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	<title>streuobst-wiki.eu - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-24T15:25:13Z</updated>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bodenwerte_und_Bodenanalyse&amp;diff=1133</id>
		<title>Bodenwerte und Bodenanalyse</title>
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		<updated>2026-03-06T09:31:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Die Seite wurde neu angelegt: „==Bodenwerte und Bodenanalyse== Eine Düngung der Obstbäume auf Streuobstwiesen ausschließlich über die herunterfallenden Blätter der Obstbäume oder über die Luft (atmosphärische Deposition) reicht nicht aus. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass im Boden unter den Bäumen jahrzehntelang alle für Obstbäume notwendigen Nährstoffe unbeschränkt zur Verfügung stehen. Daher ist eine möglichst gute Nährstoffversorgung der Obstbäume insbesonder…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Bodenwerte und Bodenanalyse==&lt;br /&gt;
Eine Düngung der Obstbäume auf Streuobstwiesen ausschließlich über die herunterfallenden Blätter der Obstbäume oder über die Luft (atmosphärische Deposition) reicht nicht aus. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass im Boden unter den Bäumen jahrzehntelang alle für Obstbäume notwendigen Nährstoffe unbeschränkt zur Verfügung stehen. Daher ist eine möglichst gute Nährstoffversorgung der Obstbäume insbesondere angesichts des Klimawandels dringlicher denn je, damit die Obstbäume neben einem möglichen Hitze- und Dürrestress nicht auch noch Stress durch Nährstoffmangel haben. Dabei kommt es in erster Linie auf den Humusaufbau und die Versorgung mit allen für die Bäume wichtigen Mineralien und Spurenelementen an.&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden die Notwendigkeit der Düngung auf Streuobstwiesen, die Bodenanalyse sowie wichtige Bodenwerte erläutert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Notwendigkeit der Düngung auf Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
Durch Obstgehölze werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Dies geschieht durch Ernte (Früchte), kurzfristige Pflanzenteile (Blätter, Blüten, Jungfrüchte), mittelfristige Pflanzenteile (Schnittholz) und langfristige Pflanzenteile (Wurzeln, Spross und Holz). Die Hälfte aller Nährstoffentzüge wird durch kurzfristige Pflanzenteile verursacht [5]. Hierdurch entsteht auf einer Streuobstwiese ein zu deckender Bedarf von durchschnittlich ca. 195 kg Stickstoff, 29 kg Phosphor, 243 kg Kalium, 46 kg Magnesium und 277 kg Calcium pro Hektar und Jahr [5]. Auch der Abtransport von Mahdgut vom Grünland führt zu einem zusätzlichen Nährstoffentzug, der 56 bis 190 kg Stickstoff, 20 bis 42 kg Phosphor, 149 bis 274 kg Kalium, 15 bis 30 kg Magnesium und 21 bis 138 kg Calcium pro Hektar und Jahr ausmacht [2] und damit sogar meist noch über dem jährlichen Bedarf der Obstbäume liegt [5]. Der Nährstoffbedarf in verschieden bewirtschafteten Grünlandsystemen kann z. B. unter GRUENLAND-ONLINE [6] oder LUIB et al. [2] ermittelt werden.&lt;br /&gt;
Der Ausgleich dieser Nährstoffdefizite und -entzüge auf Streuobstwiesen stellt die Basis für den Aufbau langlebiger und vitaler Streuobstbestände dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Notwendigkeit der Überprüfung der Nährstoffversorgung===&lt;br /&gt;
Bodendaten sind zwingend erforderlich, um die genaue Zusammensetzung des Bodens (Bodenart), den Gehalt an Humus sowie Makro- und Mikronährstoffe zu ermitteln. In vielen Fällen ist die genaue Nutzungshistorie einer Fläche bekannt – z. B. ob es sich um ehemaliges Siedlungsgebiet, Landwirtschaftsfläche oder jahrelang extensiv genutzte Fläche handelt. Diese Nutzungshistorie kann Hinweise auf die Nährstoffversorgung geben. Der Boden sollte vor einer Pflanzung, vor einer geplanten Bodenverbesserung aber auch nach erfolgten Düngemaßnahmen analysiert werden, um die Wirksamkeit einer Maßnahme überprüfen zu können. Nährstoffmangellagen sind meist erst dann am Baum erkennbar, wenn dieser bereits so sehr gestresst oder gar krank ist, dass es in Kombination mit zusätzlichen Stressfaktoren lebensbedrohlich werden kann. Auch kann eine ungerichtete Breitbanddüngung zu einem Überangebot an bestimmten Nährstoffen führen, was sich nicht nur negativ auf die Gesundheit des Baumes, sondern auch auf die umliegende Vegetation, das Grundwasser oder benachbarte Gewässer auswirken kann. [4]&lt;br /&gt;
===Praktische Umsetzung der Bodenanalyse===&lt;br /&gt;
Bodenanalysen können durch Testsets, Gartenfachbetriebe, Bodenlabore oder durch Anbieter aus dem Internet durchgeführt werden und kosten je nach Anzahl der gemessenen Bodenwerte ca. 30 bis 100 Euro je Probe. Es sollten mindestens 15–20 Einstiche pro Hektar erfolgen, um daraus Boden zu entnehmen und zu einer Mischprobe zu vereinigen. Die Bodenproben sollten aus dem Traufbereich des Baumes und aus ca. 15 bis 30 cm Tiefe, also unterhalb der Grasnarbe, stammen. Die Genauigkeit der Laborwerte schwankt je nach angewandter Methode nur geringfügig. Nährstoffe und pH-Wert können sich im Laufe des Jahres natürlicherweise verändern. Ideal ist eine Probenahme während der Vegetationsperiode. [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Umfang der Bodenanalyse===&lt;br /&gt;
Bei einer ersten Bodenanalyse sollte zunächst die Bodenart, also der Anteil an Sand, Schluff und Lehm, ermittelt werden. Dies kann auf sehr einfache Weise mit einem Test bestimmt werden. [6] Die Bodenart verändert sich nur sehr langsam über die Jahre, es sei denn, es erfolgen große Eingriffe durch den Menschen (Erdarbeiten) oder Naturereignisse (Hochwasser, Hangrutsche etc.) finden statt. &lt;br /&gt;
Für die Ermittlung des Bodenzustandes und der Verfügbarkeit von Nährstoffen sollten die folgenden wichtigen Parameter erfasst werden: pH-Wert, Humusgehalt aus C org., Gesamtstickstoff, C/N-Verhältnis (= Verhältnis Kohlenstoff zu Stickstoff), Phosphat, Eisen, Kalium, Molybdän, Zink, Mangan, Kupfer und Bor.&lt;br /&gt;
Die visuelle Diagnose von Pflanzennährstoffmängeln, Messungen des Nährstoff-gehaltes von Pflanzen im Feld und Laboranalysen von Nährstoffkonzentrationen im Gewebe können wertvolle zusätzliche Methoden sein, um Nährstoffmängel bei Pflanzen zu erkennen, sodass diese ausgeglichen oder gar verhindert werden können. [4]&lt;br /&gt;
===Interpretation der Analyseergebnisse===&lt;br /&gt;
Anhand der resultierenden Bodenzustandswerte können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um dem Boden die benötigten Nährstoffe wieder gezielt zuzuführen. Am besten sollten für Obstbau fachkundige Labore, Personen oder Beratungsstellen ausfindig gemacht werden, die aufgrund der ermittelten Bodenwerte Ratschläge zur Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit geben oder mit den hier weiter im Text genannten Möglichkeiten experimentieren können. [4]&lt;br /&gt;
Nährstoffempfehlungen werden anhand der Ergebnisse von Bodentests ermittelt. Doch selbst wenn zwei Labore dieselben Methoden anwenden und gleichwertige Ergebnisse erzielen, können Düngeempfehlungen unterschiedlich ausfallen. Diese Diskrepanzen ergeben sich u. a. aus Unterschieden in der Interpretation von Bodentests und Empfehlungsphilosophien. &lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre haben sich drei grundlegende Dünge-Philosophien herausgebildet [3]: der Suffizienz-Ansatz (sufficiency level of available nutrients = SLAN), der &amp;quot;Aufbauen und Erhalten&amp;quot;-Ansatz (build and maintain approach) und die Theorie des Basiskationensättigungsverhältnisses (basic cation saturation ratio = BCSR). Sowohl der Suffizienz-Ansatz als auch der &amp;quot;Aufbauen und Erhalten&amp;quot;-Ansatz folgen dem allgemeinen Konzept, dass es definierbare kritische Nährstoffgehalte im Boden gibt und dass Pflanzen unterhalb dieser Werte wahrscheinlich auf zusätzliche Nährstoffgaben reagieren.&lt;br /&gt;
Beim &amp;quot;Aufbauen und Erhalten&amp;quot;-Ansatz werden Düngeempfehlungen ausgesprochen mit dem Ziel, den Nährstoffgehalt des Bodens in den optimalen Bereich zu bringen und diesen aufrechtzuerhalten, indem Nährstoffe in einer Menge ausgebracht werden, die in etwa deren Entzug (Ernte, Mahd) entspricht. &lt;br /&gt;
Der Suffizienz-Ansatz ist eine konservativere Philosophie, bei der die Nährstoff-empfeh¬lungen lediglich den Bedarf der Pflanzen decken und nicht die Bodenfruchtbarkeit aufbauen sollen. [4]&lt;br /&gt;
Die BCSR-Theorie als dritte Philosophie geht davon aus, dass maximale Erträge nur durch ein ausgewogenes Verhältnis an Calcium, Magnesium und Kalium im Boden erzielt werden können. Eine Reihe von bodenwissenschaftlichen Studien konnten die Behauptungen der BCSR-Theorie nicht stützen. Stattdessen haben sie gezeigt, dass ihre Anwendung auf die Bewirtschaftung der Bodenfruchtbarkeit zu einer ineffizienten Nutzung von Kapital (bis hin zu doppelten Kosten) und natürlichen Ressourcen führt [vgl. z. B. 1]. Dennoch vertreten einige kleinere Anbieter und kleine Bodenlabore noch diesen Ansatz. Daher ist es empfehlenswert, sich im Vorfeld der Anwendung eines Düngekonzeptes zu den unterschiedlichen Konzepten und deren Nutzen zu erkundigen. &lt;br /&gt;
Generell ist zu beachten, dass man nach Düngeempfehlungen  für den extensiven Streuobstanbau fragen muss. Sonst besteht die Gefahr, dass man Düngeempfehlungen  für den Obstplantagenbau oder landwirtschaftliche Ackerfrüchte erhält.&lt;br /&gt;
Für den Intensivanbau von Obst liegen bereits jahrzehntelange Erfahrungen zum Nährstoffbedarf verschiedener Obstsorten und deren Neigung zu Nährstoffmängeln vor. Für extensiv bewirtschaftete Hochstammobstbäume und den mehreren hunderten in Deutschland verbreiteten Sorten und deren Kombination mit unterschiedlichen Unterlagen existieren bislang kaum derartige Daten. Auch ändert sich der Nährstoffbedarf eines jungen Baumes im Vergleich zu einem hundert Jahre alten Baum. Daher gilt im Zweifelsfall, bestimmte Maßnahmen und Düngestoffe in vorsichtigen Dosierungen über mehrmalige jährliche Anwendungen zu verabreichen und deren Erfolg durch regelmäßige jährliche Messungen der Bodenwerte und der Beobachtung des Gesundheitszustandes der Bäume zu dokumentieren sowie die Dosierung ggf. anzupassen. Eine zu lang andauernde Mangellage und eine darauffolgende hohe Konzentration bestimmter Nährstoffe, z. B. von Magnesium, Phosphor oder Kalium, kann die Pflanzen auch eventuell überfordern oder leicht eine Überdüngung der Fläche verursachen. Daher ist es empfehlenswert, diese Nährstoffe in zwei bis drei Düngegaben mit zeitlichem Abstand zu verabreichen. [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wichtige Bodenwerte===&lt;br /&gt;
Es gibt hunderte von zu messenden Parametern und Eigenschaften des Bodens und weitere organische oder anorganische Stoffe im Boden, die sich ebenfalls für die Charakterisierung der Qualität und des Zustandes eignen würden. Die folgenden Bodenwerte werden aber meist zur Messung der Fruchtbarkeit des Bodens verwendet. Im Folgenden wird kurz die Funktion der Bodenwerte erläutert [3]:&lt;br /&gt;
pH-Wert: Dies ist eine Maßeinheit für sauren (pH-Wert &amp;lt; 7) oder basischen Boden (pH-Wert &amp;gt; 7). Zu niedrige Werte (pH-Wert &amp;lt; 6) beeinflussen die Dekomposition und Nährstoffverfügbarkeit negativ. Durch basische Gesteinsmehle (z. B. Dolomitkalk) kann der pH-Wert in zu sauren Böden wieder angehoben werden.&lt;br /&gt;
Humusgehalt / C-org: Zu niedrige Humusgehalte (&amp;lt; 2,5 %) können durch eine Extensivierung der Mahd, Kompostgaben, abgelagerten Stallmist und diverse andere Mulchmaterialien (siehe Abschnitt 4.3.1.) auf Werte von 8 bis 15 % verbessert werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Makronährstoffe====&lt;br /&gt;
Stickstoff (N): Kommt in Chlorophyll, Nukleinsäuren und Aminosäuren vor. Hauptbestandteil von Proteinen und Enzymen, die die meisten biologischen Prozesse steuern. &lt;br /&gt;
Calcium (Ca): Unverzichtbar für die Zellstreckung und -teilung. Erforderlich für die Wurzel- und Blattentwicklung und -funktion sowie für die Bildung von Zellmembranen und Wänden. Beteiligt an der Aktivierung von Enzymen.&lt;br /&gt;
Magnesium (Mg): Hauptbestandteil von Chlorophyll und wichtig für die Photosynthese. Bestandteil von Ribosomen, die für die Proteinsynthese erforderlich sind. Beteiligt an Phosphatstoffwechsel, Atmung und der Enzymaktivität. Bei Mangel Chlorose (Bleichsucht), verringerter Ernteertrag und eine verzögerte Blütenentwicklung. Defizite beheben durch Dolomitkalk.&lt;br /&gt;
Kalium (K): Reguliert Wasserverbrauch und sorgt für Krankheitsresistenz und Stammfestigkeit. Beteiligt sich an Photosynthese, Trockentoleranz, Winterhärte und Proteinsynthese.&lt;br /&gt;
Phosphor (P): Wichtig für die Speicherung und Übertragung von Energie, Bestandteil von Desoxyribonukleinsäure (DNA) und Ribonukleinsäure (RNA) und daher an den meisten pflanzlichen Entwicklungsprozessen beteiligt, sowie Bestandteil von Pflanzengeweben, besonders konzentriert in Samen.&lt;br /&gt;
Schwefel (S): Erforderlich für die Synthese von und enthalten in Aminosäuren, die für die Proteinbildung unerlässlich sind. Fördert die Knöllchenbildung bei Leguminosen. Beteiligt sich an der Entwicklung von Enzymen, bei der Samenproduktion und Chlorophyllbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mikronährstoffe / Spurenelemente====&lt;br /&gt;
Eisen (Fe): Katalysator bei der Chlorophyllsynthese. Beteiligt an Oxidations- und Reduktionsreaktionen während der Atmung und der Photosynthese. Bei Mangel Chlorose (Bleichsucht) und verringerter Ernteertrag. Die Löslichkeit von Eisen und damit Aufnahme der Pflanzen ist in basischen Böden verringert.&lt;br /&gt;
Kupfer (Cu): Enzymkatalysator und erforderlich für die Chlorophyllbildung.&lt;br /&gt;
Mangan (Mn): Wirkt als Katalysator, z. B. Chlorophyllsynthese, und hilft bei der Aktivierung von Enzymsystemen mit. &lt;br /&gt;
Bor (B): Wesentlich für die Keimung der Pollen, das Wachstum der Pollenschläuche, die Bildung von Samen und Zellwänden sowie die Entwicklung und das Wachstum neuer Zellen im meristematischen Gewebe. Wird mit der Verlagerung von Zucker, Stärke, N und P in Verbindung gebracht.&lt;br /&gt;
Nickel (Ni): Bestandteil des Enzyms Urease. Unverzichtbar für Pflanzen, wie z. B. Obstgehölzen, die mit Harnstoff versorgt werden und bei denen Ureide für den N-Stoffwechsel wichtig sind.&lt;br /&gt;
Zink (Zn): Beteiligt an der Synthese von Pflanzenwachstumsstoffen und dem Enzymsystem. Erforderlich für die Produktion von Chlorophyll, Kohlenhydraten und Wachstumshormonen.&lt;br /&gt;
Molybdän (Mo): Erforderlich für die Synthese und Aktivität des Enzymsystems, besonders der Nitratreduktase. Wesentlich für die N-Fixierung durch Rhizobien. &lt;br /&gt;
Chlor (Cl): Beteiligt an pflanzlichen Energiereaktionen, Beziehungen zwischen Pflanze und Wasser, Regulierung der Stomata-Wächterzellen, Trockenheits- und Krankheitsresistenz, Enzymaktivierung und Kationentransport in Pflanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
[1] Kopittke, P. M. &amp;amp; N. W. Menzies (2007): A Review of the Use of the Basic Cation Saturation Ratio and the “Ideal” Soil. – Science Society of America Journal 71: 259-265. doi: 10.2136/sssaj2006.0186&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Luib, J., Messner, J. &amp;amp; M. Elsäser (2017): Düngebedarfsberechnung bei Grünland und Nährstoffvergleich für tierhaltende Betriebe. [online] https://lazbw.landwirtschaft-bw.de/pb/site/pbs-bw-new/get/documents/MLR.LEL/PB5Documents/lazbw_2017/lazbw_gl/Grünlandwirtschaft_und_Futterbau/Wirtschaftsduenger/Dokumente_Wirtschaftsdünger/Düngebedarfsberechnung_Grünland+Nährstoffvergleich1.pdf [abgerufen am 0X.0X.2023].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] McGrath, J. M., Spargo, J. &amp;amp; C. J. Penn (2014): Soil Fertility and Plant Nutrition. – Encyclopedia of Agriculture and Food Systems 5: 166-184. doi: 10.1016/B978-0-444-52512-3.00249-7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Schliebner, S., Decker, P., Schlitt, M. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel. Ein Leitfaden, Görlitz/Ostritz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Schwärzel, H. (2022): Herausforderungen für den Streuobstanbau und die Erhaltung von alten Sorten in der Zukunft aus der Sicht der Wasser- und Nährstoffversorgung. [Vortrag] Streuobstwiesenkonferenz im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal, Ostritz, 07.05.2022.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Gruenland-Online (2023): [online] https://gruenland-online.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Maringer, J. et al. (2025: Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten, Stuttgart, S. 14.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1094</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T10:14:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
[[Datei: Earwig on white background.jpg|thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia), Weibchen]]&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Science,77(4),1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society, 190(3), 788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension, 8. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg, 74, 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science, 75(12), 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1093</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T10:14:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
[[Datei: Earwig on white background.jpg|thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia), Weibchen]]&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Science,77(4),1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society, 190(3), 788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension, 8. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg, 74, 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science, 75(12), 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1091</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1091"/>
		<updated>2026-01-29T10:13:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
[[Datei: Earwig on white background.jpg|thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia), Weibchen]]&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Science,77(4),1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society, 190(3), 788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension, 8. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg, 74, 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science, 75(12), 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=1090</id>
		<title>Splintholzkäfer</title>
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		<updated>2026-01-29T10:13:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Änderung 1089 von Michael Krutzler (Diskussion) rückgängig gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Splintholzkäfer===&lt;br /&gt;
[[Datei:Scolytus rugulosus Imago.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; Imago]]&lt;br /&gt;
Die Splintholzkäfer &#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Großer Obstbaumsplintkäfer) und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Kleiner Obstbaumsplintkäfer) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Beide Arten zählen in Mitteleuropa zu den bedeutendsten holz- und rindenbewohnenden Sekundärschädlingen an Obstgehölzen. Sie treten überwiegend an geschwächten, verletzten oder absterbenden Bäumen auf und können bei starkem Befall zum Absterben einzelner Kronenteile oder ganzer Bäume führen &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;&amp;gt;Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). &#039;&#039;Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; LELF Frankfurt (Oder).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;&amp;gt;Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). &#039;&#039;Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Im Lebensraum Streuobstwiese sind die Käfer Teil der natürlichen Zersetzergemeinschaft, nehmen aber bei anhaltendem Trockenstress oder mangelhafter Pflege auch wirtschaftliche Bedeutung an. Verwandte Arten wie &#039;&#039;Xyleborinus saxeseni&#039;&#039; (Runzliger Obstbaumsplintkäfer) oder &#039;&#039;Xyleborus dispar&#039;&#039; (Ungleicher Holzbohrer) verursachen ähnliche Fraßbilder, gehören jedoch zu anderen Gattungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
*	Ordnung: Coleoptera – Käfer&lt;br /&gt;
*	Familie: Curculionidae – Rüsselkäfer&lt;br /&gt;
*	Unterfamilie: Scolytinae – Borkenkäfer&lt;br /&gt;
*	Tribus: Scolytini&lt;br /&gt;
*	Gattung: &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; Geoffroy, 1762&lt;br /&gt;
*	Arten:&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Bechstein, 1805) – Großer Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Müller, 1818) – Kleiner Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
Die Gattung &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; umfasst etwa 120 beschriebene Arten mit paläarktischer, orientalischer und nearktischer Verbreitung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;&amp;gt;Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). Scolytus &#039;&#039;and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles.&#039;&#039; Bark Beetles, Elsevier, 495–503. [https://doi.org/10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die beiden genannten Arten sind in Europa heimisch und morphologisch gut bestimmbar. Sie besitzen abgeflachte Fühlerkeulen, einen leicht geneigten Flügeldeckenabfall und einen charakteristischen Bau der Bauchsternite, der zwischen den Arten differiert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; sind in der gesamten Paläarktis verbreitet &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;&amp;gt;Lortkipanidze, M. et al. (2020). &#039;&#039; Role of the major ecological factors on the formation of nematode fauna.&#039;&#039; International Journal of Fauna and Biological Studies 7(2): 65–70.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Mitteleuropa kommen sie von den Tiefebenen bis in mittlere Gebirgslagen vor. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gelten sie als regelmäßige Begleiter alter Obstbestände, Gartenbäume und Streuobstwiesen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Beide Arten bevorzugen wärmere, trockenere Lagen, wo Obstgehölze durch Trockenstress oder Alterung geschwächt sind. Sie können auch in Baumschulen oder Jungpflanzungen auftreten, wenn die Pflanzen durch Transport oder Pflanzfehler geschädigt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Primärbefall gesunder Bäume ist dagegen selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
Scolytus mali und Scolytus rugulosus sind phloeophage Käfer, die sich vom Bastgewebe (Phloem) unter der Rinde ernähren. Sie besiedeln vorwiegend geschwächte, absterbende oder frisch abgestorbene Obstbäume. Die Tiere sind monogam; das Weibchen sucht geeignetes Holzmaterial auf und bohrt eine kurze Einbohröffnung bis zum Kambium. Dahinter legt es eine kleine Kammer an, von der aus ein längs zur Holzfaser verlaufender Muttergang ausgeht.&lt;br /&gt;
Entlang des Mutterganges werden die Eier einzeln in kleine Nischen abgelegt und mit Bohrmehl bedeckt. Nach dem Schlupf fressen die Larven fächerförmig vom Muttergang weg durch das Bastgewebe und teilweise in den Splint. Ihre Fraßgänge sind deutlich an der Unterseite der Rinde sichtbar und verlaufen meist senkrecht zum Muttergang.&lt;br /&gt;
Die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz oder in der inneren Rinde. Nach Abschluss der Entwicklung bohren sich die Jungkäfer durch kleine runde Ausflugslöcher ins Freie. In Mitteleuropa tritt in der Regel eine Generation pro Jahr auf; in warmen und trockenen Jahren kann sich eine teilweise zweite Generation entwickeln.&lt;br /&gt;
Die Käfer überwintern je nach Art und Standort als Larven, Puppen oder Jungkäfer im Holz. Der Hauptflug erfolgt ab dem späten Frühjahr, meist von Mai bis Juli. Nach dem Ausflug erfolgt ein kurzer Reifungsfraß an jungen Trieben und Blattstielen, bevor die Weibchen erneut Eiablagekammern anlegen.&lt;br /&gt;
Trockenheit, hohe Temperaturen und geschwächte Bäume fördern die Entwicklung der Splintholzkäfer erheblich, da die Abwehrmechanismen der Wirtspflanzen bei Wassermangel reduziert sind. In vitalen Beständen kommt es dagegen nur selten zu einer erfolgreichen Besiedlung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Ein Befall äußert sich durch Welken einzelner Kronenteile ab Juni, Bohrmehlauswurf aus der Rinde, Harzfluss oder Gummifluss, sowie rundliche Ein- und Ausbohrlöcher &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Unter der Rinde zeigen sich typische Fraßbilder: ein längsgerichteter Muttergang mit seitlich abzweigenden, fächerförmig verlaufenden Larvengängen.&lt;br /&gt;
Im Verlauf lösen sich Rindenpartien, das Gewebe verfärbt sich dunkelbraun, und in späteren Stadien treten sekundäre Fäulen auf. Absterbende Äste und vermehrte Stock- oder Stammaustriebe sind weitere Anzeichen eines Befalls &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung für Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
In extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen kommen S. mali und S. rugulosus regelmäßig vor. Sie befallen vor allem alte Hochstämme oder Bäume, die durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schnittmaßnahmen geschwächt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;&amp;gt;Breinesberger, J. et al. (2024). &#039;&#039; Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO.&#039;&#039; ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg. ISBN 978-3-9505403-1-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft Mitteleuropas und in Österreich von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;. Ihr ökologischer Wert beruht auf hoher Biodiversität und Sortenvielfalt. Alte, teilweise abgestorbene Bäume bieten zahlreichen Insekten, darunter auch Splintholzkäfern, Lebensraum.&lt;br /&gt;
Ein maßvolles Gleichgewicht zwischen Erhalt wertvoller Altbäume und der Vermeidung von Käferherden ist daher wichtig. Stark befallene oder abgestorbene Bäume sollten entfernt werden, um den Befallsdruck auf den Bestand zu verringern &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sortenanfälligkeit===&lt;br /&gt;
S&#039;&#039;colytus mali&#039;&#039; befällt hauptsächlich Apfel (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Birne (&#039;&#039;Pyrus communis&#039;&#039;) und Eberesche (&#039;&#039;Sorbus aucuparia&#039;&#039;). &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; tritt häufig an Pflaume (&#039;&#039;Prunus domestica&#039;&#039;), Kirsche (&#039;&#039;P. avium&#039;&#039;, &#039;&#039;P. cerasus&#039;&#039;) und Apfel auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die Anfälligkeit wird durch Baumvitalität und Rindenstruktur beeinflusst. Sorten mit glatter, rissfreier Rinde und gutem Wasserversorgungszustand zeigen eine geringere Befallswahrscheinlichkeit. In alten Streuobstsorten finden sich oft individuell robuste Genotypen, die unter Trockenstress weniger anfällig sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Einsatz von entomopathogenen Pilzen, insbesondere &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;, zeigte in Labor- und Feldversuchen hohe Wirksamkeit gegen verschiedene Scolytus-Arten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;&amp;gt;Batta, Y. A. (2007). &#039;&#039; Biocontrol of almond bark beetle (&#039;&#039;Scolytus amygdali&#039;&#039;) using &#039;&#039;Beauveria bassiana. Journal of Applied Microbiology 103: 1406–1414. [https://doi.org/10.1111/j.1365-2672.2007.03369.x].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Formulierungen auf Ölbasis oder als Invert-Emulsion erreichten über 80 % Mortalität erwachsener Käfer, ohne negative Umweltwirkungen. Diese Methode gilt als vielversprechende Alternative zur chemischen Bekämpfung.&lt;br /&gt;
Auch parasitäre Nematoden und räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulation der Population bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Vorbeugung durch gute Pflege ist entscheidend. Dazu zählen eine ausreichende Wasserversorgung, sachgerechter Schnitt und die Vermeidung von Rindenverletzungen. Befallenes Material sollte zeitnah aus dem Bestand entfernt und abgetrocknet oder gehäckselt werden, damit sich Larven nicht weiterentwickeln können &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lehm-Jute-Bandagen, Stammanstriche oder mechanische Schutzeinrichtungen sind gegen Borken- und Splintholzkäfer nicht wirksam &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Behandlungen werden im Streuobstbau nicht angewendet und sind aufgrund der geschützten Lebensweise der Käfer unter der Rinde meist wirkungslos. Sie widersprechen außerdem den Grundsätzen des ökologisch orientierten Obstbaus &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein integriertes Management kombiniert Pflegemaßnahmen, Entfernung befallener Bäume und Förderung natürlicher Gegenspieler. In Streuobstsystemen wird eine periodische Kontrolle auf Bohrmehl und Ausflugslöcher empfohlen. Durch rechtzeitige Entnahme befallener Stämme und biologische Behandlungen kann der Befall nachhaltig eingedämmt werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Klimatische Veränderungen mit häufigeren Trockenperioden können die Bedeutung dieser Schädlinge verstärken &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;. Ein präventiver, pflegeorientierter Ansatz gewinnt daher weiter an Relevanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zu Borken- und Splintholzkäfern konzentrierte sich lange auf forstwirtschaftlich relevante Arten. Neuere Untersuchungen berücksichtigen zunehmend auch an Obstgehölzen auftretende &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039;-Arten. Dabei stehen die Wechselwirkungen zwischen Käfern, assoziierten Mikroorganismen und klimatischen Faktoren im Vordergrund &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Biologische Kontrollstrategien, Pheromonforschung und molekulargenetische Analysen tragen zu einem besseren Verständnis der Populationsdynamik bei. In Österreich und Deutschland werden diese Erkenntnisse auch für das Management von Streuobstbeständen genutzt, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=1089</id>
		<title>Splintholzkäfer</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=1089"/>
		<updated>2026-01-29T10:10:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Splintholzkäfer===&lt;br /&gt;
[[Datei: Earwig on white background.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia), Weibchen]]&lt;br /&gt;
Die Splintholzkäfer &#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Großer Obstbaumsplintkäfer) und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Kleiner Obstbaumsplintkäfer) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Beide Arten zählen in Mitteleuropa zu den bedeutendsten holz- und rindenbewohnenden Sekundärschädlingen an Obstgehölzen. Sie treten überwiegend an geschwächten, verletzten oder absterbenden Bäumen auf und können bei starkem Befall zum Absterben einzelner Kronenteile oder ganzer Bäume führen &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;&amp;gt;Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). &#039;&#039;Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; LELF Frankfurt (Oder).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;&amp;gt;Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). &#039;&#039;Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Im Lebensraum Streuobstwiese sind die Käfer Teil der natürlichen Zersetzergemeinschaft, nehmen aber bei anhaltendem Trockenstress oder mangelhafter Pflege auch wirtschaftliche Bedeutung an. Verwandte Arten wie &#039;&#039;Xyleborinus saxeseni&#039;&#039; (Runzliger Obstbaumsplintkäfer) oder &#039;&#039;Xyleborus dispar&#039;&#039; (Ungleicher Holzbohrer) verursachen ähnliche Fraßbilder, gehören jedoch zu anderen Gattungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
*	Ordnung: Coleoptera – Käfer&lt;br /&gt;
*	Familie: Curculionidae – Rüsselkäfer&lt;br /&gt;
*	Unterfamilie: Scolytinae – Borkenkäfer&lt;br /&gt;
*	Tribus: Scolytini&lt;br /&gt;
*	Gattung: &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; Geoffroy, 1762&lt;br /&gt;
*	Arten:&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Bechstein, 1805) – Großer Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Müller, 1818) – Kleiner Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
Die Gattung &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; umfasst etwa 120 beschriebene Arten mit paläarktischer, orientalischer und nearktischer Verbreitung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;&amp;gt;Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). Scolytus &#039;&#039;and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles.&#039;&#039; Bark Beetles, Elsevier, 495–503. [https://doi.org/10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die beiden genannten Arten sind in Europa heimisch und morphologisch gut bestimmbar. Sie besitzen abgeflachte Fühlerkeulen, einen leicht geneigten Flügeldeckenabfall und einen charakteristischen Bau der Bauchsternite, der zwischen den Arten differiert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; sind in der gesamten Paläarktis verbreitet &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;&amp;gt;Lortkipanidze, M. et al. (2020). &#039;&#039; Role of the major ecological factors on the formation of nematode fauna.&#039;&#039; International Journal of Fauna and Biological Studies 7(2): 65–70.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Mitteleuropa kommen sie von den Tiefebenen bis in mittlere Gebirgslagen vor. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gelten sie als regelmäßige Begleiter alter Obstbestände, Gartenbäume und Streuobstwiesen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Beide Arten bevorzugen wärmere, trockenere Lagen, wo Obstgehölze durch Trockenstress oder Alterung geschwächt sind. Sie können auch in Baumschulen oder Jungpflanzungen auftreten, wenn die Pflanzen durch Transport oder Pflanzfehler geschädigt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Primärbefall gesunder Bäume ist dagegen selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
Scolytus mali und Scolytus rugulosus sind phloeophage Käfer, die sich vom Bastgewebe (Phloem) unter der Rinde ernähren. Sie besiedeln vorwiegend geschwächte, absterbende oder frisch abgestorbene Obstbäume. Die Tiere sind monogam; das Weibchen sucht geeignetes Holzmaterial auf und bohrt eine kurze Einbohröffnung bis zum Kambium. Dahinter legt es eine kleine Kammer an, von der aus ein längs zur Holzfaser verlaufender Muttergang ausgeht.&lt;br /&gt;
Entlang des Mutterganges werden die Eier einzeln in kleine Nischen abgelegt und mit Bohrmehl bedeckt. Nach dem Schlupf fressen die Larven fächerförmig vom Muttergang weg durch das Bastgewebe und teilweise in den Splint. Ihre Fraßgänge sind deutlich an der Unterseite der Rinde sichtbar und verlaufen meist senkrecht zum Muttergang.&lt;br /&gt;
Die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz oder in der inneren Rinde. Nach Abschluss der Entwicklung bohren sich die Jungkäfer durch kleine runde Ausflugslöcher ins Freie. In Mitteleuropa tritt in der Regel eine Generation pro Jahr auf; in warmen und trockenen Jahren kann sich eine teilweise zweite Generation entwickeln.&lt;br /&gt;
Die Käfer überwintern je nach Art und Standort als Larven, Puppen oder Jungkäfer im Holz. Der Hauptflug erfolgt ab dem späten Frühjahr, meist von Mai bis Juli. Nach dem Ausflug erfolgt ein kurzer Reifungsfraß an jungen Trieben und Blattstielen, bevor die Weibchen erneut Eiablagekammern anlegen.&lt;br /&gt;
Trockenheit, hohe Temperaturen und geschwächte Bäume fördern die Entwicklung der Splintholzkäfer erheblich, da die Abwehrmechanismen der Wirtspflanzen bei Wassermangel reduziert sind. In vitalen Beständen kommt es dagegen nur selten zu einer erfolgreichen Besiedlung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Ein Befall äußert sich durch Welken einzelner Kronenteile ab Juni, Bohrmehlauswurf aus der Rinde, Harzfluss oder Gummifluss, sowie rundliche Ein- und Ausbohrlöcher &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Unter der Rinde zeigen sich typische Fraßbilder: ein längsgerichteter Muttergang mit seitlich abzweigenden, fächerförmig verlaufenden Larvengängen.&lt;br /&gt;
Im Verlauf lösen sich Rindenpartien, das Gewebe verfärbt sich dunkelbraun, und in späteren Stadien treten sekundäre Fäulen auf. Absterbende Äste und vermehrte Stock- oder Stammaustriebe sind weitere Anzeichen eines Befalls &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung für Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
In extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen kommen S. mali und S. rugulosus regelmäßig vor. Sie befallen vor allem alte Hochstämme oder Bäume, die durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schnittmaßnahmen geschwächt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;&amp;gt;Breinesberger, J. et al. (2024). &#039;&#039; Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO.&#039;&#039; ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg. ISBN 978-3-9505403-1-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft Mitteleuropas und in Österreich von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;. Ihr ökologischer Wert beruht auf hoher Biodiversität und Sortenvielfalt. Alte, teilweise abgestorbene Bäume bieten zahlreichen Insekten, darunter auch Splintholzkäfern, Lebensraum.&lt;br /&gt;
Ein maßvolles Gleichgewicht zwischen Erhalt wertvoller Altbäume und der Vermeidung von Käferherden ist daher wichtig. Stark befallene oder abgestorbene Bäume sollten entfernt werden, um den Befallsdruck auf den Bestand zu verringern &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sortenanfälligkeit===&lt;br /&gt;
S&#039;&#039;colytus mali&#039;&#039; befällt hauptsächlich Apfel (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Birne (&#039;&#039;Pyrus communis&#039;&#039;) und Eberesche (&#039;&#039;Sorbus aucuparia&#039;&#039;). &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; tritt häufig an Pflaume (&#039;&#039;Prunus domestica&#039;&#039;), Kirsche (&#039;&#039;P. avium&#039;&#039;, &#039;&#039;P. cerasus&#039;&#039;) und Apfel auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die Anfälligkeit wird durch Baumvitalität und Rindenstruktur beeinflusst. Sorten mit glatter, rissfreier Rinde und gutem Wasserversorgungszustand zeigen eine geringere Befallswahrscheinlichkeit. In alten Streuobstsorten finden sich oft individuell robuste Genotypen, die unter Trockenstress weniger anfällig sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Einsatz von entomopathogenen Pilzen, insbesondere &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;, zeigte in Labor- und Feldversuchen hohe Wirksamkeit gegen verschiedene Scolytus-Arten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;&amp;gt;Batta, Y. A. (2007). &#039;&#039; Biocontrol of almond bark beetle (&#039;&#039;Scolytus amygdali&#039;&#039;) using &#039;&#039;Beauveria bassiana. Journal of Applied Microbiology 103: 1406–1414. [https://doi.org/10.1111/j.1365-2672.2007.03369.x].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Formulierungen auf Ölbasis oder als Invert-Emulsion erreichten über 80 % Mortalität erwachsener Käfer, ohne negative Umweltwirkungen. Diese Methode gilt als vielversprechende Alternative zur chemischen Bekämpfung.&lt;br /&gt;
Auch parasitäre Nematoden und räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulation der Population bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Vorbeugung durch gute Pflege ist entscheidend. Dazu zählen eine ausreichende Wasserversorgung, sachgerechter Schnitt und die Vermeidung von Rindenverletzungen. Befallenes Material sollte zeitnah aus dem Bestand entfernt und abgetrocknet oder gehäckselt werden, damit sich Larven nicht weiterentwickeln können &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lehm-Jute-Bandagen, Stammanstriche oder mechanische Schutzeinrichtungen sind gegen Borken- und Splintholzkäfer nicht wirksam &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Behandlungen werden im Streuobstbau nicht angewendet und sind aufgrund der geschützten Lebensweise der Käfer unter der Rinde meist wirkungslos. Sie widersprechen außerdem den Grundsätzen des ökologisch orientierten Obstbaus &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein integriertes Management kombiniert Pflegemaßnahmen, Entfernung befallener Bäume und Förderung natürlicher Gegenspieler. In Streuobstsystemen wird eine periodische Kontrolle auf Bohrmehl und Ausflugslöcher empfohlen. Durch rechtzeitige Entnahme befallener Stämme und biologische Behandlungen kann der Befall nachhaltig eingedämmt werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Klimatische Veränderungen mit häufigeren Trockenperioden können die Bedeutung dieser Schädlinge verstärken &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;. Ein präventiver, pflegeorientierter Ansatz gewinnt daher weiter an Relevanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zu Borken- und Splintholzkäfern konzentrierte sich lange auf forstwirtschaftlich relevante Arten. Neuere Untersuchungen berücksichtigen zunehmend auch an Obstgehölzen auftretende &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039;-Arten. Dabei stehen die Wechselwirkungen zwischen Käfern, assoziierten Mikroorganismen und klimatischen Faktoren im Vordergrund &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Biologische Kontrollstrategien, Pheromonforschung und molekulargenetische Analysen tragen zu einem besseren Verständnis der Populationsdynamik bei. In Österreich und Deutschland werden diese Erkenntnisse auch für das Management von Streuobstbeständen genutzt, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1088</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T10:07:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Science,77(4),1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society, 190(3), 788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension, 8. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg, 74, 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science, 75(12), 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1087</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T10:01:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Sci. Apr;77(4):1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society. 2020 Nov;190(3):788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension. 2010 Nov;8. &lt;br /&gt;
[doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science 75(12): 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten (&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;,4).&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T10:00:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Sci. 2021 Apr;77(4):1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society. 2020 Nov;190(3):788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension. 2010 Nov;8. &lt;br /&gt;
[doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Riedle-Bauer, M. et al. (2024). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bourne&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bourne, A. et al. (2019). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Management Science 75(12): 3340–3345. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.5459].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Riedle&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten (&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;,4).&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Gemeiner_Ohrwurm&amp;diff=1085</id>
		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T09:50:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Jana&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jana, M. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Pest Manag Sci. 2021 Apr;77(4):1694-1704. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1002/ps.6189].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Wien. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
González-Miguéns, R. et al. (2015). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Zoological Journal of the Linnean Society. 2020 Nov;190(3):788–823. &lt;br /&gt;
[https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaa070].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen &amp;lt;ref name=&amp;quot;BM&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Capinera, J. L. (2010). &lt;br /&gt;
&#039;&#039;European earwig Forficula auricularia&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
University of Florida IFAS Extension. 2010 Nov;8. &lt;br /&gt;
[doi.org/10.32473/edis-in875-2010].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen (4).&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden (5). &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Capinera&amp;quot;/&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen (4).&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten (&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gonzales&amp;quot;/&amp;gt;,4).&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<title>Gemeiner Ohrwurm</title>
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		<updated>2026-01-29T09:09:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Die Seite wurde neu angelegt: „==Gemeiner Ohrwurm== ===Einleitung=== Der Gemeine Ohrwurm (&amp;#039;&amp;#039;Forficula auricularia&amp;#039;&amp;#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er ei…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Gemeiner Ohrwurm==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm (&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039;) ist eine weit verbreitete Insektenart der Ordnung Dermaptera, die in mitteleuropäischen Agrarlandschaften regelmäßig auftritt. Er gilt als typischer Allesfresser mit sowohl räuberischen als auch pflanzenfressenden Ernährungsgewohnheiten. In extensiven Obstbausystemen, insbesondere in Streuobstwiesen, wird der Ohrwurm überwiegend als Nützling wahrgenommen, da er eine Vielzahl phytophager Insekten konsumiert. Gleichzeitig kann es unter bestimmten Bedingungen zu Fraßschäden an reifenden Früchten kommen. Die ökologische Rolle des Ohrwurms ist daher ambivalent und stark kontextabhängig. Untersuchungen in Obstbaubetrieben zeigen, dass Ohrwürmer von vielen Bewirtschaftern primär als Nützlinge geschätzt werden, insbesondere aufgrund ihres Beitrags zur Kontrolle von Blattläusen und anderen Schadinsekten. Diese Einschätzung wird insbesondere für mitteleuropäische Obstlandschaften geteilt, in denen der Ohrwurm als integraler Bestandteil des funktionellen Artenspektrums gilt (6).&lt;br /&gt;
Für Streuobstwiesen, die durch geringe Eingriffsintensität und hohe strukturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist diese Art Teil eines komplexen Wirkungsgefüges zwischen Schädlingen, Nützlingen und Kulturpflanzen (1).&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta&lt;br /&gt;
* Ordnung: Dermaptera&lt;br /&gt;
* Familie: Forficulidae&lt;br /&gt;
* Gattung: Forficula&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Linnaeus, 1758&lt;br /&gt;
Neuere systematische Untersuchungen zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; im weiteren Sinn ein Artenkomplex ist, der mehrere kryptische Taxa umfasst. Molekulargenetische Analysen belegen die Existenz mehrerer evolutionärer Linien mit unterschiedlicher biogeographischer Verbreitung im westlichen Paläarktisraum. Morphologisch sind diese Linien weitgehend nicht unterscheidbar, was ihre taxonomische Abgrenzung im Feld erschwert (2).&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
Der Gemeine Ohrwurm kommt heute in nahezu ganz Europa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und Westasien. In Mitteleuropa ist die Art in verschiedensten Lebensräumen anzutreffen, darunter Gärten, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und insbesondere extensiv bewirtschaftete Obstlandschaften. Streuobstwiesen bieten durch ihr Mikroklima, Totholzanteile, Bodenstreu und Baumhöhlen günstige Bedingungen für Populationen (1).&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken wie Rindenspalten, Bodenritzen oder unter Pflanzenresten. Die Art bildet in der Regel eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier oder als Ei im Boden. Weibchen zeigen eine ausgeprägte Brutpflege, indem sie die Eier bewachen, reinigen und die frisch geschlüpften Nymphen in den ersten Entwicklungsstadien versorgen. Die Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, bevor im Sommer die Adulttiere erscheinen. Diese biologische Strategie begünstigt stabile Populationen auch unter wechselnden Umweltbedingungen (3).&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Fraßschäden durch Ohrwürmer äußern sich vor allem an reifen oder bereits vorgeschädigten Früchten. Typisch sind unregelmäßige, oberflächliche Fraßstellen an Apfel-, Birnen- oder Steinobstfrüchten. In Streuobstwiesen werden solche Schäden meist als gering eingeschätzt, da sie nur einen kleinen Teil der Ernte betreffen. Im Vergleich zu intensiven Kulturen sind wirtschaftlich relevante Ertragsverluste selten dokumentiert. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurden bei hohen Populationsdichten jedoch auch qualitative Beeinträchtigungen beobachtet, etwa durch Kontamination der Trauben mit Insekten oder deren Ausscheidungen (4).&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Ohrwurm selbst ist ein wichtiger generalistischer Räuber und ernährt sich unter anderem von Blattläusen, Eiern und Larven verschiedener Insekten sowie von kleinen Raupen. Durch seine räuberische Aktivität trägt er zur Regulation dieser Schädlinge bei. Darüber hinaus sind für den Ohrwurm mehrere natürliche Gegenspieler beschrieben. Dazu zählen parasitoide Zweiflügler, entomopathogene Pilze wie &#039;&#039;Metarhizium anisopliae&#039;&#039; sowie Nematoden, die lokal eine relevante Mortalität verursachen können. Auch Prädation durch Vögel trägt zur natürlichen Regulation der Populationen bei (3).&lt;br /&gt;
Besondere Aufmerksamkeit hat der Ohrwurm als potenzieller biologischer Gegenspieler der Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) erhalten. Studien zeigen, dass &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; Eier und Larven dieser invasiven Fruchtfliege aktiv frisst und damit zur Reduktion der Population beitragen kann. Diese Rolle als Nützling wird insbesondere in extensiven Obstsystemen diskutiert, in denen chemische Maßnahmen üblicherweise vermieden werden (5). &lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Kulturelle Maßnahmen zielen darauf ab, die Habitatbedingungen so zu gestalten, dass es nicht zu massenhaften Ansammlungen von Ohrwürmern in sensiblen Bereichen kommt. In der Literatur wird insbesondere der Einsatz von Fallen zur Überwachung und lokalen Reduktion der Population beschrieben (3). Diese Fallen nutzen das natürliche Versteckverhalten der Ohrwürmer und bestehen beispielsweise aus feuchten, eingerollten Zeitungen, Holzwolle in umgedrehten Blumentöpfen oder Brettern mit schmalen Spalten, die tagsüber als Unterschlupf dienen. Die Tiere können regelmäßig aus den Fallen entfernt werden, wodurch sich lokale Dichten begrenzen lassen (3). &lt;br /&gt;
Solche Maßnahmen sind vor allem für Hausgärten, Kleinflächen oder Einzelbäume praktikabel. In großflächigen Streuobstwiesen mit hoher Strukturvielfalt, zahlreichen Rückzugsräumen und geringer Bewirtschaftungsintensität sind Fallen hingegen nur eingeschränkt wirksam. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben sie dort in der Praxis wenig Bedeutung. Entsprechend werden kulturelle Maßnahmen im Streuobstanbau eher als Monitoringinstrument verstanden.&lt;br /&gt;
Umgekehrt kann Holzwolle in umgedrehten, an Obstbäumen angebrachten Blumentöpfen als künstlicher Unterschlupf dienen, um Ohrwürmer gezielt zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Ohrwürmer bei starkem Blattlausbefall als natürliche Gegenspieler nutzen und der Befall einzelner Bäume reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Maßnahmen spielen im Streuobstanbau gegen Ohrwürmer keine Rolle und stehen im Widerspruch zu den Zielen extensiver Bewirtschaftung. In anderen Kulturen, insbesondere im Weinbau, wurde jedoch die Wirkung bestimmter Insektizide untersucht. Dabei zeigte der Wirkstoff Spinosad eine deutliche Reduktion der Ohrwurmpopulationen, mit mittleren Wirkungsgraden von etwa 50–60 % unter Praxisbedingungen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Spinosad auch negative Effekte auf Nichtzielorganismen und andere Nützlinge haben kann und bei häufiger Anwendung Resistenzrisiken bestehen (4).&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz chemischer Mittel gegen &#039;&#039;Forficula auricularia&#039;&#039; selbst außerhalb des Streuobstkontextes kritisch bewertet. In Streuobstwiesen gelten chemische Maßnahmen als nicht gerechtfertigt, da die Art dort überwiegend als Nützling eingestuft wird und wirtschaftlich relevante Schäden nur in Ausnahmefällen auftreten.&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zum Gemeinen Ohrwurm konzentriert sich bislang überwiegend auf intensiv bewirtschaftete Kulturen. Für Streuobstwiesen liegen keine spezifischen Studien vor. Aktuelle Arbeiten befassen sich mit der genetischen Differenzierung innerhalb des &#039;&#039;Forficula&#039;&#039;-Artenkomplexes sowie mit der Bewertung seiner Rolle als Nützling und potenzieller Schädling. Weitere Forschung ist notwendig, um die Funktion des Ohrwurms in extensiven Obstbausystemen besser zu verstehen und fundierte Empfehlungen für ein angepasstes Management abzuleiten (2,4).&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
1.	Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2020). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe. Wien.&lt;br /&gt;
2.	González-Miguéns, R. et al. (2020). Speciation patterns in the Forficula auricularia species complex. Zoological Journal of the Linnean Society 190: 1–36.&lt;br /&gt;
3.	Capinera, J. L. (2010). European earwig Forficula auricularia. University of Florida IFAS Extension.&lt;br /&gt;
4.	Riedle-Bauer, M. et al. (2024). Effect of kaolin treatment on the infestation of ripening grapes with Forficula auricularia. Mitteilungen Klosterneuburg 74: 17–21.&lt;br /&gt;
5.	Bourne, A. et al. (2019). Potential of the European earwig (Forficula auricularia) as a biocontrol agent of the soft and stone fruit pest Drosophila suzukii. Pest Management Science 75(12): 3340–3345. https://doi.org/10.1002/ps.5459&lt;br /&gt;
6.	Jana, M. et al. (2015). Forficula auricularia (Dermaptera) in orchards: monitoring seasonal activity, the effect of pesticides, and the perception of European fruit growers on its role as a predator or pest. Integrated Control in Fruit Crops.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Non commercial users: Under the CC BY-NC: you are free to copy, distribute, transmit and adapt this work provided that correct attribution is provided. Attribution must be provided in a prominent location to &amp;quot;Fir0002/Flagstaffotos&amp;quot;.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=834</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:46:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (siehe [[#Unterkulturen]]). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (siehe [[#Wundgrößen und -verhältnisse]]).&lt;br /&gt;
===Kronenform und -aufbau===&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (siehe [[#Pflanzabstand]]). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (siehe [[#Erziehungsschnitt]]). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
====Wildverbiss====&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
====Schutz bei Beweidung====&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
====Mögliche Schutzmaßnahmen====&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, bei denen kein oder kein fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde und eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist (Vitalität vorhanden, keine zu großen Wunden). Jährlich über einen Zeitraum von 3–10 Jahren, je nach Baumgröße:&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, die regelmäßig geschnitten wurden oder bereits revitalisiert sind, alle 2–7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, bei denen kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5–7 Jahre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweis: Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt; 2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Jahrestrieb &amp;lt; 2 cm und statischen Problemen, alle 5–7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (siehe [[#Planung]]). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=833</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:40:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (siehe [[#Unterkulturen]]). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (siehe [[#Wundgrößen und -verhältnisse]]).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (siehe [[#Pflanzabstand]]). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (siehe [[#Erziehungsschnitt]]). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
====Wildverbiss====&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
====Schutz bei Beweidung====&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
====Mögliche Schutzmaßnahmen====&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, bei denen kein oder kein fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde und eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist (Vitalität vorhanden, keine zu großen Wunden). Jährlich über einen Zeitraum von 3–10 Jahren, je nach Baumgröße:&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, die regelmäßig geschnitten wurden oder bereits revitalisiert sind, alle 2–7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
Bei Bäumen, bei denen kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5–7 Jahre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweis: Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt; 2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Jahrestrieb &amp;lt; 2 cm und statischen Problemen, alle 5–7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (siehe [[#Planung]]). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=832</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=832"/>
		<updated>2025-12-02T13:34:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (siehe [[#Unterkulturen]]). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (siehe [[#Wundgrößen und -verhältnisse]]).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (siehe [[#Pflanzabstand]]). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (siehe [[#Erziehungsschnitt]]). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (siehe [[#Erziehungsschnitt]]).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
====Wildverbiss====&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
====Schutz bei Beweidung====&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
====Mögliche Schutzmaßnahmen====&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=831</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:26:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[#Planung]]&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=830</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=830"/>
		<updated>2025-12-02T13:25:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Planung]]&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=829</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:12:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=828</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:10:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=827</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
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		<updated>2025-12-02T13:05:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in &amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft &amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese)&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Obstbaumschnittschule.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;&amp;gt;Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025).&#039;&#039;Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten&#039;&#039;. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9) Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10) Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11) Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12) Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=826</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=826"/>
		<updated>2025-12-02T12:38:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ (5).&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese (9)&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
(5)&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in (5).&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten (11). Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen. (9)&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind (12):&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft (3), kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen (7). Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]. https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;&amp;gt;BaumLand-Kampagne, &amp;amp; Obstbaumschnittschule. (2025). &#039;&#039;Selektives Aufasten nach Michael Grolm [PDF]&#039;&#039;. [https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/Baumland/Alleen/Selektives_Aufasten.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Baumland&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023). Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume. Pomologen-Verein e. V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;&amp;gt;Bosch, H.-T., Fortak, S., Grundler, H., et al. (2023).&#039;&#039;Standards der Obstbaumpflege: Empfehlungen für eine fachgerechte Pflege großkroniger Obstbäume&#039;&#039;. Pomologen-Verein e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bosch&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024). Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;&amp;gt;Dos Santos Rebello, J. F., &amp;amp; Sakamoto, D. G. (2024).&#039;&#039;The economic impact of Drosophila suzukii&#039;&#039;. Syntropic agriculture according to Ernst Götsch (English edition). (Original work published in Portuguese). &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Rebello&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grolm, M. (2025). Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Obstbäume im öffentlichen Raum: Pflegen und Nutzen mit Verstand&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grolm, M. (2025). Planung von Streuobstwiesen. In D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Planung von Streuobstwiesen&#039;&#039;. D. Dujesiefken, T. Amtage, &amp;amp; M. Streckenbach (Hrsg.), Jahrbuch der Baumpflege (Bd. 29). Haymarket Media. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grolm, M. (2025). Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau. Obstbaumschnittschule.&lt;br /&gt;
Maringer, J., Radtke, M., &amp;amp; Schulz, C. (2025). Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;&amp;gt;Grolm, M. (2025).&#039;&#039;Leitfaden für den hochstämmigen Obstbau.&#039;&#039;. Design- und Managementprinzipien für klimaresiliente Streuobstwiesen &amp;amp; alternative Baumarten. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grolm3&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;&amp;gt;Schliebner, S., Decker, P., &amp;amp; Schlitt, M. (2023).&#039;&#039;Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden&#039;&#039;. Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schliebner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025). Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]. https://www.umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;&amp;gt;Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. (2025)&#039;&#039;Thüringer Handlungskonzept Streuobst [PDF]&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thüringer&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024). Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;&amp;gt;Weltner, T., Siegler, H., &amp;amp; Degenbeck, M. (2024)&#039;&#039;Streuobstanbau in Zeiten des Klimawandels.&#039;&#039;. Anliegen Natur, 46(1), 21–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Weltner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2023).&#039;&#039;Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau &amp;amp; Agroforst&#039;&#039;. Obst – Wein – Gartenbau, 92, 3–5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling1&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme. Besseres Obst, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;&amp;gt;Wilfling, A. (2025).&#039;&#039;Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktionssysteme.&#039;&#039;. Besseres Obst, 8. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilfling2&amp;quot;/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=812</id>
		<title>Benutzer:Michael Krutzler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Benutzer:Michael_Krutzler&amp;diff=812"/>
		<updated>2025-12-02T11:00:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Die Seite wurde neu angelegt: „=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege= ==Planung== „Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=Neuanpflanzungen &amp;amp; Pflege=&lt;br /&gt;
==Planung==&lt;br /&gt;
„Wer eine Obstanlage plant, muss wissen, wie er sie nutzen will. Da die Lebensspanne von Obstwiesen auf über 100 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich bei ihrer Anlage um ein Mehrgenerationsprojekt. Je sorgfältiger die Planung, desto größer die Chance, dass die Bäume ein hohes Alter erreichen und desto wahrscheinlicher wird es, dass sich auch die nächsten Generationen um die Wiese kümmern werden. Aufwand und Ertrag stehen dann in einem guten Verhältnis“ (5).&lt;br /&gt;
===Pflanzabstand===&lt;br /&gt;
Der Pflanzabstand ist abhängig von der finalen Kronenbreite der Bäume. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Standorteigenschaften und die Unternutzung. Beispielsweise empfehlen sich als Mindestabstände für eine klassische Streuobstwiese (9)&lt;br /&gt;
* 10 m für Pflaumenartige oder Birnen mit pyramidalem Wuchs&lt;br /&gt;
* 12 m für Apfelbäume oder Walnüsse&lt;br /&gt;
* 15 m für Süßkirschen oder veredelte Walnüsse&lt;br /&gt;
* 20-25 m für besonders großkronige Obstarten (Mostbirne, Speierling)&lt;br /&gt;
Bei geringeren Pflanzabständen drohen die Kronen im Ertragsalter ineinander zu wachsen. Das erschwert die Obsternte massiv und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Produktivität des Unterwuchses. Sollen die Blütenpflanzen auf der Wiese darunter besonders stark gefördert werden, könnten die Abstände auch erweitert werden. Auf Trockenstandorten hingegen kann aufgrund des verminderten Wuchses mit minimal engeren Pflanzabständen gerechnet werden (bspw. 10 m für Apfelbäume).&lt;br /&gt;
Temporäre Zwischenpflanzungen mit niederstämmigen Obstbäumen in den Baumreihen erhöhen den Ertrag in der Jugendphase durch die höhere Baumzahl. Sie bergen aber die Nachteile, dass die Pflege insgesamt aufwändiger wird und bei Kronenschluss die als Zwischenpflanzung gesetzten Bäume entfernt werden müssen (nach 15-25 Jahren, je nach Sorte). &lt;br /&gt;
Die Pflanzung sollte in Reihen geschehen, um Arbeitsgassen, angepasst an die vorhandene Technik, entstehen zu lassen. Das Vorgewende (Raum am Beginn/Ende des Stückes zum Wenden der Maschinen) sollte freigehalten werden. Ebenso sollte ausreichend Abstand zu Hecken oder Waldrändern eingehalten werden (12-24 m, abhängig von der Lage der Hecke/des Waldes), um den Schattendruck zu minimieren. Hält man diesen Abstand ein, kann es positive Effekte durch die höhere Feuchtigkeit und den verminderten Wind geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stammhöhen===&lt;br /&gt;
* Sollten abhängig von der Unternutzung gewählt werden (11.8). Wenn eine maschinelle Bewirtschaftung des Unterwuchses geplant ist, oder eine maschinelle Bewirtschaftung nicht dauerhaft ausgeschlossen werden, sollten die Stammhöhen bei Hochstamm-Obstanlagen mindestens 1,80 m, oder besser sogar 2,0 m betragen. Besonders starkwachsende Bäume, wie Mostbirnen, Walnuss oder Esskastanie sollten sogar höher (bis zu 7 m) aufgeastet werden, da die Äste später abhängen und sie keinen intensiven Kronenerziehungsschnitt benötigen (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
* Insbesondere bei Pflanzung von junger und daher möglichst klimafitter Pflanzware, müssen die Stammhöhen durch einen fachgerechten Schnitt erst hergestellt werden. Dabei sind die maximalen Wundgrößen und -verhältnissen zu beachten (11.7.e).&lt;br /&gt;
====Kronenform und -aufbau====&lt;br /&gt;
* Das oberste Ziel für den Kronenaufbau im Obstbaum ist es, ein stabiles Astgerüst zu entwickeln, das die Fruchtlast im Vollertrag tragen kann. Außerdem soll die Unternutzung durch passende Stammhöhen sowie die Obernutzung im Baum hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere für (Tafel-)Obstbäume Leitergassen zum Anleitern und die Hauptertragszone im unteren Kronenbereich.&lt;br /&gt;
* Finale Baumhöhen und Kronenbreiten hängen von Obstart und Sorte ab (Link zum Kapitel) und sollten in der Planung berücksichtigt werden (11.1 a). Beispielsweise entwickeln viele Birnensorten schmalere Kronen als die meisten Apfelsorten. Stark kultivierte Obstarten wie Apfel, Birne und viele Pflaumenartige entwickeln eine hohe Fruchtlast, unter der auch Starkäste zusammenbrechen können. Sie benötigen deshalb ein stabiles Kronengerüst, das durch einen fachgerechten Schnitt zielgerichtet aufgebaut und entwickelt werden muss (11.7.d.i). Im Vergleich dazu benötigen weniger stark kultivierte Baumarten wie Walnuss oder Esskastanie einen solch intensiven Erziehungsschnitt nicht. Sie müssen lediglich selektiv aufgeastet werden (11.7.d.i).&lt;br /&gt;
===Standort===&lt;br /&gt;
Für die Planung der geeigneten Obstarten spielen Standort und die damit verbundenen Parameter Boden, Niederschlag und Temperatur eine große Rolle. Am schlechtesten geeignet sind beschattete Standorte in engen Tallagen, Kaltluftbecken oder in Waldnähe. Ebenso sind trockene, südexponierte Hänge und flachgrundige, nährstoffarme oder spätfrostgefährdete Standorte zu meiden. Eine Bodenanalyse kann dabei unterstützen, die Standorteignung festzustellen.&lt;br /&gt;
Hanglagen haben abhängig von ihrer Ausrichtung unterschiedliche Vor- und Nachteile. Südhänge sind im Zuge des Klimawandels auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung und geringen Wasserverfügbarkeit für viele Obstarten ungeeignet. Nur trockentoleranten und sonnenliebenden Obst- bzw. Nussarten bieten sie mehr Wärme und Licht. Dafür steigt die Gefahr von Dürren, Spätfrösten, Sonnenbrand oder Frostrissen. Während es in der Vergangenheit auf Nordhängen Probleme wegen der schwierigeren Abtrocknung gab, wird sich die höhere Feuchtigkeit zukünftig positiv auswirken. An Ost- und Westhängen kann die Gefahr durch Wind mit Hecken eingeschränkt werden. Ostwinde bringen zugleich oft eine besondere Kälte mit sich. Tal-, und Auenlagen sowie Senken sind sehr geeignet, wenn die Kaltluft abfließen kann und nicht gestaut wird.&lt;br /&gt;
Aufzählung von Böden abhängig von ihrer Eignung für den Obstanbau in absteigender Reihenfolge:&lt;br /&gt;
* tiefgründige, luftdurchlässige, humose Lehm- und Lössböden&lt;br /&gt;
* starklehmige, tonige Böden&lt;br /&gt;
* sandige Böden&lt;br /&gt;
* flachgründige Böden&lt;br /&gt;
* staunasse Böden&lt;br /&gt;
(5)&lt;br /&gt;
===Obstarten und Sortenwahl===&lt;br /&gt;
Die gewählten Obstarten und -Sorten hängen von der geplanten Nutzung ab. Anregungen dazu finden sich in (5).&lt;br /&gt;
==Pflanzung==&lt;br /&gt;
Der Baum sollte 5 bis 10 cm oberhalb des Bodenniveaus gepflanzt werden, sodass der Wurzelansatz nach dem Absetzen bzw. Nachsacken des Erdreichs mit der Bodenoberfläche abschließt. Zudem ist darauf zu achten, dass die Leitäste an die Fahrgasse angepasst sind und bereits vorhandene Leitäste in geeigneter Höhe (mindestens 180 cm, besser 200 cm) nach Norden ausgerichtet sind. (2, 9)&lt;br /&gt;
===Pflanzzeit===&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Obstbäume sollten idealerweise in der frostfreien Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – etwa von Mitte Oktober bis Ende März – gepflanzt werden. Besonders günstig ist eine Pflanzung im späten Herbst. Bis zum Einpflanzen müssen die ungeschützten Wurzeln vor Austrocknung und Wärme bewahrt werden, zum Beispiel durch Einschlagen in feuchte Erde oder das Einwickeln in einen nassen Sack.&lt;br /&gt;
===Pflanzloch===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb in passender Größe (1 m Durchmesser, 1 m Höhe) verwendet, sollte die Pflanzgrube einen Durchmesser von 1 m und eine Tiefe von 60 cm aufweisen. Erfolgt die Pflanzung ohne Wühlmauskorb, genügt es, die Grube etwa 10 cm größer als das Wurzelvolumen des Baumes anzulegen.&lt;br /&gt;
===Pflanzpfahl===&lt;br /&gt;
Die Baumanbindung aus Naturfaser wird knapp unterhalb des Kronenansatzes angebracht, wobei sie am Stamm höher liegt als am Pflanzpfahl. Am Pfahl selbst ist die Anbindung rutschfest zu fixieren. Für den Pflanzpfahl sollten möglichst unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Esskastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Bei einer einfachen Pflanzung ohne Beweidung genügt ein einzelner Pflanzpfahl.&lt;br /&gt;
===Wühlmausschutz===&lt;br /&gt;
Wird ein Wühlmauskorb verwendet, sollte dieser ausreichend groß dimensioniert sein (Höhe 100 cm, Durchmesser 100 cm) und eine Maschenweite von 13 mm aufweisen. Der Korb muss über den Wurzeln etwa 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche vollständig geschlossen werden, indem der Draht direkt über die Wurzeln gelegt wird. Nach der Pflanzung mit einem Wühlmauskorb empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer etwa 5 cm dicken Schicht organischen Materials (z. B. Kompost oder Mist) abzudecken. Dies erleichtert zudem das spätere Hacken.&lt;br /&gt;
===Verbissschutz===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wildverbiss&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baum sollte mit einer etwa 100 cm hohen Drahthose oder Volierendraht vor Wildverbiss und kleinen Nagern geschützt werden. Die Maschenweite sollte 13 mm betragen, und der Schutz zum Boden hin abgeschlossen sein, indem er leicht in den Boden eingedreht wird. Für eine langfristige Passform sollte der Umfang des Volierendrahtes etwa 1 m betragen. Um die Baumscheibe zu pflegen und den Stamm zu kontrollieren, lässt sich das steife Drahtgeflecht gut verschieben. &lt;br /&gt;
Der Schutz sollte so lange bestehen bleiben, bis die Rinde vollständig verborkt ist. Von der Verwendung von Plastikmanschetten als Befestigung ist abzusehen.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schutz bei Beweidung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung der Fläche muss ein ausreichender und langlebiger Stammschutz gewährleistet sein. Dieser Schutz ist vor Beginn der Beweidung anzubringen, an die jeweilige Tierart anzupassen und muss auch gegen Wildtiere wirksam sein. Gleichzeitig soll die Ausführung so erfolgen, dass die Pflege der Baumscheibe und des Stamms weiterhin möglich bleibt.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliche Schutzmaßnahmen: &#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Normannisches Korsett:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Metallgitter mit kleinen Spitzen, das an einem Pfahl befestigt wird. Je nach Tierart wird es mit ein oder zwei Eisenstangen innen verstärkt. Zum Schutz gegen Wildtiere wird zusätzlich von innen hinter dem Korsett ein Volierendraht angebracht, um ein schnelles Einwachsen zu verhindern.&lt;br /&gt;
** Eignung:&lt;br /&gt;
*** Schafe: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange&lt;br /&gt;
*** Ziegen: ohne Verlängerung, 1 Eisenstange, Volierendraht bis zum Astansatz innen&lt;br /&gt;
***Pferde und Rinder: mit Verlängerung, 2 Eisenstangen&lt;br /&gt;
* Dreierverschlag nach Thomas Lochschmidt:&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Dreibock-Konstruktion mit Einhausung der Seitenflanken durch Wildzaun (untere 50–60 cm bleiben offen). Für den Wildschutz ist zusätzlich ein Volierendraht erforderlich.&lt;br /&gt;
** Eignung&lt;br /&gt;
*** Rinder und Pferde&lt;br /&gt;
*** Schafe und Ziegen (hier muss der Draht weiter nach unten geführt und öffnungsfähig sein; unten sollte die Maschenweite enger sein, um Steckenbleiben zu vermeiden)&lt;br /&gt;
* Elektroverschlag (für Hofnähe):&lt;br /&gt;
** Beschreibung: Vier Kunststoff-Weidepfähle im Abstand von 1 m plus Wildschutzzaun&lt;br /&gt;
** Eignung: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen; funktioniert nur bei gesicherter Stromzufuhr&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Standfestigkeit des Baumes kann auch ein Verbissschutz aus Brettern eingesetzt werden (Bretter werden mit Schrauben auf drei nach außen gerichteten Lochbändern mit 2 cm Abstand befestigt). Solange die Rinde noch nicht verborkt ist, ist ein zusätzlicher Schutz gegen Hasen und Mäuse erforderlich, hier jedoch ohne Volierendraht.&lt;br /&gt;
Bei Pferden und Ziegen mit hoher Weideintensität ist ein dauerhafter Stammschutz notwendig.&lt;br /&gt;
Für die Pfähle sollten vorzugsweise unbehandelte, langlebige Hölzer wie Robinie, Ess-Kastanie oder geviertelte Eiche verwendet werden.&lt;br /&gt;
===Angießen===&lt;br /&gt;
Rund um den Baum sollte ein Gießrand mit einem Durchmesser von etwa 80 cm (gemessen von Kuppe zu Kuppe) und einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern angelegt werden. Die Form des Gießrandes sollte so gestaltet sein, dass Wasser – auch an Hanglagen – zum Stamm hinfließen kann. Um einen guten Bodenschluss zu erreichen, ist ein gründliches Einschlämmen der Obstbäume erforderlich. Daher sollten die Bäume direkt nach der Pflanzung mit mindestens 50 Litern Wasser gut gewässert werden. Zur Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden können zudem Splitzylinder, Baumschnorchel, Pflanzenkohle oder geeignete Bodenzuschlagsstoffe eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
==Wässern==&lt;br /&gt;
Eine ausreichende Wasserversorgung ist insbesondere in den ersten Standjahren sowie bei Trockenheit von zentraler Bedeutung. Ein Triebzuwachs von mindestens 60 cm – an trockenen Standorten 70 cm – nach drei Jahren kann nur mit einer verlässlichen Wasserversorgung erreicht werden.&lt;br /&gt;
In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist während der Vegetationsperiode eine regelmäßige Bewässerung erforderlich: zunächst im 14-tägigen Rhythmus (beginnend etwa zwei Wochen vor dem Blattaustrieb bis Juli), anschließend alle drei Wochen bis September. Dabei sollten pro Gießvorgang jeweils 20 Liter Wasser ausgebracht werden.&lt;br /&gt;
Im dritten Standjahr erfolgt die Wasserversorgung abhängig von Standortbedingungen und Witterungsverlauf. Bei Bedarf – insbesondere bei Trockenheit – sind 40 bis 60 Liter pro Gießgang auszubringen.&lt;br /&gt;
Während längerer Trockenperioden kann eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden. In diesem Fall sollte nicht die Frequenz, sondern die Wassermenge je Gießvorgang erhöht werden – auf bis zu 60 Liter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumscheibe==&lt;br /&gt;
Hacken&lt;br /&gt;
Eine mindestens einmalige, flachgründige Bearbeitung der Baumscheibe (Durchmesser 1 m) vor Beginn der Vegetationsperiode ist erforderlich. Ziel ist es, bis zum dritten Standjahr einen jährlichen Triebzuwachs von mindestens 60 cm – bei trockenen Standorten 70 cm – zu erreichen.&lt;br /&gt;
Wird dieses Wachstum nicht erreicht oder zeigt der Jungbaum zu einem späteren Zeitpunkt Anzeichen von Vitalitätsschwäche, sollte das regelmäßige Hacken der Baumscheibe über den Dreijahreszeitraum hinaus fortgeführt werden. Bei älteren Bäumen empfiehlt sich in solchen Fällen das Anlegen einer ringförmigen Baumscheibe im Traufbereich der Krone.&lt;br /&gt;
Zusätzlich kann eine Bodenaktivierung sinnvoll sein, etwa durch das Einbringen von Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder anderen organischen Materialien. Bei Wühlmausbefall sollte jedoch kein Mulch verwendet werden. Kommen Holzhäcksel zum Einsatz, ist zur Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisses die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien wie Wollmehlpellets oder Hornspänen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pflanzware==&lt;br /&gt;
===Wurzel und Unterlagen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wurzelstock bzw. die Unterlage hat großen Einfluss auf die Größe, Vitalität und Lebensdauer eines veredelten Obstbaums. Die starkwüchsigsten und anpassungsfähigsten Unterlagen sind Sämlingsunterlagen, d.h. generativ vermehrte Unterlagen aus Aussaaten (11). Für den Streuobstbau in freier Landschaft sind Sämlingsunterlagen gegenüber vegetativ vermehrten Typenunterlagen insbesondere für die Klimawandelanpassung zu bevorzugen.&lt;br /&gt;
===Gekaufte Pflanzware===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurzelnackte Jungbäume sollten vor Bäumen mit Ballen- oder Topfware vorgezogen werden. Dabei gilt, je jünger der Baum, desto besser kann er sich an den Standort anpassen. Aus dieser Perspektive ist möglichst junge Pflanzware, z.B. mit Stammumfang 6/8 cm, vor älteren bzw. größeren Qualitäten zu bevorzugen. (9)&lt;br /&gt;
Noch bessere Qualitäten bieten junge Sämlinge aus Airpruning-Töpfen, die den Drehwuchs der Wurzeln verhindern und eine ungestörte Pfahlwurzelbildung erlauben, wenn die Bäume in der Baumschule nicht verschult werden (d.h. einen Wurzelschnitt erfahren). &lt;br /&gt;
===Direktsaat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das naturnäheste Pflanzverfahren ist die Direktsaat von ausgewähltem Saatgut direkt am Standort. Nach Aufgehen der Saat sind die besten Sämlinge zu selektieren und vor Ort zu veredeln, sodass am Ende ein veredelter Baum entwickelt wird. Die Vorteile von Direkt sind (12):&lt;br /&gt;
* kein Umpflanzschock&lt;br /&gt;
* Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse&lt;br /&gt;
* hohe Stabilität und Standfestigkeit&lt;br /&gt;
* frühe Anpassung an lokale Standortsbedingungen&lt;br /&gt;
* Selektion der vitalsten Bäume am Standort&lt;br /&gt;
* Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen&lt;br /&gt;
* Verbreiterung der genetischen Vielfalt&lt;br /&gt;
* Erhöhung der Resilienz im Klimawandel&lt;br /&gt;
* Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen&lt;br /&gt;
* Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister&lt;br /&gt;
* Beobachtung &amp;amp; Forschung vor Ort&lt;br /&gt;
* Chance für Umweltbildungsprojekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begleitvegetation==&lt;br /&gt;
Mit vereinfachten Ansätzen der syntropischen Landwirtschaft (3), kann eine Begleitvegetation mit anderen Gehölzen die Vitalität der Obstbäume erhöhen (7). Besonders bei sehr dichter Pflanzung mit noch wüchsigeren Pionierbaumarten wie Pappel, Weide, oder Erle zieht die Begleitvegetation eine intensive Pflege nach sich. Das bedeutet, dass die Begleitvegetation mehrmals im Jahr geschnitten werden muss, damit sie die Kronen der Obstbäume nicht überwuchern und deren Wuchs behindern oder sogar unterdrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baumschnitt==&lt;br /&gt;
===Einführung===&lt;br /&gt;
Obstbäume zu schneiden ist anspruchsvoll. Dieser Beitrag kann daher nur die gröbste Orientierung geben und keineswegs Kurse oder langjährige Erfahrung ersetzen. Der Schnitt ist auf die unterschiedlichen Baumarten bzw. Sorten und die Ziele der Bewirtschafter anzupassen. Auf Basis der Ziele werden Schnittmaßnahmen ergriffen. Der fachgerechte Schnitt zeichnet sich dadurch aus, dass die ergriffenen Maßnahmen die Vitalität und Lebensdauer der Bäume fördert (2,6).&lt;br /&gt;
===Wuchsgesetze===&lt;br /&gt;
Die Wuchsgesetze der Bäume zu verstehen ist die Grundlage, um Wirkung der Schnittmaßnahmen abzuschätzen. Deren Verhältnis zueinander variiert zwischen Baumarten und Sorten. Beispielsweise ist bei besonders schmalkronigen Birnen die Spitzenförderung besonders dominant. Es gelten folgende Wuchsgesetze:&lt;br /&gt;
# Spitzenförderung&lt;br /&gt;
# Mittenförderung&lt;br /&gt;
# Oberseitenförderung&lt;br /&gt;
# Blattmasse&lt;br /&gt;
===Schnitttechniken===&lt;br /&gt;
====Grundtechniken====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Anschneiden: der Anschnitt erfolgt auf eine bestimmte Knospe und stärkt die entsprechende Astpartie am meisten; wichtig ist, ausreichend Abstand vom Schnitt zur Knospe zu lassen, um ein Eintrocknen zu verhindern (Kernobst: mind. 1 cm; Steinobst: mind. 2 cm)&lt;br /&gt;
# Ableiten: beim Ableiten wird eine Astpartie auf einen Seitentrieb umgelenkt; das schwächt die entsprechende Astpartie im Verhältnis zum Anschnitt&lt;br /&gt;
====Besondere Techniken====&lt;br /&gt;
* Auge-Umkehr&lt;br /&gt;
* Winkelschnitt&lt;br /&gt;
* Senk- und Klappschnitt&lt;br /&gt;
===Schnittarten===&lt;br /&gt;
====Erziehungsschnitt====&lt;br /&gt;
Der Erziehungsschnitt zielt darauf ab, eine stabile Baumkrone zu entwickeln, die eine hohe Vitalität und eine lange Lebensdauer fördert. Er erfolgt bis zum Abschluss des Kronenaufbaus jährlich. Dadurch können im Alter längere Schnittintervalle eingehalten und der Arbeitsaufwand reduziert werden. Gleichzeitig soll eine hohe Fruchtqualität bei guter Bearbeitbarkeit gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Oeschberg-Schnitt: Der Oeschberg-Schnitt ist besonders für Kern- und Steinobstarten geeignet. Er zielt darauf ab, eine langfristig tragfähige Krone aufzubauen, die auf Lebensdauer des Baumes möglichst wenig Pflegeaufwand nach sich zieht. Dafür ist die Erziehung in der Jugendphase entsprechend intensiv. In den ersten Jahren sind mindestens vier bleibende Leitäste auszuwählen, deren Ansatz mindestens 180 cm, idealerweise 200 cm, über dem Boden liegt. Ein Versatz der Leitäste von 5 bis 25 cm sollte angestrebt werden. Die Leitäste müssen fest am Stamm verankert sein und anfangs einen flachen, im weiteren Verlauf jedoch steiler werdenden Winkel aufweisen (ähnlich der Form eines Weißweinglases). Sie sollten an die Fahrgasse angepasst sein und dürfen nicht vergabelt wachsen. Langfristig sollte das Verhältnis von Leitaststärke zur Stammdicke oberhalb des Ansatzes zwischen 80 und 90 % liegen, ebenso wie die Länge der Jahrestriebe. Weiterhin sollten 3 bis 5 gut angesetzte Seitenäste am Leitast vorhanden sein, mit einem Dickenverhältnis von etwa 70 % im Vergleich zum Leitast. Die Stammmitte einschließlich ihrer Verlängerung sollte senkrecht im Lot stehen. Fruchtholz sollte untergeordnet an den Gerüstästen wachsen (ca. 40 % Verhältnis), während Trittäste bzw. begleitende Fruchtäste waagerecht an der Stammverlängerung mit etwa 50 % Stärke ansetzen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das selektive und mehrstämmige Aufasten eignet sich für Wildobstarten und Nussbaumarten, wie bspw. Walnuss oder Esskastanie. Die Schritte sind: &lt;br /&gt;
** Selektives Aufasten auf 6-8 m Höhe in den ersten 15-20 Jahren; Schnitt alle ein bis vier Jahre!&lt;br /&gt;
** Stammverlängerung herausarbeiten; Konkurrenzen entnehmen oder einkürzen, unterordnen&lt;br /&gt;
** Maximal 50 Prozent der Gesamtbaumhöhe soll ausgeästet werden&lt;br /&gt;
** 2 bis 4 Äste je Arbeitsgang (außer bei Pflegerückstand)&lt;br /&gt;
** Auf Astring schneiden&lt;br /&gt;
** Schnittwunde nicht über 4 cm Wunddurchmesser; Wunderverhältnis von maximal ca. 30 % zur darüberliegenden Ast- oder Stammpartie&lt;br /&gt;
** die starken Äste immer zuerst entnehmen&lt;br /&gt;
** Keine zwei Wunden direkt übereinander&lt;br /&gt;
** Unterschiedlichen Schnittzeitpunkt der Bäume beachten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Umstellschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein oder nicht fachgerechter Schnitt von Bäumen, bei denen eine nachträgliche Kronenerziehung noch möglich ist, Vitalität noch vorhanden, keine zu großen Wunden, jährlich für 3-10 Jahre je nach Baumgröße):&lt;br /&gt;
* Kronenumstellung und -erziehung zur Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Anpassung an die Unternutzuung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Erhaltungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn der Baum regelmäßig geschnitten oder bereits reviltalisiert wurde, alle 2-7 Jahre je nach Alter und Vitalität:&lt;br /&gt;
* Erhalt des Kronenaufbaus&lt;br /&gt;
* Auslichten der Krone&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Verjüngungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn kein oder nicht fachgerechter Schnitt durchgeführt wurde, Jahrestrieb &amp;gt; 2 cm, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Revitalisierung&lt;br /&gt;
* Verlängerung der Lebensphase&lt;br /&gt;
* Wiederherstellung des Gleichgewichts aus Neutrieb und Ertrag&lt;br /&gt;
* Anregung zum Neutrieb (10-25 cm/Jahr)&lt;br /&gt;
* Ermöglichung des Lichteinfalls in alle Kronenteile&lt;br /&gt;
Bei zu schwachen Bäumen (Jahrestrieb &amp;lt;2 cm) kann ein Verjüngungsschnitt das Absterben beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altbaum: Entlastungsschnitt====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrestrieb &amp;lt; 2cm und statische Probleme, alle 5-7 Jahre:&lt;br /&gt;
* Verbesserung der Statik&lt;br /&gt;
* Erhalt als Habitatbaum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wundgrößen und -verhältnisse===&lt;br /&gt;
Beim Schneiden sind die zu erwartenden Wundgrößen und deren Verhältnis zum verbleibenden Holz unbedingt zu berücksichtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundverhältnis====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte am Stamm oder an Gerüstästen sollten nur dann erfolgen, wenn die entstehende Wunde bei Kernobst maximal 50 % und bei Steinobst und Walnuss maximal 30 % des verbleibenden Astdurchmessers beträgt. Ist eine Korrektur bei unpassendem Wundverhältnis erforderlich, obwohl die Wundgröße vertretbar wäre, sind die betreffenden Partien zunächst auf einen versorgenden Stummel einzukürzen. Das geeignete Wundverhältnis kann sich im Laufe der Zeit einstellen, sodass eine vollständige Entfernung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundgröße====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnitte mit einem Durchmesser von 5–10 cm (Grobastschnitte) oder über 10 cm (Starkastschnitte) gelten gemäß ZTV-Baumpflege als potenziell schädlich für Jungbäume. Deshalb sollten Schnittmaßnahmen mit einem Durchmesser über 5 cm grundsätzlich nicht direkt am tragenden Gerüst (Stammverlängerung oder Gerüstäste) vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
Bei Steinobst und Walnuss sollte der Wunddurchmesser nicht mehr als 3 cm betragen, da diese Baumarten Wunden schlechter verschließen.&lt;br /&gt;
Ausnahmen gelten bei sehr vitalen Bäumen mit einem Jahreszuwachs von über 60 cm (bzw. 70 cm an trockenen Standorten): Hier können Schnitte bis maximal 10 cm Durchmesser bei passendem Wundverhältnis vertretbar sein. Eine weitere Ausnahme bildet der Entlastungsschnitt, der einer akuten Bruchgefahr der ganzen Astpartie oder des ganzen Baumes entgegenwirkten sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wundbehandlung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Wunden an Stamm oder Gerüstästen sowie bei mittig aufliegenden (Oberseiten-)Wunden kann eine Wundbehandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt mit Lehm und ggf. Propolis wie folgt:&lt;br /&gt;
* Bestreichen des freiliegenden Kernholzes mit Propolis,&lt;br /&gt;
* Verschließen der Wunde mit Lehm,&lt;br /&gt;
* Fixierung des Lehms mit Jutestoff,&lt;br /&gt;
* abschließendes Überziehen der Jute mit einer weiteren Lehmschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Statische und strukturelle Schwachstellen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits bestehende größere Problemstellen sollten zunächst auf einen versorgenden Stummel zurückgeschnitten und in späteren Schnittintervallen – bei passender Wundgröße und -verhältnis – schrittweise entfernt werden.&lt;br /&gt;
Eine Ausnahme gilt für Kernobst mit glatter Rinde: Hier kann auch ein unversorgter Stummel stehen bleiben. In diesem Fall sollte dessen Länge mindestens dem Durchmesser der vermiedenen Wunde entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hinweis zu Wundverschlussmitteln====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung herkömmlicher Wundverschlussmittel wird nicht empfohlen. Ausnahmen bilden ausschließlich Behandlungen mit Lehm, Propolis und Jutestoff – und nur bei Wunden direkt am Stamm oder an Gerüstästen.&lt;br /&gt;
===Schnittzeitpunkt===&lt;br /&gt;
====Jungbaum====&lt;br /&gt;
Der Baumschnitt sollte idealerweise an frostfreien Tagen während der vegetationslosen Zeit durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu schneidenden Knospen noch nicht ausgetrieben sind. Eine Ausnahme gilt bei sehr starkem Triebwachstum (&amp;gt; 60 cm, bzw. &amp;gt; 70 cm an trockenen Standorten): In solchen Fällen kann der Schnitt auch bis in den Mai hinein erfolgen. Bereits ausgetriebene Konkurrenztriebe sind dann sorgfältig auszubrechen.&lt;br /&gt;
====Altbaum====&lt;br /&gt;
Der Schnitt sollte zur Triebförderung idealerweise an Tagen ohne Starkfrost in der vegetationslosen Zeit erfolgen (schwachtriebige Altbäume mit 2-10 cm Jahrestrieb). Triebige Altbäume (10-25 cm Jahrestrieb) sollten ab der Blüte geschnitten werden, um einen zu starken Trieb im nächsten Jahr zu verhindern und längere Schnittintervalle zu ermöglichen. Umso schwächer der Trieb (bei 10-25 cm Jahrestrieb), desto früher im Sommer sollte geschnitten werden. Ist hier nur ein Schnitt in der vegetationslosen Zeit möglich, sollte dieser schrittweise über zwei Jahre durchgeführt werden. Schnittempfindliche aber vitale Bäume (Steinobst) sollten zur besseren Wundverheilung ebenfalls im Sommer geschnitten werden. Entlastungsschnitte sollten in der vegetationslosen Zeit vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
===Unterkulturen===&lt;br /&gt;
Unterkulturen können Wiese, Weide, Acker oder Gartenland sein (Link zu Kapitel „Bewirtschaftung des Unterwuchses“). Obstarten/-Sorten, Kronenform und Stammhöhen sind der gewünschten Unternutzung anzupassen (11.1). Dies geht nur in der Erziehungsphase. Bei Altbäumen sollte umgekehrt die Unternutzung an den Baumbestand angepasst werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Marssonina&amp;diff=730</id>
		<title>Marssonina</title>
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		<updated>2025-11-28T13:43:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
[[File:Blattsymptome.jpg|Blattsymptome|thumb|upright=1|250px|&lt;br /&gt;
|right|Befallenes Blatt]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;, auch bekannt unter ihrer Hauptfruchtform &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039;, ist ein bedeutender Pilzpathogen des Apfels, der in den letzten Jahren verstärkt im ökologischen und extensiven Apfelanbau Mitteleuropas auftritt. Die durch ihn verursachte Blattfallkrankheit, auch als Marssonina-Blattfall bezeichnet, führt zu frühzeitigem Laubverlust und kann erhebliche Auswirkungen auf Ertrag und Fruchtqualität haben. Während der Erreger in Asien schon lange als bedeutender Schadpilz bekannt ist, wurde er in Europa erstmals um 2010 vermehrt beobachtet, besonders in der Schweiz, Österreich und Süddeutschland &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; ist die Nebenfruchtform (Anamorphe) eines Schlauchpilzes, dessen Hauptfruchtform als &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; beschrieben wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte durch Miyake im Jahr 1907. Molekulare und morphologische Studien haben zur Charakterisierung des Erregers beigetragen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lee&amp;quot;&amp;gt;Lee, D. H. et al. (2011). &#039;&#039;Biological characterization of Marssonina coronaria associated with apple blotch disease&#039;&#039;. Mycobiology 39(3): 200–205.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Taxonomische Einordnung:&lt;br /&gt;
* Reich: Fungi (Pilze)&lt;br /&gt;
* Abteilung: Ascomycota (Schlauchpilze)&lt;br /&gt;
* Klasse: Leotiomycetes&lt;br /&gt;
* Ordnung: Helotiales&lt;br /&gt;
* Familie: Dermateaceae&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Marssonina&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; (anamorph) / &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; (teleomorph).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung=== &lt;br /&gt;
Ursprünglich wurde &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; vor allem in Asien nachgewiesen, insbesondere in China, Indien, Korea und Japan, wo der Pilz als bedeutender Krankheitserreger im Apfelanbau gilt. Seit etwa 2010 wurde der Erreger auch in Europa nachgewiesen, zunächst in der Schweiz, dann auch in Österreich, Südtirol und Süddeutschland. Die Ausbreitung erfolgt primär in ökologischen oder extensiven Anlagen sowie im Streuobstanbau &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologie und Krankheitszyklus=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; überwintert im Falllaub, wo Konidien in sogenannten Acervuli gebildet werden. Diese asexuellen Sporen gelten in Europa als wichtigste primäre Infektionsquelle. Die sexuelle Form (Ascosporen in Apothezien) konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Erste Infektionen erfolgen bereits im Mai, häufig nach Regenereignissen. Die Inkubationszeit beträgt etwa 10–20 Tage, danach treten erste Symptome auf. Der Pilz durchläuft mehrere Infektionszyklen im Jahr (3).&lt;br /&gt;
Die Infektion erfolgt bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 und 25 °C. Die Ausbreitung geschieht über Spritzwasser. Die Sporulation beginnt ab Mitte April aus überwintertem Laub &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Studien zeigen, dass Konidien die Hauptinfektionsquelle darstellen, während Ascosporen in Europa keine Rolle spielen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sporenfallen zeigten eine gleichmäßige Verteilung der Konidien in verschiedenen Höhen über Laubdepots &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symptome === &lt;br /&gt;
Die ersten Symptome erscheinen ab Juni in Form von kleinen, braun-violetten bis schwarzen Blattflecken auf der Oberseite der Blätter. Diese vergrößern sich zu grauschwarzen nekrotischen Flecken mit schwarzen Fruchtkörpern (Acervuli). Die betroffenen Blätter verfärben sich gelb und fallen vorzeitig ab. Mitunter treten auch olivgrüne bis schwarze Fruchtflecken auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Eine sichere Abgrenzung zu anderen Blattfleckenerregern wie Phyllosticta gelingt über mikroskopische Merkmale &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Bedeutung für Streuobstwiesen &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind in MitteleuropaÖsterreich ein bedeutender Bestandteil der Kulturlandschaft und Biodiversität &amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie zeichnen sich durch eine extensive Bewirtschaftung und hohe Sortenvielfalt aus. Diese Bewirtschaftungsform, fast immeroft ohne regelmäßige Fungizidbehandlungen im Sommer, begünstigt das Auftreten von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;. Besonders betroffen sind schorfresistente Sorten, bei denen auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet wird. Der daraus resultierende Blattfall kann die Vitalität der Bäume langfristig beeinträchtigen, den Fruchtertrag reduzieren und die Ausbildung von Knospen im Folgejahr stören &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sortenanfälligkeit=== &lt;br /&gt;
In einer Studie wurden Isolate von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; aus verschiedenen Regionen der USA auf ihre Aggressivität und Wirtsspezifität getestet. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede in der Krankheitsintensität, die auf eine unterschiedliche Anfälligkeit der getesteten Apfelsorten hindeuten. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für Züchtungsprogramme relevant, die auf krankheitsresistente Sorten abzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management === &lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Im ökologischen Anbau kommen hauptsächlich Tonerdepräparate wie Myco-Sin und Myco-San zum Einsatz, die eine zufriedenstellende Wirkung zeigen. Ergänzend werden Netzschwefel, Kupferpräparate und Schwefelkalk eingesetzt. Kaliumbicarbonat zeigt eine schwächere Wirkung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für eine verbesserte Wirkung wird auch eine Kombination aus Tonerde- und Schwefelbehandlung empfohlen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Vorbeugende Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Zentrale Maßnahmen umfassen die Förderung des Blattabbaus nach dem Laubfall, das Entfernen von Falllaub sowie durchlüftungsfördernde Schnittmaßnahmen. Die Vermeidung dichter Baumkronen reduziert die Blattnassdauer und senkt damit das Infektionsrisiko &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen==== &lt;br /&gt;
In der integrierten Produktion werden Fungizide wie Trifloxystrobin, Difenoconazol und Captan mit guter Wirkung eingesetzt. Sie zeigen insbesondere in Kombination nach der Blüte eine hohe Wirksamkeit. Im konventionellen Anbau ist der Erreger bislang weniger problematisch, da er durch andere Behandlungen miterfasst wird &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein kombinierter Einsatz von biologischen, kulturellen vorbeugenden und chemischen Maßnahmen verspricht den höchsten Bekämpfungserfolg. Besonders wichtig ist die Behandlung ab Auftreten der ersten Symptome, da bereits das Auslassen einzelner Spritzungen den Befall deutlich erhöhen kann &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung=== &lt;br /&gt;
Neuere molekulargenetische Studien zeigen, dass europäische Populationen von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; eine geringe genetische Diversität aufweisen, was auf eine vergleichsweise junge Einführung oder Ausbreitung hinweist &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gleichzeitig bestehen deutliche genetische Unterschiede zu asiatischen Populationen. Die Entwicklung von SSR-Markern erlaubt dabei eine genauere Analyse der Populationsstruktur und unterstützt künftige Resistenzzüchtungsprogramme &amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=729</id>
		<title>Kirschessigfliege</title>
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		<updated>2025-11-28T13:27:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung === &lt;br /&gt;
[[Datei:Männliche Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1|250px|&lt;br /&gt;
|right|Männliche Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ist ein invasiver Schädling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich seit den späten 2000er Jahren rasant in Europa und Nordamerika ausgebreitet hat. Im Gegensatz zu anderen Essigfliegenarten legt &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039; ihre Eier nicht in überreifes oder beschädigtes Obst, sondern in gesunde, reifende Früchte. Dies führt zu erheblichem wirtschaftlichem Schaden, insbesondere im Obstbau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Knapp&amp;quot;&amp;gt;Knapp, L. et al. (2020). &#039;&#039;The economic impact of Drosophila suzukii&#039;&#039;. Pest Management Science 76(5): 1640–1647. [https://doi.org/10.1002/ps.6110 https://doi.org/10.1002/ps.6110].&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Streuobstwiesen wird die Art zunehmend als problematisch wahrgenommen, da dort ein gezieltes Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen oft nur eingeschränkt möglich sind.&lt;br /&gt;
=== Taxonomie / Systematik ===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia (Tiere)&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta (Insekten)&lt;br /&gt;
* Ordnung: Diptera (Zweiflügler)&lt;br /&gt;
* Familie: Drosophilidae (Taufliegen)&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Drosophila&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;&lt;br /&gt;
=== Verbreitung === &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde erstmals um 2008 in Europa (Spanien, Italien) und den USA nachgewiesen. Seitdem hat sie sich nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent etabliert. Auch in Mitteleuropa – einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz – ist sie inzwischen weit verbreitet. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Beeren-, Kirsch- und Zwetschkenproduktion, aber auch Streuobstbestände.&lt;br /&gt;
=== Biologie und Lebenszyklus === &lt;br /&gt;
[[Datei:Puppenstadium Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1|100px|&lt;br /&gt;
|right|Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; durchläuft einen vollständigen Entwicklungszyklus: Ei, drei Larvenstadien, Puppe und schließlich das erwachsene Insekt (Imago). Die Weibchen besitzen eine sägeartige Legeröhre, mit der sie ihre Eier in die Haut gesunder, reifender Früchte einbringen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beers2011&amp;quot;&amp;gt;Beers, E. H. et al. (2011). &#039;&#039;Developing Drosophila suzukii management programs for sweet cherry in the western United States&#039;&#039;. Pest Management Science 67(11): 1386–1392.  [https://doi.org/10.1002/ps.2279 https://doi.org/10.1002/ps.2279].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dort entwickeln sich die Larven, die das Fruchtfleisch zerstören und den Fruchtverfall beschleunigen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Legebohrer Detail.jpg|thumb|upright=1|250px|&lt;br /&gt;
|right|Gezähnter Legebohrer einer weiblichen Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
Die Fliegen sind sehr vermehrungsfreudig: Unter günstigen Bedingungen (etwa 20–25 °C) können sich bis zu 10–15 Generationen pro Jahr entwickeln. Die Überwinterung erfolgt überwiegend in Form befruchteter Weibchen, die sich in geschützten Bereichen wie Laubstreu, Rindenritzen, Waldrändern oder Gebäuden zurückziehen. Während der kalten Jahreszeit reduziert sich ihre Stoffwechselaktivität deutlich. In klimatisch milderen Regionen können auch adulte Tiere längere Kälteperioden überstehen. Mit zunehmenden Tagestemperaturen im Frühjahr werden die Fliegen erneut aktiv und beginnen mit der Eiablage, wodurch frühreifende Wirtspflanzen bereits im späten Frühjahr befallen werden können&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tochen&amp;quot;&amp;gt;Tochen, S. et al. (2014). &#039;&#039;Temperature-Related Development and Population Parameters for Drosophila suzukii on Cherry and Blueberry&#039;&#039;. Environmental Entomology 43(2): 501–510. [https://doi.org/10.1603/EN13200 https://doi.org/10.1603/EN13200].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befallsmerkmale und Schadbild === &lt;br /&gt;
[[Datei:Befallene Kirsche.jpg|thumb|upright=1|250px|&lt;br /&gt;
|right|Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; kann eine Vielzahl von Früchten befallen. Dazu zählen Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Aprikosen (Marillen), Zwetschken, Pflaumen, Holunderbeeren und Tafeltrauben. Auch Exoten wie Feigen und teilweise sogar Tomaten und Kiwi können betroffen sein. Besonders anfällig sind dünnschalige und weichfleischige Früchte.&lt;br /&gt;
Befallene Früchte zeigen kleine Einstichstellen, aus denen häufig Saft austritt. Später treten weiche Stellen, Verfärbungen und Schrumpfungen auf, teils begleitet von Sekundärinfektionen durch Mikroorganismen. Aufgrund der Zero-Tolerance-Richtlinien für lebende Larven im Handel sind solche Früchte meist nicht mehr vermarktungsfähig. Besonders anfällig sind dünnschalige Früchte wie Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, aber auch Zwetschken, Holunder und Tafeltrauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung für Streuobstwiesen === &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen bieten aufgrund ihres Strukturreichtums und der Vielzahl an Fruchtarten ein ideales Habitat für &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039;. Die Vielzahl möglicher Wirtspflanzen, eine zeitlich gestaffelte Reifung sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel fördern die Etablierung stabiler Populationen. Zwar ist der wirtschaftliche Druck in extensiven Anlagen geringer als im Erwerbsobstbau, doch kann der Befall lokale Erträge und die Qualität deutlich mindern, insbesondere bei weichfleischigen Obstarten wie Kirschen und Zwetschken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Monitoring und Befallsprognose === &lt;br /&gt;
Zur Überwachung des Fluggeschehens werden in der Praxis meist Lockstofffallen eingesetzt, oft befüllt mit Apfelessig, Rotwein oder industriell hergestellten Locklösungen. Diese dienen der Früherkennung, erlauben aber nur eine grobe Einschätzung der Populationsdichte. Das Monitoring ist ein zentrales Element zur Entscheidungshilfe im integrierten Pflanzenschutz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vogt&amp;quot;&amp;gt;Vogt, H. (2020). &#039;&#039;Kirschessigfliege: Ergebnisse aus Monitoring und Forschung&#039;&#039;. Biologie in unserer Zeit 50(1): 50–57. [https://doi.org/10.1002/biuz.202010710 https://doi.org/10.1002/biuz.202010710].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management ===&lt;br /&gt;
==== Vorbeugende Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Wichtige kulturtechnische Maßnahmen umfassen eine rasche und vollständige Ernte, die Entfernung von Fallobst sowie das regelmäßige Mähen der Unterwuchsvegetation&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders in Streuobstwiesen mit spätreifenden Sorten ist eine enge Kontrolle entscheidend, um Populationsanstiege zu begrenzen.&lt;br /&gt;
==== Physikalische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Der Einsatz von Insektenschutznetzen kann die Eiablage effektiv verhindern, ist jedoch in hochstämmigen Streuobstwiesen meist nicht praktikabel. Kühlhaltung nach der Ernte hemmt die Larvenentwicklung, eignet sich aber eher für den professionellen Vertriebsweg. In Versuchen von Krutzler et al. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigten einige physikalische Verfahren – etwa der Einsatz von Kaolin oder partikelbasierte Barrieren – zusätzliche Effekte in Kombination mit anderen Maßnahmen, wenngleich sie im Streuobstbereich aufgrund des Aufwands nur eingeschränkt umsetzbar sind.&lt;br /&gt;
==== Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Antagonisten wie parasitoide Wespen oder entomopathogene Pilze werden erforscht, zeigen bislang aber nur eingeschränkte Wirksamkeit im Freiland. Auch pflanzliche Extrakte und Repellentien werden erprobt. Derzeit gibt es keine standardisierte biologische Kontrolle mit ausreichend hoher Effizienz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Chemische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
In einigen EU-Staaten sind Spinosad, Pyrethrine oder Cyantraniliprol zur Bekämpfung zugelassen. Ihre Anwendung muss streng nach Wartezeiten und Zulassungsvorgaben erfolgen. Im Bio-Anbau sind die Möglichkeiten eingeschränkt, insbesondere wegen Rückstandsproblemen und Wirkungslücken&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haviland2012&amp;quot;&amp;gt;Haviland, D. R. &amp;amp; Beers, E. H. (2012). &#039;&#039;Chemical control programs for Drosophila suzukii that comply with international limitations on pesticide residues&#039;&#039;. Journal of Integrated Pest Management 3(2). [https://doi.org/10.1603/IPM11034 https://doi.org/10.1603/IPM11034].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Integrierte Strategien ==== &lt;br /&gt;
Ein wirksames Management basiert auf einem integrativen Ansatz: Kombination von Monitoring, Hygienemaßnahmen, gegebenenfalls physikalischem Schutz, frühzeitiger Ernte und – wo erlaubt – gezieltem Insektizideinsatz. Das Zusammenspiel dieser Komponenten reduziert den Selektionsdruck auf Einzelmaßnahmen und erhöht die Resilienz des Systems.&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung === &lt;br /&gt;
Aktuelle Forschung untersucht unter anderem das Verhalten der Fliegen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen, die Rolle von Wildpflanzen als Reservoir, sowie neue Lockstoffe zur Verbesserung des Monitorings. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung biologischer Kontrollmethoden, genetische Analysen zur Herkunft und Ausbreitung sowie sozioökonomische Auswirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen auf Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=728</id>
		<title>Kirschessigfliege</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=728"/>
		<updated>2025-11-28T13:27:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung === &lt;br /&gt;
[[Datei:Männliche Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1|200px|&lt;br /&gt;
|right|Männliche Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ist ein invasiver Schädling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich seit den späten 2000er Jahren rasant in Europa und Nordamerika ausgebreitet hat. Im Gegensatz zu anderen Essigfliegenarten legt &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039; ihre Eier nicht in überreifes oder beschädigtes Obst, sondern in gesunde, reifende Früchte. Dies führt zu erheblichem wirtschaftlichem Schaden, insbesondere im Obstbau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Knapp&amp;quot;&amp;gt;Knapp, L. et al. (2020). &#039;&#039;The economic impact of Drosophila suzukii&#039;&#039;. Pest Management Science 76(5): 1640–1647. [https://doi.org/10.1002/ps.6110 https://doi.org/10.1002/ps.6110].&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Streuobstwiesen wird die Art zunehmend als problematisch wahrgenommen, da dort ein gezieltes Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen oft nur eingeschränkt möglich sind.&lt;br /&gt;
=== Taxonomie / Systematik ===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia (Tiere)&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta (Insekten)&lt;br /&gt;
* Ordnung: Diptera (Zweiflügler)&lt;br /&gt;
* Familie: Drosophilidae (Taufliegen)&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Drosophila&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;&lt;br /&gt;
=== Verbreitung === &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde erstmals um 2008 in Europa (Spanien, Italien) und den USA nachgewiesen. Seitdem hat sie sich nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent etabliert. Auch in Mitteleuropa – einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz – ist sie inzwischen weit verbreitet. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Beeren-, Kirsch- und Zwetschkenproduktion, aber auch Streuobstbestände.&lt;br /&gt;
=== Biologie und Lebenszyklus === &lt;br /&gt;
[[Datei:Puppenstadium Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1|100px|&lt;br /&gt;
|right|Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; durchläuft einen vollständigen Entwicklungszyklus: Ei, drei Larvenstadien, Puppe und schließlich das erwachsene Insekt (Imago). Die Weibchen besitzen eine sägeartige Legeröhre, mit der sie ihre Eier in die Haut gesunder, reifender Früchte einbringen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beers2011&amp;quot;&amp;gt;Beers, E. H. et al. (2011). &#039;&#039;Developing Drosophila suzukii management programs for sweet cherry in the western United States&#039;&#039;. Pest Management Science 67(11): 1386–1392.  [https://doi.org/10.1002/ps.2279 https://doi.org/10.1002/ps.2279].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dort entwickeln sich die Larven, die das Fruchtfleisch zerstören und den Fruchtverfall beschleunigen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Legebohrer Detail.jpg|thumb|upright=1|200px|&lt;br /&gt;
|right|Gezähnter Legebohrer einer weiblichen Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
Die Fliegen sind sehr vermehrungsfreudig: Unter günstigen Bedingungen (etwa 20–25 °C) können sich bis zu 10–15 Generationen pro Jahr entwickeln. Die Überwinterung erfolgt überwiegend in Form befruchteter Weibchen, die sich in geschützten Bereichen wie Laubstreu, Rindenritzen, Waldrändern oder Gebäuden zurückziehen. Während der kalten Jahreszeit reduziert sich ihre Stoffwechselaktivität deutlich. In klimatisch milderen Regionen können auch adulte Tiere längere Kälteperioden überstehen. Mit zunehmenden Tagestemperaturen im Frühjahr werden die Fliegen erneut aktiv und beginnen mit der Eiablage, wodurch frühreifende Wirtspflanzen bereits im späten Frühjahr befallen werden können&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tochen&amp;quot;&amp;gt;Tochen, S. et al. (2014). &#039;&#039;Temperature-Related Development and Population Parameters for Drosophila suzukii on Cherry and Blueberry&#039;&#039;. Environmental Entomology 43(2): 501–510. [https://doi.org/10.1603/EN13200 https://doi.org/10.1603/EN13200].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befallsmerkmale und Schadbild === &lt;br /&gt;
[[Datei:Befallene Kirsche.jpg|thumb|upright=1|200px|&lt;br /&gt;
|right|Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; kann eine Vielzahl von Früchten befallen. Dazu zählen Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Aprikosen (Marillen), Zwetschken, Pflaumen, Holunderbeeren und Tafeltrauben. Auch Exoten wie Feigen und teilweise sogar Tomaten und Kiwi können betroffen sein. Besonders anfällig sind dünnschalige und weichfleischige Früchte.&lt;br /&gt;
Befallene Früchte zeigen kleine Einstichstellen, aus denen häufig Saft austritt. Später treten weiche Stellen, Verfärbungen und Schrumpfungen auf, teils begleitet von Sekundärinfektionen durch Mikroorganismen. Aufgrund der Zero-Tolerance-Richtlinien für lebende Larven im Handel sind solche Früchte meist nicht mehr vermarktungsfähig. Besonders anfällig sind dünnschalige Früchte wie Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, aber auch Zwetschken, Holunder und Tafeltrauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung für Streuobstwiesen === &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen bieten aufgrund ihres Strukturreichtums und der Vielzahl an Fruchtarten ein ideales Habitat für &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039;. Die Vielzahl möglicher Wirtspflanzen, eine zeitlich gestaffelte Reifung sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel fördern die Etablierung stabiler Populationen. Zwar ist der wirtschaftliche Druck in extensiven Anlagen geringer als im Erwerbsobstbau, doch kann der Befall lokale Erträge und die Qualität deutlich mindern, insbesondere bei weichfleischigen Obstarten wie Kirschen und Zwetschken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Monitoring und Befallsprognose === &lt;br /&gt;
Zur Überwachung des Fluggeschehens werden in der Praxis meist Lockstofffallen eingesetzt, oft befüllt mit Apfelessig, Rotwein oder industriell hergestellten Locklösungen. Diese dienen der Früherkennung, erlauben aber nur eine grobe Einschätzung der Populationsdichte. Das Monitoring ist ein zentrales Element zur Entscheidungshilfe im integrierten Pflanzenschutz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vogt&amp;quot;&amp;gt;Vogt, H. (2020). &#039;&#039;Kirschessigfliege: Ergebnisse aus Monitoring und Forschung&#039;&#039;. Biologie in unserer Zeit 50(1): 50–57. [https://doi.org/10.1002/biuz.202010710 https://doi.org/10.1002/biuz.202010710].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management ===&lt;br /&gt;
==== Vorbeugende Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Wichtige kulturtechnische Maßnahmen umfassen eine rasche und vollständige Ernte, die Entfernung von Fallobst sowie das regelmäßige Mähen der Unterwuchsvegetation&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders in Streuobstwiesen mit spätreifenden Sorten ist eine enge Kontrolle entscheidend, um Populationsanstiege zu begrenzen.&lt;br /&gt;
==== Physikalische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Der Einsatz von Insektenschutznetzen kann die Eiablage effektiv verhindern, ist jedoch in hochstämmigen Streuobstwiesen meist nicht praktikabel. Kühlhaltung nach der Ernte hemmt die Larvenentwicklung, eignet sich aber eher für den professionellen Vertriebsweg. In Versuchen von Krutzler et al. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigten einige physikalische Verfahren – etwa der Einsatz von Kaolin oder partikelbasierte Barrieren – zusätzliche Effekte in Kombination mit anderen Maßnahmen, wenngleich sie im Streuobstbereich aufgrund des Aufwands nur eingeschränkt umsetzbar sind.&lt;br /&gt;
==== Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Antagonisten wie parasitoide Wespen oder entomopathogene Pilze werden erforscht, zeigen bislang aber nur eingeschränkte Wirksamkeit im Freiland. Auch pflanzliche Extrakte und Repellentien werden erprobt. Derzeit gibt es keine standardisierte biologische Kontrolle mit ausreichend hoher Effizienz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Chemische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
In einigen EU-Staaten sind Spinosad, Pyrethrine oder Cyantraniliprol zur Bekämpfung zugelassen. Ihre Anwendung muss streng nach Wartezeiten und Zulassungsvorgaben erfolgen. Im Bio-Anbau sind die Möglichkeiten eingeschränkt, insbesondere wegen Rückstandsproblemen und Wirkungslücken&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haviland2012&amp;quot;&amp;gt;Haviland, D. R. &amp;amp; Beers, E. H. (2012). &#039;&#039;Chemical control programs for Drosophila suzukii that comply with international limitations on pesticide residues&#039;&#039;. Journal of Integrated Pest Management 3(2). [https://doi.org/10.1603/IPM11034 https://doi.org/10.1603/IPM11034].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Integrierte Strategien ==== &lt;br /&gt;
Ein wirksames Management basiert auf einem integrativen Ansatz: Kombination von Monitoring, Hygienemaßnahmen, gegebenenfalls physikalischem Schutz, frühzeitiger Ernte und – wo erlaubt – gezieltem Insektizideinsatz. Das Zusammenspiel dieser Komponenten reduziert den Selektionsdruck auf Einzelmaßnahmen und erhöht die Resilienz des Systems.&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung === &lt;br /&gt;
Aktuelle Forschung untersucht unter anderem das Verhalten der Fliegen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen, die Rolle von Wildpflanzen als Reservoir, sowie neue Lockstoffe zur Verbesserung des Monitorings. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung biologischer Kontrollmethoden, genetische Analysen zur Herkunft und Ausbreitung sowie sozioökonomische Auswirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen auf Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=727</id>
		<title>Kirschessigfliege</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=727"/>
		<updated>2025-11-28T13:15:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung === &lt;br /&gt;
[[Datei:Männliche Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Männliche Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ist ein invasiver Schädling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich seit den späten 2000er Jahren rasant in Europa und Nordamerika ausgebreitet hat. Im Gegensatz zu anderen Essigfliegenarten legt &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039; ihre Eier nicht in überreifes oder beschädigtes Obst, sondern in gesunde, reifende Früchte. Dies führt zu erheblichem wirtschaftlichem Schaden, insbesondere im Obstbau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Knapp&amp;quot;&amp;gt;Knapp, L. et al. (2020). &#039;&#039;The economic impact of Drosophila suzukii&#039;&#039;. Pest Management Science 76(5): 1640–1647. [https://doi.org/10.1002/ps.6110 https://doi.org/10.1002/ps.6110].&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Streuobstwiesen wird die Art zunehmend als problematisch wahrgenommen, da dort ein gezieltes Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen oft nur eingeschränkt möglich sind.&lt;br /&gt;
=== Taxonomie / Systematik ===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia (Tiere)&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta (Insekten)&lt;br /&gt;
* Ordnung: Diptera (Zweiflügler)&lt;br /&gt;
* Familie: Drosophilidae (Taufliegen)&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Drosophila&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;&lt;br /&gt;
=== Verbreitung === &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde erstmals um 2008 in Europa (Spanien, Italien) und den USA nachgewiesen. Seitdem hat sie sich nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent etabliert. Auch in Mitteleuropa – einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz – ist sie inzwischen weit verbreitet. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Beeren-, Kirsch- und Zwetschkenproduktion, aber auch Streuobstbestände.&lt;br /&gt;
=== Biologie und Lebenszyklus === &lt;br /&gt;
[[Datei:Puppenstadium Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1|100px|&lt;br /&gt;
|right|Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; durchläuft einen vollständigen Entwicklungszyklus: Ei, drei Larvenstadien, Puppe und schließlich das erwachsene Insekt (Imago). Die Weibchen besitzen eine sägeartige Legeröhre, mit der sie ihre Eier in die Haut gesunder, reifender Früchte einbringen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beers2011&amp;quot;&amp;gt;Beers, E. H. et al. (2011). &#039;&#039;Developing Drosophila suzukii management programs for sweet cherry in the western United States&#039;&#039;. Pest Management Science 67(11): 1386–1392.  [https://doi.org/10.1002/ps.2279 https://doi.org/10.1002/ps.2279].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dort entwickeln sich die Larven, die das Fruchtfleisch zerstören und den Fruchtverfall beschleunigen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Legebohrer Detail.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Gezähnter Legebohrer einer weiblichen Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
Die Fliegen sind sehr vermehrungsfreudig: Unter günstigen Bedingungen (etwa 20–25 °C) können sich bis zu 10–15 Generationen pro Jahr entwickeln. Die Überwinterung erfolgt überwiegend in Form befruchteter Weibchen, die sich in geschützten Bereichen wie Laubstreu, Rindenritzen, Waldrändern oder Gebäuden zurückziehen. Während der kalten Jahreszeit reduziert sich ihre Stoffwechselaktivität deutlich. In klimatisch milderen Regionen können auch adulte Tiere längere Kälteperioden überstehen. Mit zunehmenden Tagestemperaturen im Frühjahr werden die Fliegen erneut aktiv und beginnen mit der Eiablage, wodurch frühreifende Wirtspflanzen bereits im späten Frühjahr befallen werden können&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tochen&amp;quot;&amp;gt;Tochen, S. et al. (2014). &#039;&#039;Temperature-Related Development and Population Parameters for Drosophila suzukii on Cherry and Blueberry&#039;&#039;. Environmental Entomology 43(2): 501–510. [https://doi.org/10.1603/EN13200 https://doi.org/10.1603/EN13200].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befallsmerkmale und Schadbild === &lt;br /&gt;
[[Datei:Befallene Kirsche.jpg|thumb|upright=1|200px|&lt;br /&gt;
|right|Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; kann eine Vielzahl von Früchten befallen. Dazu zählen Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Aprikosen (Marillen), Zwetschken, Pflaumen, Holunderbeeren und Tafeltrauben. Auch Exoten wie Feigen und teilweise sogar Tomaten und Kiwi können betroffen sein. Besonders anfällig sind dünnschalige und weichfleischige Früchte.&lt;br /&gt;
Befallene Früchte zeigen kleine Einstichstellen, aus denen häufig Saft austritt. Später treten weiche Stellen, Verfärbungen und Schrumpfungen auf, teils begleitet von Sekundärinfektionen durch Mikroorganismen. Aufgrund der Zero-Tolerance-Richtlinien für lebende Larven im Handel sind solche Früchte meist nicht mehr vermarktungsfähig. Besonders anfällig sind dünnschalige Früchte wie Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, aber auch Zwetschken, Holunder und Tafeltrauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung für Streuobstwiesen === &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen bieten aufgrund ihres Strukturreichtums und der Vielzahl an Fruchtarten ein ideales Habitat für &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039;. Die Vielzahl möglicher Wirtspflanzen, eine zeitlich gestaffelte Reifung sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel fördern die Etablierung stabiler Populationen. Zwar ist der wirtschaftliche Druck in extensiven Anlagen geringer als im Erwerbsobstbau, doch kann der Befall lokale Erträge und die Qualität deutlich mindern, insbesondere bei weichfleischigen Obstarten wie Kirschen und Zwetschken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Monitoring und Befallsprognose === &lt;br /&gt;
Zur Überwachung des Fluggeschehens werden in der Praxis meist Lockstofffallen eingesetzt, oft befüllt mit Apfelessig, Rotwein oder industriell hergestellten Locklösungen. Diese dienen der Früherkennung, erlauben aber nur eine grobe Einschätzung der Populationsdichte. Das Monitoring ist ein zentrales Element zur Entscheidungshilfe im integrierten Pflanzenschutz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vogt&amp;quot;&amp;gt;Vogt, H. (2020). &#039;&#039;Kirschessigfliege: Ergebnisse aus Monitoring und Forschung&#039;&#039;. Biologie in unserer Zeit 50(1): 50–57. [https://doi.org/10.1002/biuz.202010710 https://doi.org/10.1002/biuz.202010710].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management ===&lt;br /&gt;
==== Vorbeugende Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Wichtige kulturtechnische Maßnahmen umfassen eine rasche und vollständige Ernte, die Entfernung von Fallobst sowie das regelmäßige Mähen der Unterwuchsvegetation&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders in Streuobstwiesen mit spätreifenden Sorten ist eine enge Kontrolle entscheidend, um Populationsanstiege zu begrenzen.&lt;br /&gt;
==== Physikalische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Der Einsatz von Insektenschutznetzen kann die Eiablage effektiv verhindern, ist jedoch in hochstämmigen Streuobstwiesen meist nicht praktikabel. Kühlhaltung nach der Ernte hemmt die Larvenentwicklung, eignet sich aber eher für den professionellen Vertriebsweg. In Versuchen von Krutzler et al. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigten einige physikalische Verfahren – etwa der Einsatz von Kaolin oder partikelbasierte Barrieren – zusätzliche Effekte in Kombination mit anderen Maßnahmen, wenngleich sie im Streuobstbereich aufgrund des Aufwands nur eingeschränkt umsetzbar sind.&lt;br /&gt;
==== Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Antagonisten wie parasitoide Wespen oder entomopathogene Pilze werden erforscht, zeigen bislang aber nur eingeschränkte Wirksamkeit im Freiland. Auch pflanzliche Extrakte und Repellentien werden erprobt. Derzeit gibt es keine standardisierte biologische Kontrolle mit ausreichend hoher Effizienz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Chemische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
In einigen EU-Staaten sind Spinosad, Pyrethrine oder Cyantraniliprol zur Bekämpfung zugelassen. Ihre Anwendung muss streng nach Wartezeiten und Zulassungsvorgaben erfolgen. Im Bio-Anbau sind die Möglichkeiten eingeschränkt, insbesondere wegen Rückstandsproblemen und Wirkungslücken&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haviland2012&amp;quot;&amp;gt;Haviland, D. R. &amp;amp; Beers, E. H. (2012). &#039;&#039;Chemical control programs for Drosophila suzukii that comply with international limitations on pesticide residues&#039;&#039;. Journal of Integrated Pest Management 3(2). [https://doi.org/10.1603/IPM11034 https://doi.org/10.1603/IPM11034].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Integrierte Strategien ==== &lt;br /&gt;
Ein wirksames Management basiert auf einem integrativen Ansatz: Kombination von Monitoring, Hygienemaßnahmen, gegebenenfalls physikalischem Schutz, frühzeitiger Ernte und – wo erlaubt – gezieltem Insektizideinsatz. Das Zusammenspiel dieser Komponenten reduziert den Selektionsdruck auf Einzelmaßnahmen und erhöht die Resilienz des Systems.&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung === &lt;br /&gt;
Aktuelle Forschung untersucht unter anderem das Verhalten der Fliegen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen, die Rolle von Wildpflanzen als Reservoir, sowie neue Lockstoffe zur Verbesserung des Monitorings. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung biologischer Kontrollmethoden, genetische Analysen zur Herkunft und Ausbreitung sowie sozioökonomische Auswirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen auf Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=726</id>
		<title>Kirschessigfliege</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Kirschessigfliege&amp;diff=726"/>
		<updated>2025-11-28T13:13:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung === &lt;br /&gt;
[[Datei:Männliche Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Männliche Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirschessigfliege (&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;) ist ein invasiver Schädling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich seit den späten 2000er Jahren rasant in Europa und Nordamerika ausgebreitet hat. Im Gegensatz zu anderen Essigfliegenarten legt &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039; ihre Eier nicht in überreifes oder beschädigtes Obst, sondern in gesunde, reifende Früchte. Dies führt zu erheblichem wirtschaftlichem Schaden, insbesondere im Obstbau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Knapp&amp;quot;&amp;gt;Knapp, L. et al. (2020). &#039;&#039;The economic impact of Drosophila suzukii&#039;&#039;. Pest Management Science 76(5): 1640–1647. [https://doi.org/10.1002/ps.6110 https://doi.org/10.1002/ps.6110].&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Streuobstwiesen wird die Art zunehmend als problematisch wahrgenommen, da dort ein gezieltes Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen oft nur eingeschränkt möglich sind.&lt;br /&gt;
=== Taxonomie / Systematik ===&lt;br /&gt;
* Reich: Animalia (Tiere)&lt;br /&gt;
* Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)&lt;br /&gt;
* Klasse: Insecta (Insekten)&lt;br /&gt;
* Ordnung: Diptera (Zweiflügler)&lt;br /&gt;
* Familie: Drosophilidae (Taufliegen)&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Drosophila&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039;&lt;br /&gt;
=== Verbreitung === &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde erstmals um 2008 in Europa (Spanien, Italien) und den USA nachgewiesen. Seitdem hat sie sich nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent etabliert. Auch in Mitteleuropa – einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz – ist sie inzwischen weit verbreitet. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Beeren-, Kirsch- und Zwetschkenproduktion, aber auch Streuobstbestände.&lt;br /&gt;
=== Biologie und Lebenszyklus === &lt;br /&gt;
[[Datei:Puppenstadium Kirschessigfliege.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; durchläuft einen vollständigen Entwicklungszyklus: Ei, drei Larvenstadien, Puppe und schließlich das erwachsene Insekt (Imago). Die Weibchen besitzen eine sägeartige Legeröhre, mit der sie ihre Eier in die Haut gesunder, reifender Früchte einbringen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beers2011&amp;quot;&amp;gt;Beers, E. H. et al. (2011). &#039;&#039;Developing Drosophila suzukii management programs for sweet cherry in the western United States&#039;&#039;. Pest Management Science 67(11): 1386–1392.  [https://doi.org/10.1002/ps.2279 https://doi.org/10.1002/ps.2279].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dort entwickeln sich die Larven, die das Fruchtfleisch zerstören und den Fruchtverfall beschleunigen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Legebohrer Detail.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Gezähnter Legebohrer einer weiblichen Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
Die Fliegen sind sehr vermehrungsfreudig: Unter günstigen Bedingungen (etwa 20–25 °C) können sich bis zu 10–15 Generationen pro Jahr entwickeln. Die Überwinterung erfolgt überwiegend in Form befruchteter Weibchen, die sich in geschützten Bereichen wie Laubstreu, Rindenritzen, Waldrändern oder Gebäuden zurückziehen. Während der kalten Jahreszeit reduziert sich ihre Stoffwechselaktivität deutlich. In klimatisch milderen Regionen können auch adulte Tiere längere Kälteperioden überstehen. Mit zunehmenden Tagestemperaturen im Frühjahr werden die Fliegen erneut aktiv und beginnen mit der Eiablage, wodurch frühreifende Wirtspflanzen bereits im späten Frühjahr befallen werden können&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tochen&amp;quot;&amp;gt;Tochen, S. et al. (2014). &#039;&#039;Temperature-Related Development and Population Parameters for Drosophila suzukii on Cherry and Blueberry&#039;&#039;. Environmental Entomology 43(2): 501–510. [https://doi.org/10.1603/EN13200 https://doi.org/10.1603/EN13200].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befallsmerkmale und Schadbild === &lt;br /&gt;
[[Datei:Befallene Kirsche.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Drosophila suzukii&#039;&#039; kann eine Vielzahl von Früchten befallen. Dazu zählen Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Aprikosen (Marillen), Zwetschken, Pflaumen, Holunderbeeren und Tafeltrauben. Auch Exoten wie Feigen und teilweise sogar Tomaten und Kiwi können betroffen sein. Besonders anfällig sind dünnschalige und weichfleischige Früchte.&lt;br /&gt;
Befallene Früchte zeigen kleine Einstichstellen, aus denen häufig Saft austritt. Später treten weiche Stellen, Verfärbungen und Schrumpfungen auf, teils begleitet von Sekundärinfektionen durch Mikroorganismen. Aufgrund der Zero-Tolerance-Richtlinien für lebende Larven im Handel sind solche Früchte meist nicht mehr vermarktungsfähig. Besonders anfällig sind dünnschalige Früchte wie Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, aber auch Zwetschken, Holunder und Tafeltrauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung für Streuobstwiesen === &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen bieten aufgrund ihres Strukturreichtums und der Vielzahl an Fruchtarten ein ideales Habitat für &#039;&#039;D. suzukii&#039;&#039;. Die Vielzahl möglicher Wirtspflanzen, eine zeitlich gestaffelte Reifung sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel fördern die Etablierung stabiler Populationen. Zwar ist der wirtschaftliche Druck in extensiven Anlagen geringer als im Erwerbsobstbau, doch kann der Befall lokale Erträge und die Qualität deutlich mindern, insbesondere bei weichfleischigen Obstarten wie Kirschen und Zwetschken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Monitoring und Befallsprognose === &lt;br /&gt;
Zur Überwachung des Fluggeschehens werden in der Praxis meist Lockstofffallen eingesetzt, oft befüllt mit Apfelessig, Rotwein oder industriell hergestellten Locklösungen. Diese dienen der Früherkennung, erlauben aber nur eine grobe Einschätzung der Populationsdichte. Das Monitoring ist ein zentrales Element zur Entscheidungshilfe im integrierten Pflanzenschutz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vogt&amp;quot;&amp;gt;Vogt, H. (2020). &#039;&#039;Kirschessigfliege: Ergebnisse aus Monitoring und Forschung&#039;&#039;. Biologie in unserer Zeit 50(1): 50–57. [https://doi.org/10.1002/biuz.202010710 https://doi.org/10.1002/biuz.202010710].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management ===&lt;br /&gt;
==== Vorbeugende Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Wichtige kulturtechnische Maßnahmen umfassen eine rasche und vollständige Ernte, die Entfernung von Fallobst sowie das regelmäßige Mähen der Unterwuchsvegetation&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Besonders in Streuobstwiesen mit spätreifenden Sorten ist eine enge Kontrolle entscheidend, um Populationsanstiege zu begrenzen.&lt;br /&gt;
==== Physikalische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Der Einsatz von Insektenschutznetzen kann die Eiablage effektiv verhindern, ist jedoch in hochstämmigen Streuobstwiesen meist nicht praktikabel. Kühlhaltung nach der Ernte hemmt die Larvenentwicklung, eignet sich aber eher für den professionellen Vertriebsweg. In Versuchen von Krutzler et al. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigten einige physikalische Verfahren – etwa der Einsatz von Kaolin oder partikelbasierte Barrieren – zusätzliche Effekte in Kombination mit anderen Maßnahmen, wenngleich sie im Streuobstbereich aufgrund des Aufwands nur eingeschränkt umsetzbar sind.&lt;br /&gt;
==== Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Antagonisten wie parasitoide Wespen oder entomopathogene Pilze werden erforscht, zeigen bislang aber nur eingeschränkte Wirksamkeit im Freiland. Auch pflanzliche Extrakte und Repellentien werden erprobt. Derzeit gibt es keine standardisierte biologische Kontrolle mit ausreichend hoher Effizienz&amp;lt;ref name=&amp;quot;Krutzler&amp;quot;&amp;gt;Krutzler, M. et al. (2022). Efficacy evaluation of alternative pest control products against Drosophila suzukii in Austrian elderberry orchards. Crop Protection 158: 105898. [https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4 https://doi.org/10.1007/s41348-022-00598-4].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Chemische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
In einigen EU-Staaten sind Spinosad, Pyrethrine oder Cyantraniliprol zur Bekämpfung zugelassen. Ihre Anwendung muss streng nach Wartezeiten und Zulassungsvorgaben erfolgen. Im Bio-Anbau sind die Möglichkeiten eingeschränkt, insbesondere wegen Rückstandsproblemen und Wirkungslücken&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haviland2012&amp;quot;&amp;gt;Haviland, D. R. &amp;amp; Beers, E. H. (2012). &#039;&#039;Chemical control programs for Drosophila suzukii that comply with international limitations on pesticide residues&#039;&#039;. Journal of Integrated Pest Management 3(2). [https://doi.org/10.1603/IPM11034 https://doi.org/10.1603/IPM11034].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
==== Integrierte Strategien ==== &lt;br /&gt;
Ein wirksames Management basiert auf einem integrativen Ansatz: Kombination von Monitoring, Hygienemaßnahmen, gegebenenfalls physikalischem Schutz, frühzeitiger Ernte und – wo erlaubt – gezieltem Insektizideinsatz. Das Zusammenspiel dieser Komponenten reduziert den Selektionsdruck auf Einzelmaßnahmen und erhöht die Resilienz des Systems.&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung === &lt;br /&gt;
Aktuelle Forschung untersucht unter anderem das Verhalten der Fliegen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen, die Rolle von Wildpflanzen als Reservoir, sowie neue Lockstoffe zur Verbesserung des Monitorings. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung biologischer Kontrollmethoden, genetische Analysen zur Herkunft und Ausbreitung sowie sozioökonomische Auswirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen auf Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Datei:Puppenstadium_Kirschessigfliege.jpg&amp;diff=725</id>
		<title>Datei:Puppenstadium Kirschessigfliege.jpg</title>
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		<updated>2025-11-28T13:07:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf

Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Puppe der Kirschessigfliege kurz vor Schlupf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
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		<updated>2025-11-28T13:05:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege

Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Stark befallene Kirsche durch Larven der Kirschessigfliege&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<updated>2025-11-28T13:02:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<title>Datei:Männliche Kirschessigfliege.jpg</title>
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		<updated>2025-11-28T13:00:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Datei:Legebohrer.jpg&amp;diff=721</id>
		<title>Datei:Legebohrer.jpg</title>
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		<updated>2025-11-28T12:58:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Quelle: HBLA und BA Klosterneuburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=720</id>
		<title>Splintholzkäfer</title>
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		<updated>2025-11-28T12:53:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Splintholzkäfer===&lt;br /&gt;
[[Datei:Scolytus rugulosus Imago.jpg|thumb|upright=1&lt;br /&gt;
|right|&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; Imago]]&lt;br /&gt;
Die Splintholzkäfer &#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Großer Obstbaumsplintkäfer) und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Kleiner Obstbaumsplintkäfer) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Beide Arten zählen in Mitteleuropa zu den bedeutendsten holz- und rindenbewohnenden Sekundärschädlingen an Obstgehölzen. Sie treten überwiegend an geschwächten, verletzten oder absterbenden Bäumen auf und können bei starkem Befall zum Absterben einzelner Kronenteile oder ganzer Bäume führen &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;&amp;gt;Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). &#039;&#039;Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; LELF Frankfurt (Oder).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;&amp;gt;Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). &#039;&#039;Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Im Lebensraum Streuobstwiese sind die Käfer Teil der natürlichen Zersetzergemeinschaft, nehmen aber bei anhaltendem Trockenstress oder mangelhafter Pflege auch wirtschaftliche Bedeutung an. Verwandte Arten wie &#039;&#039;Xyleborinus saxeseni&#039;&#039; (Runzliger Obstbaumsplintkäfer) oder &#039;&#039;Xyleborus dispar&#039;&#039; (Ungleicher Holzbohrer) verursachen ähnliche Fraßbilder, gehören jedoch zu anderen Gattungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
*	Ordnung: Coleoptera – Käfer&lt;br /&gt;
*	Familie: Curculionidae – Rüsselkäfer&lt;br /&gt;
*	Unterfamilie: Scolytinae – Borkenkäfer&lt;br /&gt;
*	Tribus: Scolytini&lt;br /&gt;
*	Gattung: &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; Geoffroy, 1762&lt;br /&gt;
*	Arten:&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Bechstein, 1805) – Großer Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Müller, 1818) – Kleiner Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
Die Gattung &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; umfasst etwa 120 beschriebene Arten mit paläarktischer, orientalischer und nearktischer Verbreitung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;&amp;gt;Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). Scolytus &#039;&#039;and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles.&#039;&#039; Bark Beetles, Elsevier, 495–503. [https://doi.org/10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die beiden genannten Arten sind in Europa heimisch und morphologisch gut bestimmbar. Sie besitzen abgeflachte Fühlerkeulen, einen leicht geneigten Flügeldeckenabfall und einen charakteristischen Bau der Bauchsternite, der zwischen den Arten differiert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; sind in der gesamten Paläarktis verbreitet &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;&amp;gt;Lortkipanidze, M. et al. (2020). &#039;&#039; Role of the major ecological factors on the formation of nematode fauna.&#039;&#039; International Journal of Fauna and Biological Studies 7(2): 65–70.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Mitteleuropa kommen sie von den Tiefebenen bis in mittlere Gebirgslagen vor. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gelten sie als regelmäßige Begleiter alter Obstbestände, Gartenbäume und Streuobstwiesen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Beide Arten bevorzugen wärmere, trockenere Lagen, wo Obstgehölze durch Trockenstress oder Alterung geschwächt sind. Sie können auch in Baumschulen oder Jungpflanzungen auftreten, wenn die Pflanzen durch Transport oder Pflanzfehler geschädigt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Primärbefall gesunder Bäume ist dagegen selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
Scolytus mali und Scolytus rugulosus sind phloeophage Käfer, die sich vom Bastgewebe (Phloem) unter der Rinde ernähren. Sie besiedeln vorwiegend geschwächte, absterbende oder frisch abgestorbene Obstbäume. Die Tiere sind monogam; das Weibchen sucht geeignetes Holzmaterial auf und bohrt eine kurze Einbohröffnung bis zum Kambium. Dahinter legt es eine kleine Kammer an, von der aus ein längs zur Holzfaser verlaufender Muttergang ausgeht.&lt;br /&gt;
Entlang des Mutterganges werden die Eier einzeln in kleine Nischen abgelegt und mit Bohrmehl bedeckt. Nach dem Schlupf fressen die Larven fächerförmig vom Muttergang weg durch das Bastgewebe und teilweise in den Splint. Ihre Fraßgänge sind deutlich an der Unterseite der Rinde sichtbar und verlaufen meist senkrecht zum Muttergang.&lt;br /&gt;
Die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz oder in der inneren Rinde. Nach Abschluss der Entwicklung bohren sich die Jungkäfer durch kleine runde Ausflugslöcher ins Freie. In Mitteleuropa tritt in der Regel eine Generation pro Jahr auf; in warmen und trockenen Jahren kann sich eine teilweise zweite Generation entwickeln.&lt;br /&gt;
Die Käfer überwintern je nach Art und Standort als Larven, Puppen oder Jungkäfer im Holz. Der Hauptflug erfolgt ab dem späten Frühjahr, meist von Mai bis Juli. Nach dem Ausflug erfolgt ein kurzer Reifungsfraß an jungen Trieben und Blattstielen, bevor die Weibchen erneut Eiablagekammern anlegen.&lt;br /&gt;
Trockenheit, hohe Temperaturen und geschwächte Bäume fördern die Entwicklung der Splintholzkäfer erheblich, da die Abwehrmechanismen der Wirtspflanzen bei Wassermangel reduziert sind. In vitalen Beständen kommt es dagegen nur selten zu einer erfolgreichen Besiedlung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Ein Befall äußert sich durch Welken einzelner Kronenteile ab Juni, Bohrmehlauswurf aus der Rinde, Harzfluss oder Gummifluss, sowie rundliche Ein- und Ausbohrlöcher &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Unter der Rinde zeigen sich typische Fraßbilder: ein längsgerichteter Muttergang mit seitlich abzweigenden, fächerförmig verlaufenden Larvengängen.&lt;br /&gt;
Im Verlauf lösen sich Rindenpartien, das Gewebe verfärbt sich dunkelbraun, und in späteren Stadien treten sekundäre Fäulen auf. Absterbende Äste und vermehrte Stock- oder Stammaustriebe sind weitere Anzeichen eines Befalls &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung für Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
In extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen kommen S. mali und S. rugulosus regelmäßig vor. Sie befallen vor allem alte Hochstämme oder Bäume, die durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schnittmaßnahmen geschwächt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;&amp;gt;Breinesberger, J. et al. (2024). &#039;&#039; Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO.&#039;&#039; ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg. ISBN 978-3-9505403-1-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft Mitteleuropas und in Österreich von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;. Ihr ökologischer Wert beruht auf hoher Biodiversität und Sortenvielfalt. Alte, teilweise abgestorbene Bäume bieten zahlreichen Insekten, darunter auch Splintholzkäfern, Lebensraum.&lt;br /&gt;
Ein maßvolles Gleichgewicht zwischen Erhalt wertvoller Altbäume und der Vermeidung von Käferherden ist daher wichtig. Stark befallene oder abgestorbene Bäume sollten entfernt werden, um den Befallsdruck auf den Bestand zu verringern &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sortenanfälligkeit===&lt;br /&gt;
S&#039;&#039;colytus mali&#039;&#039; befällt hauptsächlich Apfel (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Birne (&#039;&#039;Pyrus communis&#039;&#039;) und Eberesche (&#039;&#039;Sorbus aucuparia&#039;&#039;). &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; tritt häufig an Pflaume (&#039;&#039;Prunus domestica&#039;&#039;), Kirsche (&#039;&#039;P. avium&#039;&#039;, &#039;&#039;P. cerasus&#039;&#039;) und Apfel auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die Anfälligkeit wird durch Baumvitalität und Rindenstruktur beeinflusst. Sorten mit glatter, rissfreier Rinde und gutem Wasserversorgungszustand zeigen eine geringere Befallswahrscheinlichkeit. In alten Streuobstsorten finden sich oft individuell robuste Genotypen, die unter Trockenstress weniger anfällig sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Einsatz von entomopathogenen Pilzen, insbesondere &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;, zeigte in Labor- und Feldversuchen hohe Wirksamkeit gegen verschiedene Scolytus-Arten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;&amp;gt;Batta, Y. A. (2007). &#039;&#039; Biocontrol of almond bark beetle (&#039;&#039;Scolytus amygdali&#039;&#039;) using &#039;&#039;Beauveria bassiana. Journal of Applied Microbiology 103: 1406–1414. [https://doi.org/10.1111/j.1365-2672.2007.03369.x].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Formulierungen auf Ölbasis oder als Invert-Emulsion erreichten über 80 % Mortalität erwachsener Käfer, ohne negative Umweltwirkungen. Diese Methode gilt als vielversprechende Alternative zur chemischen Bekämpfung.&lt;br /&gt;
Auch parasitäre Nematoden und räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulation der Population bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Vorbeugung durch gute Pflege ist entscheidend. Dazu zählen eine ausreichende Wasserversorgung, sachgerechter Schnitt und die Vermeidung von Rindenverletzungen. Befallenes Material sollte zeitnah aus dem Bestand entfernt und abgetrocknet oder gehäckselt werden, damit sich Larven nicht weiterentwickeln können &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lehm-Jute-Bandagen, Stammanstriche oder mechanische Schutzeinrichtungen sind gegen Borken- und Splintholzkäfer nicht wirksam &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Behandlungen werden im Streuobstbau nicht angewendet und sind aufgrund der geschützten Lebensweise der Käfer unter der Rinde meist wirkungslos. Sie widersprechen außerdem den Grundsätzen des ökologisch orientierten Obstbaus &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein integriertes Management kombiniert Pflegemaßnahmen, Entfernung befallener Bäume und Förderung natürlicher Gegenspieler. In Streuobstsystemen wird eine periodische Kontrolle auf Bohrmehl und Ausflugslöcher empfohlen. Durch rechtzeitige Entnahme befallener Stämme und biologische Behandlungen kann der Befall nachhaltig eingedämmt werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Klimatische Veränderungen mit häufigeren Trockenperioden können die Bedeutung dieser Schädlinge verstärken &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;. Ein präventiver, pflegeorientierter Ansatz gewinnt daher weiter an Relevanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zu Borken- und Splintholzkäfern konzentrierte sich lange auf forstwirtschaftlich relevante Arten. Neuere Untersuchungen berücksichtigen zunehmend auch an Obstgehölzen auftretende &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039;-Arten. Dabei stehen die Wechselwirkungen zwischen Käfern, assoziierten Mikroorganismen und klimatischen Faktoren im Vordergrund &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Biologische Kontrollstrategien, Pheromonforschung und molekulargenetische Analysen tragen zu einem besseren Verständnis der Populationsdynamik bei. In Österreich und Deutschland werden diese Erkenntnisse auch für das Management von Streuobstbeständen genutzt, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Datei:Scolytus_rugulosus_Imago.jpg&amp;diff=719</id>
		<title>Datei:Scolytus rugulosus Imago.jpg</title>
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		<updated>2025-11-28T11:17:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: „Scolytus rugulosus“ Imago
Autor: Fdcgoeul
Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version published by the Free Software Foundation.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
„Scolytus rugulosus“ Imago&lt;br /&gt;
Autor: Fdcgoeul&lt;br /&gt;
Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version published by the Free Software Foundation.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
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	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=707</id>
		<title>Splintholzkäfer</title>
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		<updated>2025-11-28T10:36:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Splintholzkäfer===&lt;br /&gt;
Die Splintholzkäfer &#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Großer Obstbaumsplintkäfer) und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Kleiner Obstbaumsplintkäfer) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Beide Arten zählen in Mitteleuropa zu den bedeutendsten holz- und rindenbewohnenden Sekundärschädlingen an Obstgehölzen. Sie treten überwiegend an geschwächten, verletzten oder absterbenden Bäumen auf und können bei starkem Befall zum Absterben einzelner Kronenteile oder ganzer Bäume führen &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;&amp;gt;Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). &#039;&#039;Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; LELF Frankfurt (Oder).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;&amp;gt;Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). &#039;&#039;Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Im Lebensraum Streuobstwiese sind die Käfer Teil der natürlichen Zersetzergemeinschaft, nehmen aber bei anhaltendem Trockenstress oder mangelhafter Pflege auch wirtschaftliche Bedeutung an. Verwandte Arten wie &#039;&#039;Xyleborinus saxeseni&#039;&#039; (Runzliger Obstbaumsplintkäfer) oder &#039;&#039;Xyleborus dispar&#039;&#039; (Ungleicher Holzbohrer) verursachen ähnliche Fraßbilder, gehören jedoch zu anderen Gattungen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
*	Ordnung: Coleoptera – Käfer&lt;br /&gt;
*	Familie: Curculionidae – Rüsselkäfer&lt;br /&gt;
*	Unterfamilie: Scolytinae – Borkenkäfer&lt;br /&gt;
*	Tribus: Scolytini&lt;br /&gt;
*	Gattung: &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; Geoffroy, 1762&lt;br /&gt;
*	Arten:&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Bechstein, 1805) – Großer Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Müller, 1818) – Kleiner Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
Die Gattung &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; umfasst etwa 120 beschriebene Arten mit paläarktischer, orientalischer und nearktischer Verbreitung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;&amp;gt;Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). Scolytus &#039;&#039;and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles.&#039;&#039; Bark Beetles, Elsevier, 495–503. [https://doi.org/10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die beiden genannten Arten sind in Europa heimisch und morphologisch gut bestimmbar. Sie besitzen abgeflachte Fühlerkeulen, einen leicht geneigten Flügeldeckenabfall und einen charakteristischen Bau der Bauchsternite, der zwischen den Arten differiert &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; sind in der gesamten Paläarktis verbreitet &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;&amp;gt;Lortkipanidze, M. et al. (2020). &#039;&#039; Role of the major ecological factors on the formation of nematode fauna.&#039;&#039; International Journal of Fauna and Biological Studies 7(2): 65–70.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Mitteleuropa kommen sie von den Tiefebenen bis in mittlere Gebirgslagen vor. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gelten sie als regelmäßige Begleiter alter Obstbestände, Gartenbäume und Streuobstwiesen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Beide Arten bevorzugen wärmere, trockenere Lagen, wo Obstgehölze durch Trockenstress oder Alterung geschwächt sind. Sie können auch in Baumschulen oder Jungpflanzungen auftreten, wenn die Pflanzen durch Transport oder Pflanzfehler geschädigt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Primärbefall gesunder Bäume ist dagegen selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
Scolytus mali und Scolytus rugulosus sind phloeophage Käfer, die sich vom Bastgewebe (Phloem) unter der Rinde ernähren. Sie besiedeln vorwiegend geschwächte, absterbende oder frisch abgestorbene Obstbäume. Die Tiere sind monogam; das Weibchen sucht geeignetes Holzmaterial auf und bohrt eine kurze Einbohröffnung bis zum Kambium. Dahinter legt es eine kleine Kammer an, von der aus ein längs zur Holzfaser verlaufender Muttergang ausgeht.&lt;br /&gt;
Entlang des Mutterganges werden die Eier einzeln in kleine Nischen abgelegt und mit Bohrmehl bedeckt. Nach dem Schlupf fressen die Larven fächerförmig vom Muttergang weg durch das Bastgewebe und teilweise in den Splint. Ihre Fraßgänge sind deutlich an der Unterseite der Rinde sichtbar und verlaufen meist senkrecht zum Muttergang.&lt;br /&gt;
Die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz oder in der inneren Rinde. Nach Abschluss der Entwicklung bohren sich die Jungkäfer durch kleine runde Ausflugslöcher ins Freie. In Mitteleuropa tritt in der Regel eine Generation pro Jahr auf; in warmen und trockenen Jahren kann sich eine teilweise zweite Generation entwickeln.&lt;br /&gt;
Die Käfer überwintern je nach Art und Standort als Larven, Puppen oder Jungkäfer im Holz. Der Hauptflug erfolgt ab dem späten Frühjahr, meist von Mai bis Juli. Nach dem Ausflug erfolgt ein kurzer Reifungsfraß an jungen Trieben und Blattstielen, bevor die Weibchen erneut Eiablagekammern anlegen.&lt;br /&gt;
Trockenheit, hohe Temperaturen und geschwächte Bäume fördern die Entwicklung der Splintholzkäfer erheblich, da die Abwehrmechanismen der Wirtspflanzen bei Wassermangel reduziert sind. In vitalen Beständen kommt es dagegen nur selten zu einer erfolgreichen Besiedlung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Ein Befall äußert sich durch Welken einzelner Kronenteile ab Juni, Bohrmehlauswurf aus der Rinde, Harzfluss oder Gummifluss, sowie rundliche Ein- und Ausbohrlöcher &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;. Unter der Rinde zeigen sich typische Fraßbilder: ein längsgerichteter Muttergang mit seitlich abzweigenden, fächerförmig verlaufenden Larvengängen.&lt;br /&gt;
Im Verlauf lösen sich Rindenpartien, das Gewebe verfärbt sich dunkelbraun, und in späteren Stadien treten sekundäre Fäulen auf. Absterbende Äste und vermehrte Stock- oder Stammaustriebe sind weitere Anzeichen eines Befalls &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung für Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
In extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen kommen S. mali und S. rugulosus regelmäßig vor. Sie befallen vor allem alte Hochstämme oder Bäume, die durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schnittmaßnahmen geschwächt wurden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;&amp;gt;Breinesberger, J. et al. (2024). &#039;&#039; Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO.&#039;&#039; ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg. ISBN 978-3-9505403-1-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft Mitteleuropas und in Österreich von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;. Ihr ökologischer Wert beruht auf hoher Biodiversität und Sortenvielfalt. Alte, teilweise abgestorbene Bäume bieten zahlreichen Insekten, darunter auch Splintholzkäfern, Lebensraum.&lt;br /&gt;
Ein maßvolles Gleichgewicht zwischen Erhalt wertvoller Altbäume und der Vermeidung von Käferherden ist daher wichtig. Stark befallene oder abgestorbene Bäume sollten entfernt werden, um den Befallsdruck auf den Bestand zu verringern &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sortenanfälligkeit===&lt;br /&gt;
S&#039;&#039;colytus mali&#039;&#039; befällt hauptsächlich Apfel (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Birne (&#039;&#039;Pyrus communis&#039;&#039;) und Eberesche (&#039;&#039;Sorbus aucuparia&#039;&#039;). &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; tritt häufig an Pflaume (&#039;&#039;Prunus domestica&#039;&#039;), Kirsche (&#039;&#039;P. avium&#039;&#039;, &#039;&#039;P. cerasus&#039;&#039;) und Apfel auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die Anfälligkeit wird durch Baumvitalität und Rindenstruktur beeinflusst. Sorten mit glatter, rissfreier Rinde und gutem Wasserversorgungszustand zeigen eine geringere Befallswahrscheinlichkeit. In alten Streuobstsorten finden sich oft individuell robuste Genotypen, die unter Trockenstress weniger anfällig sind &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Einsatz von entomopathogenen Pilzen, insbesondere &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;, zeigte in Labor- und Feldversuchen hohe Wirksamkeit gegen verschiedene Scolytus-Arten &amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;&amp;gt;Batta, Y. A. (2007). &#039;&#039; Biocontrol of almond bark beetle (&#039;&#039;Scolytus amygdali&#039;&#039;) using &#039;&#039;Beauveria bassiana. Journal of Applied Microbiology 103: 1406–1414. [https://doi.org/10.1111/j.1365-2672.2007.03369.x].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Formulierungen auf Ölbasis oder als Invert-Emulsion erreichten über 80 % Mortalität erwachsener Käfer, ohne negative Umweltwirkungen. Diese Methode gilt als vielversprechende Alternative zur chemischen Bekämpfung.&lt;br /&gt;
Auch parasitäre Nematoden und räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulation der Population bei &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Vorbeugung durch gute Pflege ist entscheidend. Dazu zählen eine ausreichende Wasserversorgung, sachgerechter Schnitt und die Vermeidung von Rindenverletzungen. Befallenes Material sollte zeitnah aus dem Bestand entfernt und abgetrocknet oder gehäckselt werden, damit sich Larven nicht weiterentwickeln können &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lehm-Jute-Bandagen, Stammanstriche oder mechanische Schutzeinrichtungen sind gegen Borken- und Splintholzkäfer nicht wirksam &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Behandlungen werden im Streuobstbau nicht angewendet und sind aufgrund der geschützten Lebensweise der Käfer unter der Rinde meist wirkungslos. Sie widersprechen außerdem den Grundsätzen des ökologisch orientierten Obstbaus &amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein integriertes Management kombiniert Pflegemaßnahmen, Entfernung befallener Bäume und Förderung natürlicher Gegenspieler. In Streuobstsystemen wird eine periodische Kontrolle auf Bohrmehl und Ausflugslöcher empfohlen. Durch rechtzeitige Entnahme befallener Stämme und biologische Behandlungen kann der Befall nachhaltig eingedämmt werden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Batta&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Klimatische Veränderungen mit häufigeren Trockenperioden können die Bedeutung dieser Schädlinge verstärken &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;. Ein präventiver, pflegeorientierter Ansatz gewinnt daher weiter an Relevanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zu Borken- und Splintholzkäfern konzentrierte sich lange auf forstwirtschaftlich relevante Arten. Neuere Untersuchungen berücksichtigen zunehmend auch an Obstgehölzen auftretende &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039;-Arten. Dabei stehen die Wechselwirkungen zwischen Käfern, assoziierten Mikroorganismen und klimatischen Faktoren im Vordergrund &amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lort&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Biologische Kontrollstrategien, Pheromonforschung und molekulargenetische Analysen tragen zu einem besseren Verständnis der Populationsdynamik bei. In Österreich und Deutschland werden diese Erkenntnisse auch für das Management von Streuobstbeständen genutzt, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden &amp;lt;ref name=&amp;quot;Breinesberger&amp;quot;/&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Splintholzk%C3%A4fer&amp;diff=706</id>
		<title>Splintholzkäfer</title>
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		<updated>2025-11-28T10:18:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Splintholzkäfer===&lt;br /&gt;
Die Splintholzkäfer &#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Großer Obstbaumsplintkäfer) und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Kleiner Obstbaumsplintkäfer) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Beide Arten zählen in Mitteleuropa zu den bedeutendsten holz- und rindenbewohnenden Sekundärschädlingen an Obstgehölzen. Sie treten überwiegend an geschwächten, verletzten oder absterbenden Bäumen auf und können bei starkem Befall zum Absterben einzelner Kronenteile oder ganzer Bäume führen (1)(2).&lt;br /&gt;
Im Lebensraum Streuobstwiese sind die Käfer Teil der natürlichen Zersetzergemeinschaft, nehmen aber bei anhaltendem Trockenstress oder mangelhafter Pflege auch wirtschaftliche Bedeutung an. Verwandte Arten wie &#039;&#039;Xyleborinus saxeseni&#039;&#039; (Runzliger Obstbaumsplintkäfer) oder &#039;&#039;Xyleborus dispar&#039;&#039; (Ungleicher Holzbohrer) verursachen ähnliche Fraßbilder, gehören jedoch zu anderen Gattungen (2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik===&lt;br /&gt;
*	Ordnung: Coleoptera – Käfer&lt;br /&gt;
*	Familie: Curculionidae – Rüsselkäfer&lt;br /&gt;
*	Unterfamilie: Scolytinae – Borkenkäfer&lt;br /&gt;
*	Tribus: Scolytini&lt;br /&gt;
*	Gattung: &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; Geoffroy, 1762&lt;br /&gt;
*	Arten:&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; (Bechstein, 1805) – Großer Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
*	&#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; (Müller, 1818) – Kleiner Obstbaumsplintkäfer&lt;br /&gt;
Die Gattung &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; umfasst etwa 120 beschriebene Arten mit paläarktischer, orientalischer und nearktischer Verbreitung (3). Die beiden genannten Arten sind in Europa heimisch und morphologisch gut bestimmbar. Sie besitzen abgeflachte Fühlerkeulen, einen leicht geneigten Flügeldeckenabfall und einen charakteristischen Bau der Bauchsternite, der zwischen den Arten differiert (3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Scolytus mali&#039;&#039; und &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; sind in der gesamten Paläarktis verbreitet (3)(4). In Mitteleuropa kommen sie von den Tiefebenen bis in mittlere Gebirgslagen vor. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gelten sie als regelmäßige Begleiter alter Obstbestände, Gartenbäume und Streuobstwiesen (2)(5).&lt;br /&gt;
Beide Arten bevorzugen wärmere, trockenere Lagen, wo Obstgehölze durch Trockenstress oder Alterung geschwächt sind. Sie können auch in Baumschulen oder Jungpflanzungen auftreten, wenn die Pflanzen durch Transport oder Pflanzfehler geschädigt wurden (2). Primärbefall gesunder Bäume ist dagegen selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biologie und Krankheitszyklus===&lt;br /&gt;
Scolytus mali und Scolytus rugulosus sind phloeophage Käfer, die sich vom Bastgewebe (Phloem) unter der Rinde ernähren. Sie besiedeln vorwiegend geschwächte, absterbende oder frisch abgestorbene Obstbäume. Die Tiere sind monogam; das Weibchen sucht geeignetes Holzmaterial auf und bohrt eine kurze Einbohröffnung bis zum Kambium. Dahinter legt es eine kleine Kammer an, von der aus ein längs zur Holzfaser verlaufender Muttergang ausgeht.&lt;br /&gt;
Entlang des Mutterganges werden die Eier einzeln in kleine Nischen abgelegt und mit Bohrmehl bedeckt. Nach dem Schlupf fressen die Larven fächerförmig vom Muttergang weg durch das Bastgewebe und teilweise in den Splint. Ihre Fraßgänge sind deutlich an der Unterseite der Rinde sichtbar und verlaufen meist senkrecht zum Muttergang.&lt;br /&gt;
Die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz oder in der inneren Rinde. Nach Abschluss der Entwicklung bohren sich die Jungkäfer durch kleine runde Ausflugslöcher ins Freie. In Mitteleuropa tritt in der Regel eine Generation pro Jahr auf; in warmen und trockenen Jahren kann sich eine teilweise zweite Generation entwickeln.&lt;br /&gt;
Die Käfer überwintern je nach Art und Standort als Larven, Puppen oder Jungkäfer im Holz. Der Hauptflug erfolgt ab dem späten Frühjahr, meist von Mai bis Juli. Nach dem Ausflug erfolgt ein kurzer Reifungsfraß an jungen Trieben und Blattstielen, bevor die Weibchen erneut Eiablagekammern anlegen.&lt;br /&gt;
Trockenheit, hohe Temperaturen und geschwächte Bäume fördern die Entwicklung der Splintholzkäfer erheblich, da die Abwehrmechanismen der Wirtspflanzen bei Wassermangel reduziert sind. In vitalen Beständen kommt es dagegen nur selten zu einer erfolgreichen Besiedlung (3)(4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Symptome===&lt;br /&gt;
Ein Befall äußert sich durch Welken einzelner Kronenteile ab Juni, Bohrmehlauswurf aus der Rinde, Harzfluss oder Gummifluss, sowie rundliche Ein- und Ausbohrlöcher (2). Unter der Rinde zeigen sich typische Fraßbilder: ein längsgerichteter Muttergang mit seitlich abzweigenden, fächerförmig verlaufenden Larvengängen.&lt;br /&gt;
Im Verlauf lösen sich Rindenpartien, das Gewebe verfärbt sich dunkelbraun, und in späteren Stadien treten sekundäre Fäulen auf. Absterbende Äste und vermehrte Stock- oder Stammaustriebe sind weitere Anzeichen eines Befalls (2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung für Streuobstwiesen===&lt;br /&gt;
In extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen kommen S. mali und S. rugulosus regelmäßig vor. Sie befallen vor allem alte Hochstämme oder Bäume, die durch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schnittmaßnahmen geschwächt wurden (5).&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft Mitteleuropas und in Österreich von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt (5). Ihr ökologischer Wert beruht auf hoher Biodiversität und Sortenvielfalt. Alte, teilweise abgestorbene Bäume bieten zahlreichen Insekten, darunter auch Splintholzkäfern, Lebensraum.&lt;br /&gt;
Ein maßvolles Gleichgewicht zwischen Erhalt wertvoller Altbäume und der Vermeidung von Käferherden ist daher wichtig. Stark befallene oder abgestorbene Bäume sollten entfernt werden, um den Befallsdruck auf den Bestand zu verringern (2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sortenanfälligkeit===&lt;br /&gt;
S&#039;&#039;colytus mali&#039;&#039; befällt hauptsächlich Apfel (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Birne (&#039;&#039;Pyrus communis&#039;&#039;) und Eberesche (&#039;&#039;Sorbus aucuparia&#039;&#039;). &#039;&#039;Scolytus rugulosus&#039;&#039; tritt häufig an Pflaume (&#039;&#039;Prunus domestica&#039;&#039;), Kirsche (&#039;&#039;P. avium&#039;&#039;, &#039;&#039;P. cerasus&#039;&#039;) und Apfel auf (2).&lt;br /&gt;
Die Anfälligkeit wird durch Baumvitalität und Rindenstruktur beeinflusst. Sorten mit glatter, rissfreier Rinde und gutem Wasserversorgungszustand zeigen eine geringere Befallswahrscheinlichkeit. In alten Streuobstsorten finden sich oft individuell robuste Genotypen, die unter Trockenstress weniger anfällig sind (5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bekämpfung und Management===&lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Der Einsatz von entomopathogenen Pilzen, insbesondere &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;, zeigte in Labor- und Feldversuchen hohe Wirksamkeit gegen verschiedene Scolytus-Arten (6). Formulierungen auf Ölbasis oder als Invert-Emulsion erreichten über 80 % Mortalität erwachsener Käfer, ohne negative Umweltwirkungen. Diese Methode gilt als vielversprechende Alternative zur chemischen Bekämpfung.&lt;br /&gt;
Auch parasitäre Nematoden und räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulation der Population bei (4).&lt;br /&gt;
====Kulturelle Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Vorbeugung durch gute Pflege ist entscheidend. Dazu zählen eine ausreichende Wasserversorgung, sachgerechter Schnitt und die Vermeidung von Rindenverletzungen. Befallenes Material sollte zeitnah aus dem Bestand entfernt und abgetrocknet oder gehäckselt werden, damit sich Larven nicht weiterentwickeln können (2).&lt;br /&gt;
Lehm-Jute-Bandagen, Stammanstriche oder mechanische Schutzeinrichtungen sind gegen Borken- und Splintholzkäfer nicht wirksam (2).&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Chemische Behandlungen werden im Streuobstbau nicht angewendet und sind aufgrund der geschützten Lebensweise der Käfer unter der Rinde meist wirkungslos. Sie widersprechen außerdem den Grundsätzen des ökologisch orientierten Obstbaus (1)(3).&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein integriertes Management kombiniert Pflegemaßnahmen, Entfernung befallener Bäume und Förderung natürlicher Gegenspieler. In Streuobstsystemen wird eine periodische Kontrolle auf Bohrmehl und Ausflugslöcher empfohlen. Durch rechtzeitige Entnahme befallener Stämme und biologische Behandlungen kann der Befall nachhaltig eingedämmt werden (2)(6).&lt;br /&gt;
Klimatische Veränderungen mit häufigeren Trockenperioden können die Bedeutung dieser Schädlinge verstärken (4). Ein präventiver, pflegeorientierter Ansatz gewinnt daher weiter an Relevanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschung und Entwicklung===&lt;br /&gt;
Die Forschung zu Borken- und Splintholzkäfern konzentrierte sich lange auf forstwirtschaftlich relevante Arten. Neuere Untersuchungen berücksichtigen zunehmend auch an Obstgehölzen auftretende &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039;-Arten. Dabei stehen die Wechselwirkungen zwischen Käfern, assoziierten Mikroorganismen und klimatischen Faktoren im Vordergrund (3)(4).&lt;br /&gt;
Biologische Kontrollstrategien, Pheromonforschung und molekulargenetische Analysen tragen zu einem besseren Verständnis der Populationsdynamik bei. In Österreich und Deutschland werden diese Erkenntnisse auch für das Management von Streuobstbeständen genutzt, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden (5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen. LELF Frankfurt (Oder).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;LELF&amp;quot;&amp;gt;Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg (2018). &#039;&#039;Merkblatt: Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; LELF Frankfurt (Oder).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen. Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lehmann&amp;quot;&amp;gt;Lehmann, M. &amp;amp; Zimmer, B. (2018). &#039;&#039;Borkenkäfer an Laubbaumpflanzungen.&#039;&#039; Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.	Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles. In: Bark Beetles, Elsevier, 495–503. doi: 10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Smith&amp;quot;&amp;gt;Smith, S. M. &amp;amp; Hulcr, J. (2015). &#039;&#039; &#039;&#039;Scolytus&#039;&#039; and other Economically Important Bark and Ambrosia Beetles.&#039;&#039; Bark Beetles, Elsevier, 495–503. [https://doi.org:10.1016/B978-0-12-417156-5.00012-5].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.	Lortkipanidze, M. et al. (2020). Role of the major ecological factors on the formation of nematode fauna. International Journal of Fauna and Biological Studies 7(2): 65–70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.	Breinesberger, J. et al. (2024). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg. ISBN 978-3-9505403-1-4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.	Batta, Y. A. (2007). Biocontrol of almond bark beetle (&#039;&#039;Scolytus amygdali&#039;&#039;) using &#039;&#039;Beauveria bassiana&#039;&#039;. Journal of Applied Microbiology 103: 1406–1414. https://doi.org/10.1111/j.1365-2672.2007.03369.x&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Marssonina&amp;diff=705</id>
		<title>Marssonina</title>
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		<updated>2025-11-28T10:08:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;, auch bekannt unter ihrer Hauptfruchtform &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039;, ist ein bedeutender Pilzpathogen des Apfels, der in den letzten Jahren verstärkt im ökologischen und extensiven Apfelanbau Mitteleuropas auftritt. Die durch ihn verursachte Blattfallkrankheit, auch als Marssonina-Blattfall bezeichnet, führt zu frühzeitigem Laubverlust und kann erhebliche Auswirkungen auf Ertrag und Fruchtqualität haben. Während der Erreger in Asien schon lange als bedeutender Schadpilz bekannt ist, wurde er in Europa erstmals um 2010 vermehrt beobachtet, besonders in der Schweiz, Österreich und Süddeutschland &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; ist die Nebenfruchtform (Anamorphe) eines Schlauchpilzes, dessen Hauptfruchtform als &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; beschrieben wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte durch Miyake im Jahr 1907. Molekulare und morphologische Studien haben zur Charakterisierung des Erregers beigetragen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lee&amp;quot;&amp;gt;Lee, D. H. et al. (2011). &#039;&#039;Biological characterization of Marssonina coronaria associated with apple blotch disease&#039;&#039;. Mycobiology 39(3): 200–205.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Taxonomische Einordnung:&lt;br /&gt;
* Reich: Fungi (Pilze)&lt;br /&gt;
* Abteilung: Ascomycota (Schlauchpilze)&lt;br /&gt;
* Klasse: Leotiomycetes&lt;br /&gt;
* Ordnung: Helotiales&lt;br /&gt;
* Familie: Dermateaceae&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Marssonina&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; (anamorph) / &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; (teleomorph).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung=== &lt;br /&gt;
Ursprünglich wurde &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; vor allem in Asien nachgewiesen, insbesondere in China, Indien, Korea und Japan, wo der Pilz als bedeutender Krankheitserreger im Apfelanbau gilt. Seit etwa 2010 wurde der Erreger auch in Europa nachgewiesen, zunächst in der Schweiz, dann auch in Österreich, Südtirol und Süddeutschland. Die Ausbreitung erfolgt primär in ökologischen oder extensiven Anlagen sowie im Streuobstanbau &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologie und Krankheitszyklus=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; überwintert im Falllaub, wo Konidien in sogenannten Acervuli gebildet werden. Diese asexuellen Sporen gelten in Europa als wichtigste primäre Infektionsquelle. Die sexuelle Form (Ascosporen in Apothezien) konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Erste Infektionen erfolgen bereits im Mai, häufig nach Regenereignissen. Die Inkubationszeit beträgt etwa 10–20 Tage, danach treten erste Symptome auf. Der Pilz durchläuft mehrere Infektionszyklen im Jahr (3).&lt;br /&gt;
Die Infektion erfolgt bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 und 25 °C. Die Ausbreitung geschieht über Spritzwasser. Die Sporulation beginnt ab Mitte April aus überwintertem Laub &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Studien zeigen, dass Konidien die Hauptinfektionsquelle darstellen, während Ascosporen in Europa keine Rolle spielen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sporenfallen zeigten eine gleichmäßige Verteilung der Konidien in verschiedenen Höhen über Laubdepots &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symptome === &lt;br /&gt;
Die ersten Symptome erscheinen ab Juni in Form von kleinen, braun-violetten bis schwarzen Blattflecken auf der Oberseite der Blätter. Diese vergrößern sich zu grauschwarzen nekrotischen Flecken mit schwarzen Fruchtkörpern (Acervuli). Die betroffenen Blätter verfärben sich gelb und fallen vorzeitig ab. Mitunter treten auch olivgrüne bis schwarze Fruchtflecken auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Eine sichere Abgrenzung zu anderen Blattfleckenerregern wie Phyllosticta gelingt über mikroskopische Merkmale &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Bedeutung für Streuobstwiesen &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind in MitteleuropaÖsterreich ein bedeutender Bestandteil der Kulturlandschaft und Biodiversität &amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie zeichnen sich durch eine extensive Bewirtschaftung und hohe Sortenvielfalt aus. Diese Bewirtschaftungsform, fast immeroft ohne regelmäßige Fungizidbehandlungen im Sommer, begünstigt das Auftreten von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;. Besonders betroffen sind schorfresistente Sorten, bei denen auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet wird. Der daraus resultierende Blattfall kann die Vitalität der Bäume langfristig beeinträchtigen, den Fruchtertrag reduzieren und die Ausbildung von Knospen im Folgejahr stören &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sortenanfälligkeit=== &lt;br /&gt;
In einer Studie wurden Isolate von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; aus verschiedenen Regionen der USA auf ihre Aggressivität und Wirtsspezifität getestet. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede in der Krankheitsintensität, die auf eine unterschiedliche Anfälligkeit der getesteten Apfelsorten hindeuten. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für Züchtungsprogramme relevant, die auf krankheitsresistente Sorten abzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management === &lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Im ökologischen Anbau kommen hauptsächlich Tonerdepräparate wie Myco-Sin und Myco-San zum Einsatz, die eine zufriedenstellende Wirkung zeigen. Ergänzend werden Netzschwefel, Kupferpräparate und Schwefelkalk eingesetzt. Kaliumbicarbonat zeigt eine schwächere Wirkung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für eine verbesserte Wirkung wird auch eine Kombination aus Tonerde- und Schwefelbehandlung empfohlen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Vorbeugende Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Zentrale Maßnahmen umfassen die Förderung des Blattabbaus nach dem Laubfall, das Entfernen von Falllaub sowie durchlüftungsfördernde Schnittmaßnahmen. Die Vermeidung dichter Baumkronen reduziert die Blattnassdauer und senkt damit das Infektionsrisiko &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen==== &lt;br /&gt;
In der integrierten Produktion werden Fungizide wie Trifloxystrobin, Difenoconazol und Captan mit guter Wirkung eingesetzt. Sie zeigen insbesondere in Kombination nach der Blüte eine hohe Wirksamkeit. Im konventionellen Anbau ist der Erreger bislang weniger problematisch, da er durch andere Behandlungen miterfasst wird &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein kombinierter Einsatz von biologischen, kulturellen vorbeugenden und chemischen Maßnahmen verspricht den höchsten Bekämpfungserfolg. Besonders wichtig ist die Behandlung ab Auftreten der ersten Symptome, da bereits das Auslassen einzelner Spritzungen den Befall deutlich erhöhen kann &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung=== &lt;br /&gt;
Neuere molekulargenetische Studien zeigen, dass europäische Populationen von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; eine geringe genetische Diversität aufweisen, was auf eine vergleichsweise junge Einführung oder Ausbreitung hinweist &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gleichzeitig bestehen deutliche genetische Unterschiede zu asiatischen Populationen. Die Entwicklung von SSR-Markern erlaubt dabei eine genauere Analyse der Populationsstruktur und unterstützt künftige Resistenzzüchtungsprogramme &amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Marssonina&amp;diff=704</id>
		<title>Marssonina</title>
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		<updated>2025-11-28T10:04:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Krutzler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;, auch bekannt unter ihrer Hauptfruchtform &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039;, ist ein bedeutender Pilzpathogen des Apfels, der in den letzten Jahren verstärkt im ökologischen und extensiven Apfelanbau Mitteleuropas auftritt. Die durch ihn verursachte Blattfallkrankheit, auch als Marssonina-Blattfall bezeichnet, führt zu frühzeitigem Laubverlust und kann erhebliche Auswirkungen auf Ertrag und Fruchtqualität haben. Während der Erreger in Asien schon lange als bedeutender Schadpilz bekannt ist, wurde er in Europa erstmals um 2010 vermehrt beobachtet, besonders in der Schweiz, Österreich und Süddeutschland &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Taxonomie / Systematik=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; ist die Nebenfruchtform (Anamorphe) eines Schlauchpilzes, dessen Hauptfruchtform als &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; beschrieben wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte durch Miyake im Jahr 1907. Molekulare und morphologische Studien haben zur Charakterisierung des Erregers beigetragen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Lee&amp;quot;&amp;gt;Lee, D. H. et al. (2011). &#039;&#039;Biological characterization of Marssonina coronaria associated with apple blotch disease&#039;&#039;. Mycobiology 39(3): 200–205.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Taxonomische Einordnung:&lt;br /&gt;
* Reich: Fungi (Pilze)&lt;br /&gt;
* Abteilung: Ascomycota (Schlauchpilze)&lt;br /&gt;
* Klasse: Leotiomycetes&lt;br /&gt;
* Ordnung: Helotiales&lt;br /&gt;
* Familie: Dermateaceae&lt;br /&gt;
* Gattung: &#039;&#039;Marssonina&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Art: &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; (anamorph) / &#039;&#039;Diplocarpon mali&#039;&#039; (teleomorph).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbreitung=== &lt;br /&gt;
Ursprünglich wurde &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; vor allem in Asien nachgewiesen, insbesondere in China, Indien, Korea und Japan, wo der Pilz als bedeutender Krankheitserreger im Apfelanbau gilt. Seit etwa 2010 wurde der Erreger auch in Europa nachgewiesen, zunächst in der Schweiz, dann auch in Österreich, Südtirol und Süddeutschland. Die Ausbreitung erfolgt primär in ökologischen oder extensiven Anlagen sowie im Streuobstanbau &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologie und Krankheitszyklus=== &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; überwintert im Falllaub, wo Konidien in sogenannten Acervuli gebildet werden. Diese asexuellen Sporen gelten in Europa als wichtigste primäre Infektionsquelle. Die sexuelle Form (Ascosporen in Apothezien) konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Erste Infektionen erfolgen bereits im Mai, häufig nach Regenereignissen. Die Inkubationszeit beträgt etwa 10–20 Tage, danach treten erste Symptome auf. Der Pilz durchläuft mehrere Infektionszyklen im Jahr (3).&lt;br /&gt;
Die Infektion erfolgt bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 und 25 °C. Die Ausbreitung geschieht über Spritzwasser. Die Sporulation beginnt ab Mitte April aus überwintertem Laub &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Studien zeigen, dass Konidien die Hauptinfektionsquelle darstellen, während Ascosporen in Europa keine Rolle spielen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates.&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sporenfallen zeigten eine gleichmäßige Verteilung der Konidien in verschiedenen Höhen über Laubdepots &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates.&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symptome === &lt;br /&gt;
Die ersten Symptome erscheinen ab Juni in Form von kleinen, braun-violetten bis schwarzen Blattflecken auf der Oberseite der Blätter. Diese vergrößern sich zu grauschwarzen nekrotischen Flecken mit schwarzen Fruchtkörpern (Acervuli). Die betroffenen Blätter verfärben sich gelb und fallen vorzeitig ab. Mitunter treten auch olivgrüne bis schwarze Fruchtflecken auf &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Eine sichere Abgrenzung zu anderen Blattfleckenerregern wie Phyllosticta gelingt über mikroskopische Merkmale &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Bedeutung für Streuobstwiesen &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind in MitteleuropaÖsterreich ein bedeutender Bestandteil der Kulturlandschaft und Biodiversität &amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie zeichnen sich durch eine extensive Bewirtschaftung und hohe Sortenvielfalt aus. Diese Bewirtschaftungsform, fast immeroft ohne regelmäßige Fungizidbehandlungen im Sommer, begünstigt das Auftreten von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039;. Besonders betroffen sind schorfresistente Sorten, bei denen auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet wird. Der daraus resultierende Blattfall kann die Vitalität der Bäume langfristig beeinträchtigen, den Fruchtertrag reduzieren und die Ausbildung von Knospen im Folgejahr stören &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Unesco&amp;quot;&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission (2010). &#039;&#039;Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe.&#039;&#039;. Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sortenanfälligkeit=== &lt;br /&gt;
In einer Studie wurden Isolate von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; aus verschiedenen Regionen der USA auf ihre Aggressivität und Wirtsspezifität getestet. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede in der Krankheitsintensität, die auf eine unterschiedliche Anfälligkeit der getesteten Apfelsorten hindeuten. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für Züchtungsprogramme relevant, die auf krankheitsresistente Sorten abzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bekämpfung und Management === &lt;br /&gt;
====Biologische Maßnahmen ==== &lt;br /&gt;
Im ökologischen Anbau kommen hauptsächlich Tonerdepräparate wie Myco-Sin und Myco-San zum Einsatz, die eine zufriedenstellende Wirkung zeigen. Ergänzend werden Netzschwefel, Kupferpräparate und Schwefelkalk eingesetzt. Kaliumbicarbonat zeigt eine schwächere Wirkung &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Für eine verbesserte Wirkung wird auch eine Kombination aus Tonerde- und Schwefelbehandlung empfohlen &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Kulturelle Vorbeugende Maßnahmen====&lt;br /&gt;
Zentrale Maßnahmen umfassen die Förderung des Blattabbaus nach dem Laubfall, das Entfernen von Falllaub sowie durchlüftungsfördernde Schnittmaßnahmen. Die Vermeidung dichter Baumkronen reduziert die Blattnassdauer und senkt damit das Infektionsrisiko &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Chemische Maßnahmen==== &lt;br /&gt;
In der integrierten Produktion werden Fungizide wie Trifloxystrobin, Difenoconazol und Captan mit guter Wirkung eingesetzt. Sie zeigen insbesondere in Kombination nach der Blüte eine hohe Wirksamkeit. Im konventionellen Anbau ist der Erreger bislang weniger problematisch, da er durch andere Behandlungen miterfasst wird &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2013). &#039;&#039;Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit&#039;&#039;. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 16(13): 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
====Integrierte Strategien====&lt;br /&gt;
Ein kombinierter Einsatz von biologischen, kulturellen vorbeugenden und chemischen Maßnahmen verspricht den höchsten Bekämpfungserfolg. Besonders wichtig ist die Behandlung ab Auftreten der ersten Symptome, da bereits das Auslassen einzelner Spritzungen den Befall deutlich erhöhen kann &amp;lt;ref name=&amp;quot;Naef2&amp;quot;&amp;gt;Naef, A. et al. (2019). &#039;&#039;Neueste Erkenntnisse zur Blattfallkrankheit&#039;&#039;. Öko-Obstbau 3: 8–11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschung und Entwicklung=== &lt;br /&gt;
Neuere molekulargenetische Studien zeigen, dass europäische Populationen von &#039;&#039;Marssonina coronaria&#039;&#039; eine geringe genetische Diversität aufweisen, was auf eine vergleichsweise junge Einführung oder Ausbreitung hinweist &amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberhänsli&amp;quot;&amp;gt;Oberhänsli, T. et al. (2021). &#039;&#039;Multiplexed SSR marker analysis of Diplocarpon coronariae reveals clonality within samples from Middle Europe and genetic distance from Asian and North American isolates.&#039;&#039;. CABI Agriculture and Bioscience 2:21. [https://doi.org/10.1186/s43170-021-00039-6].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gleichzeitig bestehen deutliche genetische Unterschiede zu asiatischen Populationen. Die Entwicklung von SSR-Markern erlaubt dabei eine genauere Analyse der Populationsstruktur und unterstützt künftige Resistenzzüchtungsprogramme &amp;lt;ref name=&amp;quot;Khodadadi&amp;quot;&amp;gt;Khodadadi, F. et al. (2022) &#039;&#039;Characterizations of an emerging disease: Apple blotch caused by Diplocarpon coronariae (syn. Marssonina coronaria) in the Mid-Atlantic United States.&#039;&#039;. Plant Disease 106(6): 1803–1817.[https://doi.org/10.1094/PDIS-11-21-2557-RE].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelnachweise===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Krutzler</name></author>
	</entry>
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