Auswahl robuster Apfelsorten für die Streuobstwiese
Auswahl robuster Apfelsorten für die Streuobstwiese Angesichts des voranschreitenden Klimawandels ist es sinnvoll, auf Streuobstwiesen insbesondere robuste, alte Apfelsorten anzupflanzen. Dies wird im folgenden näher erläutert.
Geringerer Pflegeaufwand bei extensivem Anbau
Streuobstwiesen und agroforstliche Pflanzungen werden oft extensiv bewirtschaftet. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dort selten oder gar nicht vorgesehen. Robuste Sorten sind widerstandsfähig gegenüber Krankheiten wie Apfelschorf, Mehltau oder Obstbaumkrebs – das ist entscheidend, wenn keine regelmäßige chemische Behandlung erfolgt. Die Widerstandskraft gegenüber Schaderregern kann jedoch nur voll zum Tragen kommen, wenn die Obstbäume durch fachgerechte Pflanzung und regelmäßigen Schnitt gepflegt werden.
Bessere Resilienz gegenüber klimatischen Extremen
Der Klimawandel bringt:
- mehr Hitze- und Trockenperioden
- extreme Niederschläge
- Spätfröste im Frühling.
Starkwachsende Bäume verfügen über ein kräftigeres Wurzelwerk, das auch bei Trockenheit Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann. Diese Fähigkeit verleiht starkwachsenden Sorten eine Robustheit. Sie verkraften Stressfaktoren wie Temperaturschwankungen, Spätfröste und veränderte Pilz- und Schädlingsverhältnisse besser.
Ökologische und genetische Vielfalt erhalten
Viele ältere Sorten sind genetisch vielfältiger als moderne Züchtungen. Sie besitzen teils jahrhundertealte Anpassungen an lokale Böden und Wetterbedingungen. Diese Vielfalt erhöht die Chance, dass einzelne Sorten auch unter veränderten Klimabedingungen gut gedeihen.
Weniger anfällig für neue oder wiederkehrende Krankheiten
Die Resistenz vieler moderner Sorten basiert lediglich auf einem Resistenzgen. Diese kann leicht durchbrochen werden (wie inzwischen vielfach geschehen). Alte Obstsorten mit komplexer genetischer Widerstandsfähigkeit sind hier im Vorteil.
Langlebigkeit und Nachhaltigkeit
Starkwachsende Bäume sind oft langlebiger – und somit nachhaltiger. In Zeiten knapper Ressourcen und wachsender Umweltprobleme ist es sinnvoll, in robuste, langlebige Systeme zu investieren.
Auswahl geeigneter Sorten
| Sorte | Genussreife | Wuchs / Anfälligkeit |
|---|---|---|
| Biesterfelder Renette | Aug. – Okt. | Stark, breit (k, m) |
| Bittenfelder | Nov. – März | Stark |
| Bramleys Seedling | Dez. – Apr. | Stark, breit |
| Boskoop/Roter Boskoop | Nov. – März | Sehr stark (s) |
| Brettacher | Nov. – Apr. | Stark |
| Damason Renette | Dez. – Apr. | Mittelstark bis stark |
| Eifeler Rambur | Nov. – Febr. | Stark (k) |
| Finkenwerder Prinz | Okt. – Jan. | Mittelstark |
| Fromms Goldrenette (echt) | Okt. – Dez. | Stark |
| Galloway Pepping | Okt. – Dez. | Stark |
| Gelbe Schafsnase (Rheinland) | Nov. – Feb. | Stark |
| Gewürzluiken | Nov. – Feb. | Stark (k) |
| Grahams Jubiläum | Sept. – Okt. | Stark |
| Gravensteiner | Aug. – Okt. | Sehr stark (s) |
| Holsteiner Cox | Okt. – Dez. | Stark, breit (k, m) |
| Horneburger Pfannkuchenapfel | Dez. – Apr. | Stark (m) |
| Jakob Fischer | Aug. – Sept. | Sehr stark, breit |
| Kesseltaler Streifling | Sept. – Okt. | Stark |
| Stina Lohmann (Korbinian) | Dez. – Apr. | Stark |
| Lohrer Rambur | Dez. – März | Stark |
| Luxemburger Triumph | Okt. – Dez. | Sehr stark, breit |
| Martens Sämling | Sept. – Nov. | Stark bis sehr stark |
| (Neue) Orleans Renette | Okt. – März | Stark (k) |
| Notarisappel | Okt. – Dez. | Stark |
| Rheinischer Bohnapfel | Nov. – Apr. | Stark, steil (k) |
| Rheinischer Winterrambur | Nov. – Febr. | Stark, breit (k) |
| Riesenboiken | Nov. – März | Stark, breit |
| Rote Sternrenette | Okt. – Dez. | Stark, steil |
| Roter Bellefleur | Nov. – März | Mittelstark bis stark |
| Schneiderapfel | Nov. – Jan. | Sehr stark |
| Sonnenwirtsapfel | Okt. – Febr. | Stark bis sehr stark |
| Spätblühender Taffetapfel | Sept. – Okt. | Stark (sehr späte Blüte) |
| Tiefenblüte | Okt. – Febr. | Stark (k) |
| Uelzener Rambur | Okt. – Dez. | Stark |
| Weißer Winterglockenapfel | Dez. – Mai | Mittelstark bis stark (s) |
| Welschisner (Gr.Böhm.Brünnerling) | Dez. – Mai | Stark |
| Wiltshire | Nov. – Febr. | Stark |
| Wöbers Rambur | Nov. – Apr. | Sehr stark |
| Zabergäu-Renette | Nov. – März | Stark (k) |
Legende: (k) = etwas krebsanfällig; schwere bzw. staunasse Böden meiden (m) = etwas mehltauanfällig; warme Standorte meiden (s) = etwas schorfanfällig, nur für gut durchlüftete Standorte (mo) = anfällig für Monilia-Spitzendürre
Forschungsbedarf
Es besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf die Eignung von Apfelsorten unter veränderten Umweltbedingungen, ihre Krankheitsresistenzen und ihre Rolle in nachhaltigen Anbausystemen. Genetische Vielfalt und Sortenerhaltung
- Genetische Charakterisierung alter Sorten zur Erhaltung und Nutzung der Biodiversität.
- Bewertung innerartlicher Diversität hinsichtlich Resistenzen gegen Pilz- und Bakterienkrankheiten.
- Einbindung alter Sorten in moderne Züchtungsprogramme zur Entwicklung robuster Sorten.
Krankheits- und Schädlingsresistenz
- Untersuchung der Resistenz alter Sorten gegenüber Apfelschorf, Mehltau und Feuerbrand, Schwarzem Rindenbrand.
- Langzeitstudien zur natürlichen Schädlingsresistenz auf extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen.
Anpassung an Klimawandel und Standortfaktoren
- Analyse der Toleranz alter Sorten gegenüber Hitze, Trockenheit und Frost.
- Regionale Eignungsprüfung alter Sorten für unterschiedliche Boden- und Klimabedingungen.
Ertragsverhalten und Fruchtqualität
- Bewertung von Ertrag, Alternanz, Fruchtansatz und Lagerfähigkeit unter extensiven Bedingungen.
- Sensorische Analysen und Verarbeitungsqualität der Früchte (z. B. für Most oder Saft).
Ökologische Funktion in der Streuobstwiese
- Erforschung des Beitrags alter Sorten zur Biodiversität von Flora und Fauna.
- Untersuchung der Blühzeit und deren Bedeutung für Bestäuber und Nützlinge.
Einzelnachweise
- Bannier, Hans-Joachim (2024): Grundsätze einer Sortenwahl für Streuobst- und Agroforstpflanzungen - am Beispiel der Apfelsorten.
- BUND Lemgo. (2023). Sortenempfehlungen für robuste Apfelsorten.
- FiBL Schweiz. (2021). Sorten für den biologischen Obstbau auf Hochstämmen. Forschungsinstitut für biologischen Landbau.
- Schlitt, Michael (2023): Streuobstwiesen und Klimaresilienz. in: Jahresheft 2023 des Pomologen Verein e. V.: S. 214-226.
- Schuricht, K., Scherer, L., & Vonderstrass, T. (2021). Alte Apfelsorten neu entdeckt – Empfehlungen für robuste Streuobstsorten. NABU Baden-Württemberg.