Sorten zur Biodiversität von Flora und Fauna.
  • Untersuchung der Blühzeit und deren Bedeutung für Bestäuber und Nützlinge.

Einzelnachweise