Auswahl robuster Birnensorten für die Streuobstwiese: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „== Birnenkrankheiten und ihre Relevanz == Die wichtigsten Krankheiten von Birnen sind: * '''Feuerbrand (''Erwinia amylovora''):''' Hochinfektiös und für Birnen besonders gefährlich. Prioritär bei Sortenwahl. * '''Birnenschorf (''Venturia pirina''):''' Im Streuobstbau ist er nur moderat relevant. * '''Birnengitterrost (''Gymnosporangium fuscum''):''' Befall hängt vom Vorkommen von Zier-Wacholderarten in der Umgebung ab. Krankheit vor allem für junge…“ |
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* ''Wahlsche Schnapsbirne'': ist sehr aromatisch und enthält kaum Gerbstoffe. Ausschließlich und hervorragend zum Brennen geeignet, übertrifft im Aromagehalt die Williams. | * ''Wahlsche Schnapsbirne'': ist sehr aromatisch und enthält kaum Gerbstoffe. Ausschließlich und hervorragend zum Brennen geeignet, übertrifft im Aromagehalt die Williams. | ||
* ''Wilde Eierbirne'': robust, geringe Standortansprüche, zum Mosten und Dörren gleichermaßen geeignet. | * ''Wilde Eierbirne'': robust, geringe Standortansprüche, zum Mosten und Dörren gleichermaßen geeignet. | ||
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== Spätblühende Birnensorten und Birnensorten mit langer Blühzeit == | |||
In den vergangenen Jahren führte der Frost in einigen Teilen Deutschlands zu verheerenden Folgen für die Obstbauern und die Besitzer von Streuobstwiesen. Zuvor hatten u. a. die Birnbäume wegen des ungewöhnlich warmen Frühjahrs schon stark ausgetrieben. Daher wurde an unterschiedlichen Orten geprüft, ob es spätblühende Birnensorten gibt, die von Frühjahrsfrösten nicht betroffen sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Sortenunterschiede bei den Birnensorten hinsichtlich des Blühzeitraums im Gegensatz zu den Apfelsorten nur gering sind. | |||
[[Datei: Birne ARCHE NOAH RupertPessl.jpg|thumb|upright=1.5 | |||
|right|Birnenblüte. c.ARCHE NOAH Rupert Pessl]] | |||
So wurde im Obstsortengarten der Oberlausitz-Stiftung in Ostritz (Ostsachsen) in den Jahren 2023 und 2024 bei allen Birnensorten eine Blühzeit von 10-16 Tagen festgestellt. Bei keiner der Sorten konnte eine längere oder deutlich spätere Blühzeit festgestellt werden.<ref name="Schlitt2025a">Schlitt, M. (2025). Empfehlungen von Obstsorten. In ''Obstbäume, Frost und Klimawandel. Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft''. Schlitt, M. (Herausgeber), Görlitz, 22–31.</ref> | |||
Auch bei einer anderen Suche nach spätblühenden Sorten in einem mehrjährigen Projekt musste festgestellt werden: Bei den spät blühenden Sorten handelt es sich ausschließlich um einige Wirtschaftsbirnen: ''Herbstfeigenbirne'', ''Karlebirne'', ''Späte Weinbirne'', ''Subira'', ''Weitfelder Birne'', ''Wolfsbirne''. „Unter den mittelspät- bis spät blühenden Sorten hat die „''Vereinsdechantsbirne''“ mit den Tochtersorten „''Jeanne d’Arc''“ und „''Dolacomi''“ Tafelqualität, ebenso wie die Sorte „''Fertilia Delbard''“, die 1960 gezüchtet wurde.“ <ref name="Haug2025">Haug, P. et. al. (2025). ''Abschlussbericht zum Projekt Auslese und Entwicklung frosttoleranter Apfel- und Birnensorten zur Vermeidung von Spätfrostschäden im ökologischen Obstbau'', Weinsheim.</ref> | |||
Frosttolerante Birnensorten können sich auch dadurch auszeichnen, dass sie widerstandsfähige Blüten haben. Auch eine lange Blühzeit von Birnensorten ist von Vorteil; denn so können Sorten, die zu einem frühen Zeitpunkt vom Frost betroffen waren, bei einem späteren Zeitpunkt ohne Frost doch noch Ertrag bringen. Eine lange Blühzeit erhöht jedoch auch die Gefahr von Infektionen (Feuerbrand etc.).<ref name="Schlitt2025b">Schlitt, M. (2025). Obstsorten mit langer Blühzeit und/oder widerstandsfähigen Blüten. In ''Obstbäume, Frost und Klimawandel. Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft''. Schlitt, M. (Herausgeber), Görlitz, 33–35.</ref>Bei einer Bonitur wurde eine etwas längere Blütezeit jedoch nur bei den wenigen folgenden Sorten festgestellt: ''Gelbmöstler'', ''Gwährbirne'', ''Hardenponts Winterbutterbirne'', ''Nordhäuser Winterforelle'', ''Seitersbirne'', ''Sülibirne''.<ref name=" Haug2025" /> | |||
== Schlussfolgerung und Ausblick == | |||
Die systematische Neubewertung alter und neuer Sorten zeigt, dass für den Streuobstanbau im Klimawandel derzeit noch durchaus geeignete Alternativen zum herkömmlichen Standardsortiment existieren. | |||
Die Bewertung der Krankheitsanfälligkeit einer Obstsorte im Streuobstbau ist jedoch eine komplexe Aufgabe, da sie von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Die Beobachtungen an einem Standort müssen nicht für alle Lagen Gültigkeit haben und können sich im Laufe der Zeit ändern. Dennoch sind fundierte Einschätzungen bei der Sortenwahl sehr wertvoll und sollten durch weitere Beobachtungen an verschiedenen Standorten ergänzt werden. Eine länderübergreifende Bonitierung unter Einbindung von Sammlungen und Erhalternetzwerken ist sehr zu empfehlen. Dazu sind eine Harmonisierung der Methodik und Schulungen notwendig. | |||
Zukünftige Pflanzempfehlungen müssen neben dem Geschmack auch die Widerstandskraft gegenüber Krankheiten, die Klimastabilität und den Pflegebedarf berücksichtigen. | |||
== Einzelnachweise == | |||
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Aktuelle Version vom 30. April 2026, 15:20 Uhr
Birnenkrankheiten und ihre Relevanz
Die wichtigsten Krankheiten von Birnen sind:
- Feuerbrand (Erwinia amylovora): Hochinfektiös und für Birnen besonders gefährlich. Prioritär bei Sortenwahl.
- Birnenschorf (Venturia pirina): Im Streuobstbau ist er nur moderat relevant.
- Birnengitterrost (Gymnosporangium fuscum): Befall hängt vom Vorkommen von Zier-Wacholderarten in der Umgebung ab. Krankheit vor allem für junge Bäume relevant, bei Altbäumen wird Gefahr oft überschätzt.
- Birnenverfall (Pear Decline): Eine chronische Krankheit, die oft unterschätzt wird, Bäume schwächt und zum Absterben bringt.
- Fruchtmonilia (Monilinia fructigena) und Sonnenbrand: Infolge extremer Witterung zunehmend relevant.
Krankheitsanfälligkeit von Tafelbirnen
Jan Bade (2019)[1] stellt fest, dass die Widerstandsfähigkeit vieler Standardsorten wie Gellerts Butterbirne, Clapps Liebling oder Williams Christ in ihrer gegen Krankheiten deutlich nachlässt. Bei diesen Sorten nehmen u. a. Schorf, Sonnenbrand und Fruchtmonilia zu. Einige andere Sorten, wie beispielsweise Conference oder Gute Luise, zeigen starke Triebschorfanfälligkeit. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anfälligkeit von Tafelbirnen gegenüber einigen Krankheiten.
![Tabelle 1: Birnensortenanfälligkeiten im Vergleich. Quelle: Jan Bade, 2019[1]](/images/thumb/3/3b/Birnensortenanf%C3%A4lligkeiten_Bader.jpg/600px-Birnensortenanf%C3%A4lligkeiten_Bader.jpg)
Es gibt jedoch auch etliche Birnensorten, die gegen die genannten Krankheiten wenig oder kaum anfällig sind. Jan Bade (2019)[1] empfiehlt in diesem Zusammenhang folgende Sorten:
![Tabelle 1: Empfehlenswerte Tafelbirnensorten. Quelle: Jan Bade, 2019[1]](/images/thumb/0/0d/Empfehlenswerte_Tafelbirnensorten.jpg/600px-Empfehlenswerte_Tafelbirnensorten.jpg)
FRUCTUS (2021)[2] empfiehlt insbesondere noch zwei neuere Züchtungen mit hoher Toleranz gegen Feuerbrand: Harrow Sweet (Kanada): Feuerbrand- und schorftolerant, aromatische Herbstbirne und Harrow Delight (Kanada): reift vier Wochen früher, ansonsten ähnliche Eigenschaften. Daneben werden von FRUCTUS folgende robuste Birnensorten empfohlen:
- Bayrische Weinbirne: groß bis sehr groß, saftig und süß-herb mit hohem Zuckergehalt; gute Most- und Dörrbirne.
- Josephine von Mecheln: mittelgroß; saftig, fein schmelzend; mit angenehmem Gewürz bei relativ wenig Zucker.
- Madame Verté: mittelgroß, halbschmelzen von feiner, etwas körniger Textur, saftig angenehm süß und aromatisch.
- Kieffers Sämling: schorffrei, frosthart, mit Quittenaroma, eine ausgezeichnete Dörrbirne
- Metzer Bratbirne nach Kessler: mittelgroß, festes, knackiges Fleisch von grobkörniger Textur; saftig, süß-säuerlich wenn teigig, ansonsten herb und sehr adstringierend, eine typische Mostbirne.
- Wahlsche Schnapsbirne: ist sehr aromatisch und enthält kaum Gerbstoffe. Ausschließlich und hervorragend zum Brennen geeignet, übertrifft im Aromagehalt die Williams.
- Wilde Eierbirne: robust, geringe Standortansprüche, zum Mosten und Dörren gleichermaßen geeignet.
Spätblühende Birnensorten und Birnensorten mit langer Blühzeit
In den vergangenen Jahren führte der Frost in einigen Teilen Deutschlands zu verheerenden Folgen für die Obstbauern und die Besitzer von Streuobstwiesen. Zuvor hatten u. a. die Birnbäume wegen des ungewöhnlich warmen Frühjahrs schon stark ausgetrieben. Daher wurde an unterschiedlichen Orten geprüft, ob es spätblühende Birnensorten gibt, die von Frühjahrsfrösten nicht betroffen sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Sortenunterschiede bei den Birnensorten hinsichtlich des Blühzeitraums im Gegensatz zu den Apfelsorten nur gering sind.

So wurde im Obstsortengarten der Oberlausitz-Stiftung in Ostritz (Ostsachsen) in den Jahren 2023 und 2024 bei allen Birnensorten eine Blühzeit von 10-16 Tagen festgestellt. Bei keiner der Sorten konnte eine längere oder deutlich spätere Blühzeit festgestellt werden.[3] Auch bei einer anderen Suche nach spätblühenden Sorten in einem mehrjährigen Projekt musste festgestellt werden: Bei den spät blühenden Sorten handelt es sich ausschließlich um einige Wirtschaftsbirnen: Herbstfeigenbirne, Karlebirne, Späte Weinbirne, Subira, Weitfelder Birne, Wolfsbirne. „Unter den mittelspät- bis spät blühenden Sorten hat die „Vereinsdechantsbirne“ mit den Tochtersorten „Jeanne d’Arc“ und „Dolacomi“ Tafelqualität, ebenso wie die Sorte „Fertilia Delbard“, die 1960 gezüchtet wurde.“ [4] Frosttolerante Birnensorten können sich auch dadurch auszeichnen, dass sie widerstandsfähige Blüten haben. Auch eine lange Blühzeit von Birnensorten ist von Vorteil; denn so können Sorten, die zu einem frühen Zeitpunkt vom Frost betroffen waren, bei einem späteren Zeitpunkt ohne Frost doch noch Ertrag bringen. Eine lange Blühzeit erhöht jedoch auch die Gefahr von Infektionen (Feuerbrand etc.).[5]Bei einer Bonitur wurde eine etwas längere Blütezeit jedoch nur bei den wenigen folgenden Sorten festgestellt: Gelbmöstler, Gwährbirne, Hardenponts Winterbutterbirne, Nordhäuser Winterforelle, Seitersbirne, Sülibirne.[4]
Schlussfolgerung und Ausblick
Die systematische Neubewertung alter und neuer Sorten zeigt, dass für den Streuobstanbau im Klimawandel derzeit noch durchaus geeignete Alternativen zum herkömmlichen Standardsortiment existieren. Die Bewertung der Krankheitsanfälligkeit einer Obstsorte im Streuobstbau ist jedoch eine komplexe Aufgabe, da sie von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Die Beobachtungen an einem Standort müssen nicht für alle Lagen Gültigkeit haben und können sich im Laufe der Zeit ändern. Dennoch sind fundierte Einschätzungen bei der Sortenwahl sehr wertvoll und sollten durch weitere Beobachtungen an verschiedenen Standorten ergänzt werden. Eine länderübergreifende Bonitierung unter Einbindung von Sammlungen und Erhalternetzwerken ist sehr zu empfehlen. Dazu sind eine Harmonisierung der Methodik und Schulungen notwendig. Zukünftige Pflanzempfehlungen müssen neben dem Geschmack auch die Widerstandskraft gegenüber Krankheiten, die Klimastabilität und den Pflegebedarf berücksichtigen.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Bade, J. (2019). Tafelbirnen. Krankheitsanfälligkeit beim Standard-Sortiment und Alternativen. In Pomologen-Verein Jahresheft, 74–79.
- ↑ FRUCTUS (2021). Sortenliste Feldobstbau – Robuste Birnensorten. Agroscope/Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft.
- ↑ Schlitt, M. (2025). Empfehlungen von Obstsorten. In Obstbäume, Frost und Klimawandel. Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Schlitt, M. (Herausgeber), Görlitz, 22–31.
- ↑ 4,0 4,1 Haug, P. et. al. (2025). Abschlussbericht zum Projekt Auslese und Entwicklung frosttoleranter Apfel- und Birnensorten zur Vermeidung von Spätfrostschäden im ökologischen Obstbau, Weinsheim.
- ↑ Schlitt, M. (2025). Obstsorten mit langer Blühzeit und/oder widerstandsfähigen Blüten. In Obstbäume, Frost und Klimawandel. Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Schlitt, M. (Herausgeber), Görlitz, 33–35.