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	<title>streuobst-wiki.eu - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-24T13:53:33Z</updated>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Auswirkungen_des_Klimawandels_auf_Streuobstwiesen&amp;diff=904</id>
		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T17:01:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Rindenbrand kompr Holler.jpg|thumb|upright=0.5|right|Rindenbrand an einem Apfelbaum. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Herbstblüte Holler.jpg|thumb|upright=1.0|right|Apfelblüte und Früchte zur gleichen Zeit im Herbst. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Datei:Herbstbl%C3%BCte_Holler.jpg&amp;diff=903</id>
		<title>Datei:Herbstblüte Holler.jpg</title>
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		<updated>2025-12-04T16:59:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: Apfelblüte und Früchte im Herbst zur gleichen Zeit. Quelle: Christian Holler&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Apfelblüte und Früchte im Herbst zur gleichen Zeit. Quelle: Christian Holler&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Auswirkungen_des_Klimawandels_auf_Streuobstwiesen&amp;diff=902</id>
		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T16:54:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Rindenbrand kompr Holler.jpg|thumb|upright=0.5|right|Rindenbrand an einem Apfelbaum. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
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		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Auswirkungen_des_Klimawandels_auf_Streuobstwiesen&amp;diff=901</id>
		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T16:54:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Rindenbrand kompr Holler.jpg|thumb|upright=0.5|right|Rindenbrand an einem Apfelbaum. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
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		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T16:53:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Rindenbrand kompr Holler.jpg|thumb|upright=0.5|right|Rindenbrand an einem Apfelbaum. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
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		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T16:51:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
[[Datei: Rindenbrand kompr Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Rindenbrand an einem Apfelbaum. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
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		<title>Auswirkungen des Klimawandels auf Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T16:49:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa === &lt;br /&gt;
Das Klima ändert sich immer rascher durch menschliche Einflüsse, insbesondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt, wobei viele Monate im Jahr historische Höchstwerte erreichen. &lt;br /&gt;
[[Datei: Durchschnittstemp. historische Entwicklung Huppmann et al 2025.jpg |thumb|upright=2&lt;br /&gt;
|right|Historische Entwicklung der jährlichen Durchschnittstemperatur - globaler Mittelwert und Österreich. Quelle: Huppmann et al. 2025.]]Im Vergleich zur vorindustriellen Periode (1850 bis 1900), hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 °C erhöht, in Österreich betrug diese Temperaturzunahme im Mittel jedoch bereits 3,1 °C [8]. Diese klimabedingte Temperaturerhöhung führt zu vielfältigen Folgen. So steigt die Verdunstung von Wasser aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen (sog. Evapotranspiration) durch eine Erhöhung der Temperaturen. In Mitteleuropa erhöhte sich die Evapotranspiration von 1960 bis 2010 beispielsweise um 5 bis 15 % bei gleichbleibenden oder abnehmenden Niederschlägen, wobei die diesbezüglichen regionalen Muster sehr unterschiedlich sind.&lt;br /&gt;
Die absolute Niederschlagsmenge bleibt in Mitteleuropa vielerorts gleich, jedoch sind Niederschläge zunehmend ungleichmäßig verteilt. Während das Frühjahr und der Sommer trockener werden, gibt es feuchtere Winter aber mit weniger Schnee. Generell fallen Niederschläge lokal sehr unterschiedlich und nicht mehr langfristig vorhersehbar.  &lt;br /&gt;
In Mitteleuropa werden die Sommer immer heißer und trockener. Insbesondere die Anzahl von Hitzetagen im Jahr mit Temperaturen über 30°C oder gar 40°C nimmt zu, was für Menschen, Tiere und Pflanzen eine enorme Belastung bedeutet. Es kommt zu langen Trocken- oder Dürreperioden, das für Pflanzen verfügbare Wasser wird weniger. [2,9].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klimaszenarien ===&lt;br /&gt;
Im „Pariser Abkommen“ setzten sich die Staaten das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf &amp;quot;deutlich unter 2 °C“ zu begrenzen und Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C zu unternehmen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mahnt, dass die globale Erwärmung von 1,5 Grad schon im nächsten Jahrzehnt überschritten werden könnte und die aktuellen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichend sind, um das zu verhindern. UNEP prognostiziert eine Erderwärmung von 2,8 Grad im Laufe des Jahrhunderts, sollten die Staaten ihre aktuelle Politik fortsetzen. Würden die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne vollständig erfüllen, läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad [15].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels=== &lt;br /&gt;
====Schäden durch mangelnde Wasserversorgung====&lt;br /&gt;
Auch tiefere Bodenschichten trocknen zunehmend aus und stehen den Obstbäumen nicht mehr für die Wasserversorgung zur Verfügung. Es kommt zu Trockenstress bei den Bäumen oder gar zum Absterben durch Austrocknung. Lange Trockenperioden werden teilweise von kurzen und heftigen Starkregenereignissen unterbrochen, wodurch, in Kombination mit den ausgetrockneten und meist verdichteten, humusarmen Böden, das Erosionsrisiko steigt und Niederschläge oberflächlich abfließen und nicht optimal von den Obstbäumen genutzt werden können.&lt;br /&gt;
[[Datei:KarteUFZ.jpg|thumb|UFZ-Dürremonitor Deutschland mit Gesamtboden. Stand: 27. Juni 2023. Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch erhöhte Sonneneinstrahlung====&lt;br /&gt;
Hohe Sommertemperaturen in Verbindung mit erhöhter Sonneneinstrahlung, können an Streuobst zu Schäden wie Sonnenbrand, Schalenbräune und Glasigkeit führen.&lt;br /&gt;
[[Datei: Sonnebrand Apfel Frucht Holler.jpg|thumb|upright=1.5|right|Sonnenbrand an einem Apfel (Kronprinz Rudolf). c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch vermehrten Hagel====&lt;br /&gt;
Der Klimawandel verstärkt regional das Auftreten von Hagel bzw. die schwerere der Ereignisse. Bei leichtem Hagel bleibt das Obst im Inneren des Kronenbereiches schadenfrei. Kommt es jedoch zu stärkeren Hagelereignissen, kann nicht nur das gesamte Obst am Baum Schaden davontragen, sondern es können auch Wunden an der Baumrinde entstehen. Dadurch können Infektionen durch Pilze und Viren in das Holz gelangen und den Baum nachhaltig schädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch zunehmenden Wind und Sturm====&lt;br /&gt;
Durch die veränderten klimatischen Bedingungen ist regional mit zunehmenden Wind- und Sturmereignissen zu rechnen, die zu Astbruch, zum Brechen des Stammes oder gar zur Entwurzelung des Baumes führen können. Durch Sturmschäden verursachte Wunden am Baum stellen wiederum Eintrittspforten für Krankheiten dar und schwächen den Baum zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schäden durch vermehrt auftretende „Schädlinge“====&lt;br /&gt;
Durch den Klimawandel verbesserte Lebensbedingungen mit längeren Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen für heimische oder invasive „Schaderreger“ setzen den Bäumen zusätzlich zu. So durchlaufen z. B. „Schädlinge“ wie der [[Apfelwickler]] in vielen Teilen Mitteleuropas nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten nur zwei, sondern nun drei Reproduktionszyklen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schäden durch die Verschiebung der Jahreszeiten====&lt;br /&gt;
Eine früher Vegetationsbeginn bedingt einen verfrühten Austrieb und Blühbeginn. Z.B. setzt die Blüte beim Apfel heute um zwei bis drei Wochen früher ein als in den 1960er Jahren. Durch Kälteeinbrüche in dieser verfrühte Blühphase, nehmen Schäden durch Blütenfrost zu. Die Obsternte bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, setzt früher ein, dies erfordert eine raschere Verarbeitung, einen höheren Bedarf an Kühllagerkapazität und zusätzlichen logistischen Aufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere Schäden====&lt;br /&gt;
Dauerhafte Nässe durch Starkniederschläge und fehlende Frostgare (feinkörnige und lockere Bodenstruktur durch Frosteinwirkung) wirken sich negativ auf die Wurzelatmung und -aktivität aus. Zu feuchte und schwüle Witterung im Sommer begünstigt Holz- und Rindenkrankheiten. Hohe Niederschläge können zu leichten Hangbewegungen führen und damit Bäume in Schieflage bringen. Hangrutschungen und Muren in Folge von Extremereignissen, können Obstbaumbestände vernichten. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chancen durch die Auswirkungen des Klimawandels===&lt;br /&gt;
====Chancen durch längere Vegetationsperiode====&lt;br /&gt;
Die Vegetationsperiode war und ist in Mitteleuropa der limitierende Faktor für den Anbau wärmeliebender Obstarten und spätreifender Sorten. Die steigenden Temperaturen und dadurch bedingte längere Vegetationsperioden, verschieben die Anbaumöglichkeiten für wärmebedürftige Obstarten in den Norden und in höhere Lagen. So wird z. B. der Anbau von (Tafel)trauben, Aprikosen und Pfirsichen voraussichtlich künftig auch in Norddeutschland möglich sein und auch in den Alpen können diese Obstarten in zunehmend höheren Lagen erfolgreich kultiviert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Chancen durch mildere Winter====&lt;br /&gt;
Durch die milderen Winter ergeben sich neue Chancen für Obsarten wie z.B. Mandel, Maulbeere, Kaki und Feige, zumindest für Sorten die auch mit tieferen Temperaturen zurechtkommen. Der limitierende Faktor ist hierbei, dass trotz insgesamt milderer Winter weiterhin die Gefahr von singulären Frostereignissen sowie von Spätfrösten besteht. Quellen: [4,12,13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsbedarf===&lt;br /&gt;
Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, wie sich der Klimawandel auf die Streuobstwiesen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sortenresistenz &amp;amp; Klimaresilienz====&lt;br /&gt;
* Welche Obstarten und -sorten sowie deren Unterlagen sind besonders trockenheits- oder hitzetolerant?&lt;br /&gt;
* Wie reagieren verschiedene Arten und Sorten auf häufigere Wetterextreme ([[Strategien für die Auswahl von Obstsorten angesichts des Klimawandels|Spätfrost]], Hitzeperioden, Starkregen)?&lt;br /&gt;
* Gibt es mediterrane Obstarten und -sorten, die sich für mittel- und nordeuroropäische Regionen eignen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Boden, Wasserhaushalt &amp;amp; Baumgesundheit====&lt;br /&gt;
* Wie verändern sich Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffverfügbarkeit bei zunehmender Trockenheit?&lt;br /&gt;
* Welche Bodenpflegemaßnahmen helfen langfristig am besten?&lt;br /&gt;
* Wie beeinflusst Trockenstress Wurzelentwicklung, Fruchtbildung und Alterungsprozesse?&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist praxisnahe Forschung zu angepasstem Boden- und Wassermanagement ist nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schädlings- &amp;amp; Krankheitsdruck im Wandel====&lt;br /&gt;
* Welche neuen Schädlinge oder Krankheiten werden aufgrund steigender Temperaturen begünstigt?&lt;br /&gt;
* Wie verschieben sich Populationsdynamiken (z. B. Apfelwickler, Kirschessigfliege)?&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Wechselwirkung mit Nützlingen?&lt;br /&gt;
Hier bedarf es Monitoring-Programme und Prognosemodelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf Biodiversität====&lt;br /&gt;
* Wie verändert sich die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw.?&lt;br /&gt;
* Welche Strukturen (z. B. Totholz, Blühflächen) wirken dem Biodiversitätsverlust am besten entgegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Auswirkungen auf die Kulturführung====&lt;br /&gt;
* Müssen Pflanzung, Baumschnitt und Unterwuchspflege angepasst werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ökonomische &amp;amp; gesellschaftliche Aspekte====&lt;br /&gt;
* Wie wirkt sich der Klimawandel auf Erträge, Qualität und Vermarktung aus?&lt;br /&gt;
* Welche Anpassungsstrategien lohnen sich wirtschaftlich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perspektiven für den Streuobstanbau in Österreich ===&lt;br /&gt;
Die Herausforderungen aber auch mögliche Chancen, die sich durch den Klimawandel für den Obstbau ergeben, hängen stark vom Ausgangszustand ab – also von den regionalen und örtlichen naturräumlichen Bedingungen. Unter diesen hat sich der Streuobstbau historisch entwickelt und zeigt daher auch aktuell regional unterschiedliche Ausprägungen [7]. Auf Grund der großen naturräumlichen Vielfalt in Österreich auf relativ kleinem Raum, maßgeblich geprägt durch die unterschiedliche Lagebeziehung zu den Alpen, sind auch die obstbaulichen Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich. Streuobstbestände finden sich vom pannonischen Flachland bis ins alpine Bergland, in Höhenlagen zwischen ca. 150 m und 1.400 m, bei Niederschlägen von ca. 500 mm bis 1.800 mm pro Jahr und mittleren Jahrestemperatur von ca. 5 °C bis 12 °C [1]. Die vergleichende Analyse der klimatischen Entwicklung in unterschiedlichen österreichischen Streuobstregionen ist daher besonders geeignet, um die Bandbreite der Herausforderungen und Chancen für den Streuobstbau darzustellen. Die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen bestimmen dabei maßgeblich die Zukunftsperspektive [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaszenarien für Modellregionen ==== &lt;br /&gt;
Von Holler et al. (2024) wurden für drei österreichische Modellregionen Auswertungen obstbaurelevanter Klimadaten durchgeführt und mögliche Auswirkungen auf den Streuobstbau analysiert. Bearbeitet wurden die Regionen Amstetten Süd als südwestlichster Teil des niederösterreichischen Mostviertels, der steirische Naturpark Pöllauer Tal der an das oststeirische Tafelobstanbaugebiet angrenzt und der Salzburger Lungau. &lt;br /&gt;
Im Raum südlich von Amstetten und im Pöllauer Tal spielt Streuobst historisch und aktuell eine große Rolle. Beim Lungau handelt es sich um ein inneralpines Hochtal, in dem der Obstanbau bisher an seine klimatischen Grenzen stößt und der Streuobstbau daher eine geringere Bedeutung hat. Dennoch sind hier Obstbäume bis in eine Höhe von knapp über 1.400 m zu finden.&lt;br /&gt;
[[Datei: Modellregionen Amstetten Pöllau Lungau.png|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right| Die drei Modellregionen. Amstetten-Süd liegt im niederösterreichischen Mostviertel, Pöllautaul in der Oststeiermark und Lungau ist ein inneralpines Hochtal in Salzburg. KLAR (Klimawandel-Anpassungsmodellregion); KEM (Klima- und Energie-Modellregion) Quelle: Holler, Ch. 2024]]&lt;br /&gt;
In die Untersuchung wurden Klimadaten der Perioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie Klimaszenarien für eine durchschnittliche globale Erwärmung von +2 °C und +3 °C (global warming level +2 °C bzw. +3 °C) einbezogen. Der Begriff „global warming level“ (abgekürzt gwl) bezeichnet die globale Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau von ca. 1850-1900 (das 1,5-Grad-Ziel des „Pariser Abkommens“ entspricht gwl +1,5 °C).&lt;br /&gt;
Die Auswertung der Datensätze erfolgte für jede der drei Regionen differenziert nach Höhenstufen. Die Ergebnisse für die repräsentativen Modellregionen zeigen die Bandbreite der unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen für den Streuobstanbau in Österreich durch den Klimawandel [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Klimaentwicklung und die Folgen für den Obstbau ==== &lt;br /&gt;
Der Vergleich der Perioden 1961-90 und 1991-20 zeigt in allen drei Regionen bereits eingetretene deutliche klimatische Veränderungen. Mit fortschreitendem Klimawandel, der mit den Szenarien gwl +2 °C und gwl +3 °C abgebildet wird, werden sich diese Entwicklungen fortsetzen. &lt;br /&gt;
Charakteristisch für alle Höhenlangen sind deutlich wärmere Sommer und Winter, längere Vegetationsperioden und ein früherer Vegetationsbeginn. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich, dass der Streuobstbau in Lagen, die bisher besonders günstige klimatische Bedingungen für den Obstbau aufwiesen, durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät und sich diese Entwicklung beim Szenario gwl +2 °C noch verschärfen wird. Klimatische Verhältnisse, wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellen in diesen Lagen die Fortführung des Streuobstanbaus in der traditionellen Form in Frage, massive Änderungen der Kulturform könnten hier notwendig werden. &lt;br /&gt;
Lagen bzw. Regionen, die bisher nur bedingt für den Streuobstanbau geeignet waren, dürften hingegen vom Klimawandel profitieren, sofern die Erwärmung auf unter +2 °C begrenzt bleibt. Bei einer globalen Erwärmung von +3 °C dürften sich die günstigen Entwicklungen in diesen Regionen zum Teil verstärken, gleichzeitig ist aber auch mit einer weiteren Zunahme von Extremereignissen (Hitze, Dürre, Starkregen, Gewitter, Hagel) und Folgeerscheinungen, (z.B. Muren, Hangrutschungen) zu rechnen. Die damit verbundenen Risiken und Unsicherheiten für die Obstproduktion sind erheblich und relativieren die klimawandelbedingten Chancen deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strenge Winterfröste werden für die traditionellen Obstarten des Streuobstanbaus in Zukunft kein limitierender Faktor mehr sein. Die Anzahl der monatlichen Tage mit Spätfrösten im Frühling wird zwar abnehmen, aber durch den gleichzeitigen früheren Vegetationsbeginn bleibt die Gefahr der dadurch verursachten Schäden bestehen und wird voraussichtlich zunehmen [17].&lt;br /&gt;
Die mangelnde Wasserverfügbarkeit im Sommer wird insbesondere in den tieferen Lagen ein zunehmendes Problem darstellen. Diese Entwicklung kann durch die Bodenverhältnisse (seichtgründig, durchlässig) zusätzlich verschärft werden. Es ist zu erwarten, dass sommerlicher Hitze- und Trockenstress in allen Höhenlagen zunimmt. Die tieferen Lagen werden davon besonders betroffen sein.&lt;br /&gt;
Das für den Obstbau günstige Klima verschiebt sich zunehmend in deutlich höhere Lagen, weshalb eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf höhere Lagen aus regionaler Sicht eine mögliche Strategie darstellt. Die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen für den Obstanbau wird noch wichtiger als in der Vergangenheit [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zukunftsperspektiven für den Streuobstbau nur mit Klimaschutz ==== &lt;br /&gt;
Auch aus Sicht des Streuobstbaus muss ein Fokus auf einem aktiven Klimaschutz liegen, mit dem Ziel, die globale Erwärmung zumindest auf unter +2 °C zu begrenzen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, gibt es auch eine Zukunftsperspektive für den Streuobstbau in Österreich. Szenarien mit einer Erwärmung von mehr als +2 °C sind in jedem Fall mit größeren Unsicherheiten behaftet, da dann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Kipppunkte zu völlig anderen bzw. noch extremeren Entwicklungen führen und gezielte Anpassungen kaum möglich sind. Ein Eintreten von klimatischen Verhältnissen wie sie sich beim Szenario gwl +3 °C abzeichnen, stellt die Weiterführung des Streuobstanbaus in seiner traditionellen Form, insbesondere in den tieferen Lagen, in Frage. „Anpassungsmaßnahmen“ werden dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend sein, massive Änderungen der Kulturform könnten notwendig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit Ressourcen schonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Empfehlungen ====&lt;br /&gt;
Die Klimawandel bedingten Herausforderungen im regionalen Streuobstanbau, werden nur mit massiven Anpassungsmaßnahmen zu bewältigen sein. Trotzdem wird hierbei voraussichtlich bei erhöhtem Aufwand in der Kulturführung eine erhöhte Ertragsunsicherheit verbleiben. Eine künftige streuobstbauliche Fokussierung auf die vorhandenen höheren Lagen, bzw. ein Ausweichen mit dem Streuobstanbau in diese Lagen, stellt dabei aus regionaler Sicht eine sinnvolle Strategie dar. Einzelbetrieblich wird dies aber nur in Ausnahmefällen möglich sein, da Alternativflächen in höheren Lagen nicht beliebig verfügbar sind. Im Einzelnen wird die Beachtung der kleinräumigen Standortvoraussetzungen (Boden, Kleinklima) für den Obstanbau daher noch wichtiger als in der Vergangenheit. Deren aktive Beeinflussung ist nur beschränkt möglich, dazu finden sich u.a. relevante Ansätze bei Agroforst und Permakultur [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maßgeschneiderte Anpassungsmaßnahmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Herausforderungen des Klimawandels kann nur mit regional, lokal und individuell angepassten Konzepten für den Streuobstanbau begegnet werden. Regionalität bedeutet, dass sich die Konzepte auf die regional zu erwartenden Klimaänderungen beziehen, die aus Klimamodellen und -szenarien abgeleitet werden. Auf lokaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, die auf die kleinräumigen Standortbedingungen zugeschnitten sind. Individuelle Konzepte müssen auf die betrieblichen bzw. persönlichen Verhältnisse und Ziele der StreuobstanbauerInnen zugeschnitten sein [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Auswahl und Pflanzung von Obstbäumen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erfolgsfaktoren Christian Holler.png|thumb|upright=1.5|right| Erfolgsfaktoren für die Neuanlage von Streuobstbeständen in Zeiten des Klimawandels. Quelle: Holler, Ch., 2025b]]&lt;br /&gt;
Eine vielfältige Bepflanzung mit unterschiedlichen Obstarten und -sorten fördert das ökologische Gleichgewicht und unterstützt die Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen. Dies trägt nicht nur zur Resilienz bei, sondern erhöht durch die Diversifizierung der Einkommensquellen auch die wirtschaftliche Stabilität. Betriebswirtschaftliche Aspekte sind für eine nachhaltige Bewirtschaftung von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. &lt;br /&gt;
Die Neupflanzung von Obstbäumen in Zeiten des Klimawandels erfordert besondere Überlegungen, um deren Gesundheit und Produktivität langfristig zu sichern. Nur vitale Bäume mit regelmäßigen Erträgen erhalten die nötige „Wertschätzung“ und Pflege, um Früchte und Ökosystemleistungen zu erbringen. Der Schnittpflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Obstbaumpflanzaktionen sind ein wichtiger Hebel, um klimaangepasste und langlebige Obstbäume in die Landschaft und Gärten zu bringen. Erfolgsfaktoren sind hierbei ein die Aktion steuerndes Management, qualitativ hochwertiges Pflanzgut und eine obstbaufachliche Begleitung [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aktives Handeln und Nachjustieren von Anbaustrategien&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Implementierung zeitgemäßer Anpassungsstrategien erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen, Obstbäuerinnen und -bauern sowie politischen EntscheidungsträgerInnen.&lt;br /&gt;
Das vorhandene Potenzial an Obstarten, -unterlagen und -sorten muss auf breiter Basis gesichtet, genutzt und durch Züchtung und Selektion an die Bedürfnisse des Streuobstanbaus angepasst werden. Diese langfristige Aufgabe bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und Finanzierung. Proaktives Handeln und eine kontinuierliche Entwicklung und Überprüfung von Anbaustrategien sind notwendig, damit der Streuobstbau auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landwirtschaft und Träger der ökologischen Vielfalt bleiben kann [5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resilienz und Vielfalt als Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Streuobstanbaus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunftsperspektive einer Landnutzungsform ist deren Resilienz von besonderer Bedeutung, d.h. wie flexibel ist ein Nutzungssystem und welches Potential trägt es in sich, um sich an verändernde Umweltbedingungen anpassen zu können? Diesbezüglich hat der Streuobstbau mit seiner großen Vielfalt (insbesondere mit der Obstarten- und Obstsortenvielfalt) und seinen robusten Baumformen sehr günstige Eigenschaften [10]. Weiters sind als klimarelevante Vorteile des Streuobstbaues der niedrige CO2-Fußabdruck auf Grund des geringen Energie- und Betriebsmitteleinsatzes bei der Produktion sowie auf Grund der Regionalität der Produktion ohne großen Transportaufwand zu nennen. Großkronige langlebige Obstbäume sind auch als CO2 Speicher von Bedeutung [16]. Der gegenüber dem Plantagenobstbau (mit Bewässerung und Frostschutzberegnung) deutlich geringere Wasserverbrauch im Streuobstanbau ist ebenso ein erheblicher Vorteil angesichts sich verändernder Verfügbarkeit von Wasserressourcen. Großkronige Obstbäume tragen zur Verbesserung des Kleinklimas (Schattenwirkung, Windbremse, Temperaturminderung durch Verdunstung) und zum Humusaufbau bei. Zudem bieten sie einen wirksamen Erosionsschutz bei Starkregenereignissen [11, 14]. &lt;br /&gt;
Die regionale Produktion mit ressourcenschonenden Bewirtschaftungsmethoden, wie dies der Streuobstanbau ist, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Streuobstbau ist eine der Tradition verbundene, nachhaltige und damit zeitgemäße und auch zukunftsfähige Form des Obstbaues. Die Bemühungen für die Erhaltung, Förderung und Inwertsetzung dieser besonderen Kulturform sind auch angesichts der Zukunftsherausforderungen gerechtfertigt und notwendig [7].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vielfalt an Ansätzen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es müssen verschiedene Konzepte parallel verfolgt werden und im konstruktiven Miteinander der Streuobst-AkteurInnen auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Dabei gilt es auch die traditionellen Methoden und Ausformungen des Streuobstbaus im Hinblick auf ihre weitere Tauglichkeit zu hinterfragen. Die tatsächlichen Erfolge sowie Vor- und Nachteile unterschiedlicher Entwicklungsansätze für diese langlebige Kulturform werden erst über die Jahre und Jahrzehnte sichtbar werden. Heute nur eine bestimmte Strategie als „die Lösung“ für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau zu propagieren, wäre ein falscher Ansatz [7].&lt;br /&gt;
Angesichts der Herausforderungen entwickelte sich in den letzten Jahren eine plurale Forschungslandschaft zu sozio-ökonomischen und ökologischen Aspekten im Streuobstbau. Die Schwerpunkte liegen auf klimaangepassten Sorten in Kombination mit Standorteignungen, klimaresilienten Bewirtschaftungssystemen und alternativen Baumarten, Eindämmung von potentiellen Schaderregern sowie auf Vermarktungsstrategien im Streuobstbau [10].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einzelnachweise====&lt;br /&gt;
[1] Breinesberger, J., Holler, C., Bernkopf, S., Engelmeier, M., Silhavy-Richter, K., Hinterbichler, E., &amp;amp; Silber, R. (2024). Streuobstanbau in Österreich: Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich. https://arge.level-r.at/assets/Streuobstanbau-in-%C3%96sterreich_Immaterielles-Kulturerbe_END.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Chimani, B., Heinrich, G., Hofstätter, M., Kerschbaumer, M., Kienberger, S., Leuprecht, A., Lexer, A., Peßenteiner, S., Poetsch, M. S., Salzmann, M., Spiekermann, R., Switanek, M., &amp;amp; Truhetz, H. (2015). [https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/anpassungsstrategie/publikationen/oeks15.html ÖKS15—Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse]. (BMLFUW, Hrsg.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[3]	Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., ... &amp;amp; Zeng, J. (2025). Global carbon budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Göding, H. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf den Streuobstanbau. – Jahresheft des Pomologen-Vereins e. V.: S. 31-37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Holler, Ch.; Spornberger, A.; Engelmeier, M.; B. Kajtna (2024): [https://startclim.at/fileadmin/user_upload/StartClim2023/StCl23.H_Final.pdf Perspektiven für den Streuobstanbau im Klimawandel]. Endbericht von StartClim2023.H in StartClim2023: Biodiversität, Klimakippeffekte und sozioökonomische Klimaindikatoren, Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Holler, C. (2025, 24. April). Herausforderung für den Streuobstanbau durch den Klimawandel: Forschungsergebnisse für ausgewählte österreichische Streuobstregionen und Schlussfolgerungen [Vortrag]. Streuobstzentrum Burgauberg-Neudauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Holler, C. (2025b): Streuobstwiesen im Klimawandel. Herausforderungen für einen besonderen Lebensraum - In: Natur und Umwelt im Pannonischen Raum.- 35. Jahrgang, Ausgabe 3/2025. Hrsgb.: Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane. Eisenstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]	Huppmann, D., Keiler, M., Riahi, K., Rieder, H. &amp;amp; weitere Mitwirkende (2025). Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (SPM). In: D. Huppmann, M. Keiler, K. Riahi &amp;amp; H. Rieder (Hrsg.), Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Austrian Academy of Sciences Press. https://doi.org/10.1553/aar2-spm-de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., &amp;amp; Erb, K. (Hrsg.). (2024). [https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0 Landnutzung und Klimawandel in Österreich]. APCC Spezial-Report. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Maringer, J., Radtke, M. &amp;amp; Schulz, C. (2024). Klimawandelanpassung im Streuobst: Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme. Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Maurer, J. (2013). Landschaftsökologischer Wert geförderter Obstbaumpflanzungen in Niederösterreich [Diplomarbeit, Universität Wien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ruess, F. (2020): Obstbau im Klimawandel: Obst &amp;amp; Garten, Juli 2021, S. 6-15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Schliebner, S., Decker, P. &amp;amp; Schlitt, M. (2024): [https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf Streuobst im Klimawandel – Ein Leitfaden]. Ostritz, 76 Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Schwaiger, E., Färber, B., Kühnen, L., Stagl, S., Svehla-Stix, S., Vogel, J. &amp;amp; Weiß, M. (2018). Bewertung von Ökosystemleistungen. Methodenvergleich Kosten-Nutzen-Analyse und Multikriterienanalyse anhand einer österreichischen Region (Report REP-0670). Umweltbundesamt, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] United Nations Environment Programme. (2025). Emissions Gap Report 2025: Off Target - Continued Collective inaction puts Global Temperature Goal at Risk https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/48854;jsessionid=1A44FD82A70487FCEA8F79815B18FF5C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Wiedermann, E., Hübner, R., Kilian, S. &amp;amp; Wiesmeier, M. (2022). Festlegung von Kohlenstoff in Streuobstwiesen des Alpenvorlands (Schriftenreihe Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft [LfL], 01-2022). Freising-Weihenstephan. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/festlegung-kohlenstoff-streuobstwiesen-alpenvorland_lfl-schriftenreihe-012022.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Schlitt, M. (Hrsg.). (2025). Obstbäume, Frost und Klimawandel: Erfahrungen aus der Praxis – Strategien für die Zukunft. Görlitz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Datei:Rindenbrand_kompr_Holler.jpg&amp;diff=897</id>
		<title>Datei:Rindenbrand kompr Holler.jpg</title>
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		<updated>2025-12-04T16:45:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: Rindenbrand an Apfelbaum. Quelle: Christian Holler&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Rindenbrand an Apfelbaum. Quelle: Christian Holler&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=896</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=896"/>
		<updated>2025-12-04T15:39:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
[[Datei: Streuobstwiese Mahd Motormäher Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd einer Streuobstwiese mit dem Motormäher, Südburgenland. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben. Röbbelen (o.J.) veranschaulicht den potentiellen Konflikt zwischen Insektenschutz und Vegetationspflege und zeigt praktische Lösungenvorschläge auf, wie ein guter Kompromiss erzielt werden kann; diese Überlegungen fließen in die folgenden Ausführungen mit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
[[Datei: Streuobstwiese verbracht Holler kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Stark verbrachte Streuobstwiese, die ohne Unterwuchspflege dem Untergang geweiht ist – Mulchen der Fläche kann hier eine (Not-)Lösung sein. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* ARGE Streuobst (2017): Streuobstdefinition für Österreich.- In: Besseres Obst 10/11-2017. Fachorgan des Österr. Bundes-Obstbauverbandes, Hrsg. Österr. Agrarverlag, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Röbbelen, F. (o.J.): Mahd und Tagfalter – eine Übersicht.- Fachgruppe Entomologie NABU Hamburg.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=%C3%96kosystemleistungen_der_Streuobstwiesen&amp;diff=895</id>
		<title>Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=%C3%96kosystemleistungen_der_Streuobstwiesen&amp;diff=895"/>
		<updated>2025-12-04T15:38:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==  &lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind artenreiche, traditionelle Kulturlandschaften, die weit mehr leisten als nur die Produktion von Obst. Sie erfüllen eine Vielzahl von essenziellen Ökosystemleistungen, die in ihrer Gesamtheit einen bedeutenden Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Diese Leistungen — von der Förderung der Biodiversität bis hin zur Kohlenstoffspeicherung und Wasserregulierung — werden in der Gesellschaft zunehmend als wertvoll anerkannt. Gerade im Kontext des globalen Klimawandels gewinnen Streuobstwiesen an Bedeutung: Sie tragen sowohl zur Minderung des Klimawandels (Klimaschutz) als auch zur Anpassung an seine Folgen (Klimaanpassung) bei. Damit sind sie nicht nur Relikte einer historischen Form der Landnutzung, sondern auch zukunftsrelevante Elemente einer nachhaltigen Kulturlandschaft.&lt;br /&gt;
== Was sind Ökosystemleistungen? ==&lt;br /&gt;
Bei der Begründung der Relevanz und des Erhalts von Kulturlandschaften – und damit auch von Streuobstwiesen – spielen zunehmend deren Ökosystemleistungen (auch Ökosystemdienstleistungen, kurz ÖSL) eine zentrale Rolle. Das Konzept der Ökosystemleistungen wurde erstmals 2005 im Rahmen des von den Vereinten Nationen initiierten Millennium Ecosystem Assessment (MA) vorgestellt. Es dient dazu, den vielfältigen Nutzen darzustellen, den Menschen aus Ökosystemen ziehen, und damit den gesellschaftlichen Wert intakter natürlicher Systeme zu verdeutlichen (MA, 2005).&lt;br /&gt;
Das Millennium Ecosystem Assessment unterscheidet vier Hauptkategorien von Ökosystemleistungen: Basisleistungen, Versorgungsleistungen, Regulierungsleistungen und kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
* Basisleistungen (unterstützende Leistungen) bilden die Grundlage für alle anderen Ökosystemleistungen. Sie umfassen Prozesse innerhalb der Natur, die das Funktionieren von Ökosystemen überhaupt erst ermöglichen – etwa Photosynthese, Nährstoffkreisläufe oder die biologische Aktivität im Boden. &lt;br /&gt;
* Versorgungsleistungen entstehen aus natürlichen Prozessen und liefern materielle Güter, die direkt zur menschlichen Versorgung beitragen, wie etwa Lebensmittel (Obst), Holz oder Trinkwasser. &lt;br /&gt;
* Regulierungsleistungen beziehen sich auf die Fähigkeit von Ökosystemen, Umweltprozesse zu steuern und zu stabilisieren – beispielsweise durch die Regulierung des lokalen Klimas, die Wasserspeicherung, die Bodenbildung oder die Kontrolle von Schädlingen. &lt;br /&gt;
* Kulturelle Leistungen schließlich beschreiben die immateriellen Beiträge von Ökosystemen zum menschlichen Wohlbefinden, etwa in Form von Erholung, ästhetischer Wahrnehmung, spiritueller Bereicherung oder kultureller Identität.&lt;br /&gt;
Diese vier Kategorien verdeutlichen, dass Ökosystemleistungen auf vielfältige Weise das Verhältnis zwischen Natur und Mensch prägen und dass ihr Erhalt entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung ist. Das Konzept lässt sich direkt auf die Leistungen von Streuobstwiesen übertragen, die in besonderer Weise viele dieser Funktionen vereinen.&lt;br /&gt;
=== Welche Ökosystemleistungen erbringen Streuobstwiesen? ===&lt;br /&gt;
Das Ökosystem Streuobstwiese erbringt eine Vielzahl von Leistungen, die sowohl der Natur als auch dem Menschen zugutekommen (Henle et al., 2024; Špulerová et al., 2025). Diese Ökosystemleistungen haben einen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wert und profitieren gleichermaßen den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern wie auch der Allgemeinheit (Špulerová et al., 2025). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese vielfältigen Leistungen nimmt beispielhaft auch die [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“] (ARGE Streuobst, 2017) Bezug. In dieser Definition wird die „Multifunktionalität des Streuobstbaues“ als charakteristische Eigenschaft direkt angesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Picture1 ÖSL Blume.jpg|miniatur|Ökosystemleistungen von Streuobst im Überblick. Quelle: Hochstamm Deutschland e.V.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgende konkrete Ökosystemleistungen erbringen Streuobstwiesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Versorgungsleistungen ===&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen liefern eine breite Palette an materiellen Gütern, die direkt oder indirekt zur menschlichen Versorgung beitragen. &lt;br /&gt;
* Hoher gesellschaftlicher Wert:&lt;br /&gt;
Eine Untersuchung einer 2,5 ha großen Streuobstwiese in Sachsen zeigte, dass diese innerhalb von nur zehn Jahren einen gesellschaftlichen Wert von mindestens 163.000 € pro Hektar erbrachte (Schlitt &amp;amp; Kramer, 2024). Hochgerechnet auf die etwa 250.000 ha Streuobstwiesen in Deutschland ergibt dies über vier Milliarden Euro an monetär bewerteten Ökosystemleistungen – ein eindrucksvoller Beleg für ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen. &lt;br /&gt;
* Erhalt genetischer Vielfalt und Geschmacksreichtum:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen beherbergen über 6.000 alte Sorten von Äpfeln, Birnen, Kirschen und Zwetschgen. Diese Sortenvielfalt ermöglicht eine große Bandbreite an Produkten – von Tafelobst über Säfte, Secco, Cidre und Edelbrände bis hin zu Trockenobst. Gleichzeitig sichern sie den Erhalt genetischer Ressourcen, die für Züchtung und Resilienz künftiger Obstbestände von großer Bedeutung sind. &lt;br /&gt;
* Gesundheitsfördernde Eigenschaften:&lt;br /&gt;
Alte Obstsorten enthalten oft höhere Konzentrationen an Polyphenolen, sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung. Studien zeigen, dass Streuobstsäfte rund doppelt so viele Polyphenole enthalten wie Säfte aus Intensivanlagen (Noll et al., 2020). Zudem sind viele alte Apfelsorten besser verträglich für Menschen mit Apfelallergie, da sie andere Eiweißstrukturen enthalten (BUND Lemgo, 2022).&lt;br /&gt;
=== Regulationsleistungen ===&lt;br /&gt;
Neben ihrer direkten wirtschaftlichen Bedeutung leisten Streuobstwiesen einen wesentlichen Beitrag zur Regulierung ökologischer Prozesse. Sie fördern die Biodiversität, verbessern Klima- und Wasserhaushalt und tragen zur Luftreinhaltung bei (Henle et al., 2024). &lt;br /&gt;
* Hotspots der Artenvielfalt:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie bieten Lebensraum für über 5.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Spezies (Rösler, 1993). Typische Bewohner sind etwa Steinkauz, Wendehals, Gartenrotschwanz, Hummeln, Wildbienen, Fledermäuse sowie seltene Käfer- und Moosarten. Diese Vielfalt entsteht durch das Mosaik aus Bäumen, Wiesenvegetation und Strukturelementen wie Hecken, Altbäumen und Totholz. &lt;br /&gt;
* Förderung ökologischer Qualität und Verzicht auf Pestizide:&lt;br /&gt;
Der weitgehende Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel und der häufig biologische Anbau erhöhen die ökologische Qualität von Streuobstflächen deutlich (NABU, 2018). So liefern sie sauberes Wasser, reine Luft und tragen zum Erhalt seltener Pflanzen- und Tierarten bei. Zudem prägen sie ästhetisch wertvolle Landschaften, die das Landschaftsbild vieler Regionen bereichern (Henle et al., 2024). &lt;br /&gt;
* Klimaschutz und Mikroklimaregulation:&lt;br /&gt;
Durch die Kombination aus Dauergrünland und hochstämmigen Obstbäumen binden Streuobstwiesen erhebliche Mengen an Kohlenstoff – sowohl in der Biomasse als auch im Boden. Die Baumkronen spenden Schatten, reduzieren Hitzeeffekte und produzieren Kaltluft, die insbesondere in Siedlungsnähe zu einer Abkühlung des Mikroklimas beiträgt (Robertson et al., 2012). Gleichzeitig mindert die extensive Nutzung Bodenerosion und fördert die natürliche Wasserversickerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Picture2 ÖSL Plakat.jpg|miniatur|Beispiel für Ökosystemleistungen von Streuobstwiesen Quelle: Hochstamm Deutschland e.V.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturelle Leistungen ===&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen sind prägende Elemente traditioneller Kulturlandschaften und besitzen einen hohen kulturellen Wert. Sie verbinden Natur, Geschichte und regionale Identität und bieten vielfältige Möglichkeiten für Erholung und Bildung (Forejt &amp;amp; Syrbe, 2019; Herzog &amp;amp; Oetmann, 2001). &lt;br /&gt;
* Landschaftsbild und Erholung:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen formen das charakteristische Landschaftsbild vieler Regionen. Ihre offene, vielfältige Struktur lädt zu Erholung, Naturerlebnissen und Umweltbildung ein, etwa bei Spaziergängen, Blütenfesten oder Lehrpfaden (Forejt &amp;amp; Syrbe, 2019). &lt;br /&gt;
* Traditionelles Wissen und kulturelles Erbe:&lt;br /&gt;
Die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen beruht auf überliefertem Wissen über Pflege, Schnitt und Verarbeitung. Dieses Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben und erhält so ein wichtiges Stück regionaler Kultur und handwerklicher Tradition (Forejt &amp;amp; Syrbe, 2019; Špulerová et al., 2015). &lt;br /&gt;
* Identität und Gemeinschaft:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen stehen für regionale Identität und Nachhaltigkeit. Sie fördern den sozialen Zusammenhalt, etwa durch gemeinschaftliche Pflegeaktionen, Sortenpatenschaften oder Erntefeste, und stärken das Bewusstsein für den Wert traditioneller Kulturlandschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der Streuobstanbau in Deutschland (2021), Österreich (2023) und Slowenien (2025) in die jeweilige nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde (Links zu den Einträgen in den nationalen UNESCO-Listen: [https://www.unesco.de/staette/streuobstanbau/ Deutschland],&lt;br /&gt;
[https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/oesterreichisches-verzeichnis/detail/article/streuobstanbau-in-oesterreich Österreich], [http://www.nesnovnadediscina.si/sl/register/sonaravna-nega-raba-travniskih-sadovnjakov Slowenien]). Ausführliche Informationen zum Streuobstanbau als Immaterielles Kulturerbe, sind auf den Webseiten von [https://www.hochstamm-deutschland.de/streuobst-bewahren/immaterielles-kulturerbe Hochstamm Deutschland] und  [https://www.streuobst.at/news/kulturerbe Streuobst Österreich] zu finden. Diese beiden Vereine sind jeweils in Deutschland und Österreich, auch die Trägerorganisationen für das Immaterielle Kulturerbe Streuobstanbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was leisten die Ökosystemleistungen von Streuobstwiesen angesichts des Klimawandels? ==&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen spielen im Kontext des Klimawandels eine Doppelrolle: Sie tragen sowohl zum &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Klimaschutz (Mitigation)&#039;&#039;&#039; als auch zur Anpassung an die &#039;&#039;&#039;Klimafolgen (Adaptation)&#039;&#039;&#039; bei. Durch Kohlenstoffspeicherung, Mikroklimaregulation und Förderung der Biodiversität leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer klimaresilienten Kulturlandschaft. Ihr Erhalt und ihre Förderung sind daher zentrale Elemente nachhaltiger Landschaftsentwicklung&lt;br /&gt;
=== Klimaschutz (Mitigation) ===&lt;br /&gt;
* Kohlenstoffspeicherung:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wirken als Kohlenstoffsenken. Über die Photosynthese nehmen die Bäume atmosphärisches CO₂ auf und speichern es langfristig in Holz, Wurzeln und Boden (Robertson et al., 2012). Studien zeigen, dass Agroforstsysteme, zu denen Streuobstwiesen zählen, deutlich höhere organische Kohlenstoffgehalte im Boden aufweisen als Ackerflächen und zusätzlich Kohlenstoff in der Gehölzbiomasse binden (Mosquera-Losada et al., 2018; Shi et al., 2018). Untersuchungen in bayerischen Streuobstwiesen belegen erhebliche ober- und unterirdische Kohlenstoffreserven (Maier et al., 2022). &lt;br /&gt;
* Sauerstoffproduktion:&lt;br /&gt;
Durch die Photosynthese der Obstbäume wird Sauerstoff freigesetzt, was zur Luftqualität und Stabilität lokaler Ökosysteme beiträgt (Robertson et al., 2012).&lt;br /&gt;
=== Klimaanpassung (Adaptation) ===&lt;br /&gt;
* Regulierung des Mikroklimas:&lt;br /&gt;
Die Baumkronen spenden Schatten und verringern die Bodenerwärmung. Über Evapotranspiration entsteht ein kühlender Effekt, der die Hitzebelastung reduziert und lokale Temperaturunterschiede abmildert (Honecker, 2025; Maringer et al., 2025). &lt;br /&gt;
* Verbesserung des Wasserhaushalts:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen fördern die Infiltration von Niederschlagswasser und mindern Oberflächenabfluss und Erosion. Dadurch unterstützen sie die Grundwasserneubildung und verringern Hochwasserrisiken. Tiefe Wurzelsysteme alter Obstbäume erschließen Wasser aus unteren Bodenschichten und sichern so die Vegetation in Trockenperioden (Honecker, 2025; Maringer et al., 2025; Plieninger et al., 2013; Tojnko et al., 2011). &lt;br /&gt;
* Erhalt von Biodiversität und genetischen Ressourcen:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas und bieten Lebensraum für zahlreiche gefährdete Arten (Linnemann &amp;amp; Peisker, 2017; Robertson et al., 2012). Diese Vielfalt stärkt die Resilienz gegenüber Klimaschwankungen und Extremereignissen (Rada et al., 2022). Die große Sortenvielfalt dient zudem als Genreservoir für künftige Anpassungen an Trockenheit, Hitze oder neue Schaderreger (Maringer et al., 2025). &lt;br /&gt;
* Bodenschutz:&lt;br /&gt;
Durch ihre dichte Vegetationsdecke und das tiefe Wurzelsystem schützen Streuobstwiesen den Boden vor Erosion und stabilisieren die Bodenstruktur, was bei zunehmenden Wetterextremen immer wichtiger wird (Maringer et al., 2025). &lt;br /&gt;
* Resilienz und Anpassungsstrategien:&lt;br /&gt;
Hochstämmige Obstbäume sind durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem meist widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit als Plantagenbäume. Dennoch sind Streuobstwiesen ebenfalls von Hitzetagen, Spätfrösten und veränderter Schädlingsdynamik betroffen (Schliebner et al., 2013). &lt;br /&gt;
* Vorbildfunktion für nachhaltige Systeme:&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen zeigen, wie landwirtschaftliche Nutzung und Biodiversität vereint werden können. Erkenntnisse aus ihrer Bewirtschaftung helfen, das Management intensiver Obstsysteme an den Klimawandel anzupassen (Guariento et al., 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf und Ausblick ==&lt;br /&gt;
Trotz ihrer hohen ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung sind Streuobstwiesen in vielen Regionen rückläufig. Wirtschaftliche Faktoren wie geringe Rentabilität, hohe Opportunitätskosten und der hohe Arbeitsaufwand führen dazu, dass viele Bestände in intensivere Landnutzungen umgewandelt werden, die weniger Pflege erfordern und geringere Produktionskosten verursachen (Borngräber et al., 2020; Forejt &amp;amp; Syrbe, 2019; Plieninger et al., 2015; Špulerová et al., 2015). Bestehende Flächen sind häufig ungenügend gepflegt oder überaltert, was ihre ökologische Leistungsfähigkeit weiter mindert (Borngräber et al., 2020; Špulerová et al., 2015). In der Folge schwindet die Fläche traditioneller Streuobstbestände und damit auch ihr Beitrag zur Bereitstellung von Ökosystemleistungen (Plieninger et al., 2015).&lt;br /&gt;
Zudem sind viele dieser Leistungen noch unzureichend erforscht, beschrieben und bewertet (Schlitt &amp;amp; Kramer, 2024). Insbesondere der quantitative und ökonomische Wert von Streuobstwiesen im Hinblick auf Klimaschutz und Klimaanpassung ist bislang nur teilweise bekannt. Künftige Forschung sollte daher die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung von Streuobstwiesen umfassender analysieren, um ihre Leistungen sichtbarer zu machen und ihre Integration in Klima- und Agrarstrategien zu stärken.&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
ARGE Streuobst (2017): Streuobstdefinition für Österreich.- In: Besseres Obst 10/11-2017. Fachorgan des Österr. Bundes-Obstbauverbandes, Hrsg. Österr. Agrarverlag, Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Christian Holler</name></author>
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	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=894</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T15:21:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mulchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
[[Datei: Streuobstwiese Mahd Motormäher Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd einer Streuobstwiese mit dem Motormäher, Südburgenland. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben. Röbbelen (o.J.) veranschaulicht den potentiellen Konflikt zwischen Insektenschutz und Vegetationspflege und zeigt praktische Lösungenvorschläge auf, wie ein guter Kompromiss erzielt werden kann; diese Überlegungen fließen in die folgenden Ausführungen mit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
[[Datei: Streuobstwiese verbracht Holler kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Stark verbrachte Streuobstwiese, die ohne Unterwuchspflege dem Untergang geweiht ist – Mulchen der Fläche kann hier eine (Not-)Lösung sein. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Röbbelen, F. (o.J.): Mahd und Tagfalter – eine Übersicht.- Fachgruppe Entomologie NABU Hamburg.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=893</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T15:15:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Rolle des Unterwuchs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
[[Datei: Streuobstwiese Mahd Motormäher Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd einer Streuobstwiese mit dem Motormäher, Südburgenland. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben. Röbbelen (o.J.) veranschaulicht den potentiellen Konflikt zwischen Insektenschutz und Vegetationspflege und zeigt praktische Lösungenvorschläge auf, wie ein guter Kompromiss erzielt werden kann; diese Überlegungen fließen in die folgenden Ausführungen mit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Röbbelen, F. (o.J.): Mahd und Tagfalter – eine Übersicht.- Fachgruppe Entomologie NABU Hamburg.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=892</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=892"/>
		<updated>2025-12-04T15:10:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben. Röbbelen (o.J.) veranschaulicht den potentiellen Konflikt zwischen Insektenschutz und Vegetationspflege und zeigt praktische Lösungenvorschläge auf, wie ein guter Kompromiss erzielt werden kann; diese Überlegungen fließen in die folgenden Ausführungen mit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Röbbelen, F. (o.J.): Mahd und Tagfalter – eine Übersicht.- Fachgruppe Entomologie NABU Hamburg.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=891</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T15:00:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Rolle des Unterwuchs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben. Röbbelen (o.J.) veranschaulicht den potentiellen Konflikt zwischen Insektenschutz und Vegetationspflege und zeigt praktische Lösungenvorschläge auf, wie ein guter Kompromiss erzielt werden kann; diese Überlegungen fließen in die folgenden Ausführungen mit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=890</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=890"/>
		<updated>2025-12-04T14:53:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Rolle des Unterwuchs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden. Ebenso ist eine möglichst kleinräumiger Wechsel von Flächen in unterschiedlichem Pfelgezustand anzustreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=889</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=889"/>
		<updated>2025-12-04T14:50:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch vegetationsökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=888</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=888"/>
		<updated>2025-12-04T14:48:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=887</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=887"/>
		<updated>2025-12-04T14:47:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Vergleich der Methoden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=886</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=886"/>
		<updated>2025-12-04T14:45:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd oder überjährig gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021). Auch bei Anwendung dieses Konzeptes ist darauf zu achten, dass kleinflächige Lebensraummosaike erhalten bleiben, d.h. nicht großflächig alle Flächen gleichzeitig gemäht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=885</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=885"/>
		<updated>2025-12-04T14:36:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung des Unterwuchses, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=884</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=884"/>
		<updated>2025-12-04T14:34:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019). Zu beachten ist, dass auch der Obstbaumbestand die Wiesenvegetation beeinflusst. Sehr dicht gepflanzte Baumbestände führen zu einer stärkeren Beschattung der Wiese, dies kann zu artenärmeren Wiesen und einer reduzierten Insektenvielfalt führen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=883</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=883"/>
		<updated>2025-12-04T14:26:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense hat auch heute noch, zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten, an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Bei zu geringer Schnitthöhe, ist das Sensen den Balkenmähern unterlegen. Jedoch kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach angepasst werden. Zudem können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigen Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame und differenzierte Vorgehen bei der Mahd und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.). Ähnliches gilt für den Einsatz der Motorsense. Dem Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit steht hierbei der Nachteil des Energieeinsatzes, der Lärmentwicklung und bei Benzingeräten der Abgase gegenüber.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=882</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=882"/>
		<updated>2025-12-04T14:18:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives Extrem, die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense ist keineswegs nur von historischer Bedeutung, sondern hat auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Sensen sind den Balkenmähern unterlegen wenn die Schnitthöhe niedrig liegt. Andererseits kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach variiert werden. Schließlich können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigsten Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame uns differenzierte Vorgehen beim Mahdvorgang und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=881</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=881"/>
		<updated>2025-12-04T14:16:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der traditionellen Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense ist keineswegs nur von historischer Bedeutung, sondern hat auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Sensen sind den Balkenmähern unterlegen wenn die Schnitthöhe niedrig liegt. Andererseits kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach variiert werden. Schließlich können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigsten Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame uns differenzierte Vorgehen beim Mahdvorgang und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=880</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=880"/>
		<updated>2025-12-04T14:15:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der auch die Nährstoffversorgung der Obstbäume sicherte. Die traditionelle Landbewirtschaftung war kleinteilig so, dass auf engem Raum Flächen vorhanden waren die zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich intensiv genutzt wurden - also eine vielfältiges Lebensraummosaik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense ist keineswegs nur von historischer Bedeutung, sondern hat auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Sensen sind den Balkenmähern unterlegen wenn die Schnitthöhe niedrig liegt. Andererseits kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach variiert werden. Schließlich können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigsten Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame uns differenzierte Vorgehen beim Mahdvorgang und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=879</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=879"/>
		<updated>2025-12-04T14:10:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Rolle des Unterwuchs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel auch Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der die Nährstoffversorgung der Obstbäumen sicherstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidete Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense ist keineswegs nur von historischer Bedeutung, sondern hat auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Sensen sind den Balkenmähern unterlegen wenn die Schnitthöhe niedrig liegt. Andererseits kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach variiert werden. Schließlich können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigsten Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame uns differenzierte Vorgehen beim Mahdvorgang und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=878</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T08:58:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel auch Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der die Nährstoffversorgung der Obstbäumen sicherstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidet Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mahd mit der Sense ist keineswegs nur von historischer Bedeutung, sondern hat auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden. Sensen sind den Balkenmähern unterlegen wenn die Schnitthöhe niedrig liegt. Andererseits kann die Schnitthöhe beim Sensen einfach variiert werden. Schließlich können ohnehin immer nur kleinere Bereiche einer Wiese mit der Sense gemäht werden, so dass sich Schäden selbst im ungünstigsten Fall in Grenzen halten. Etwaige Nachteile werden durch das langsame uns differenzierte Vorgehen beim Mahdvorgang und die bessere Einsetzbarkeit auf feuchten Böden mit Sicherheit aufgewogen (Röbbelen. o.J.).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=877</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=877"/>
		<updated>2025-12-04T08:31:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel auch Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der die Nährstoffversorgung der Obstbäumen sicherstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidet Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* DivMoSt (2025): BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich.- Endbericht zum Forschungsprojekt, finanziert im Rahmen des Biodiversitätsfonds.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=876</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=876"/>
		<updated>2025-12-04T08:25:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Rolle des Unterwuchs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel auch Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der die Nährstoffversorgung der Obstbäumen sicherstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung der Insektenfauna auf gemähten und beweideten Flächen unterscheidet (DivMoSt, 2025). Für die Biodiversität ist es daher förderlich, wenn gemähte und beweidet Streuobstwiesen, also ein Mosaik an verschiedenen Lebensräumen, in einer Region erhalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=875</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=875"/>
		<updated>2025-12-04T08:18:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet. Auf den Mähwiesen wurde in der Regel auch Wirtschaftsdünger aufgebracht (Jauche, Stallmist) der die Nährstoffversorgung der Obstbäumen sicherstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Glatthaferwiese Weiss kompr.jpg|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=874</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=874"/>
		<updated>2025-12-04T08:12:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Glatthafer-Streuobstwiese im Mürztal, Steiermark. c. Stefan Weiss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=873</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-04T08:11:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=872</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=872"/>
		<updated>2025-12-03T18:49:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen Holler.JPG|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. Quelle: c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=871</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=871"/>
		<updated>2025-12-03T18:09:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sensenmähen_Holler.jpg|thumb|upright=1.5|right|Mahd mit der Sense. Quelle: c. Christian Holler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=870</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=870"/>
		<updated>2025-12-03T17:58:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=869</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=869"/>
		<updated>2025-12-03T17:57:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; (https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/2021-abgestufter-wiesenbau.pdf) bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=868</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=868"/>
		<updated>2025-12-03T17:54:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile der Mahd:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=867</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=867"/>
		<updated>2025-12-03T17:53:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Unterschlupf und Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Diese Schnitthöhe schont zudem die Pflanzen, deren bodennahe Speicherorgane, verhindert die Austrocknung und begünstigt den Wiederaustrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders schonend ist die Mahd mit der Sense, die keineswegs nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch heute noch zumindest auf kleineren Flächen, ihre Berechtigung hat. Mit einer guten an die persönlichen Bedürfnisse und die Mähflächen angepassten Ausrüstung und einer entsprechenden Einschulung, kann Sensen zum erholsamen und sinnvollen Ausgleichssport in der Natur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=866</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-03T17:39:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Abfalter A., M. Breuer, P. Frühwirth, St. Rudlstorfer, H. Uhl &amp;amp; Th. Drapela (2021): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau. Leitfaden für eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung am eigenen Betrieb.- Hrsg. ARGE abgestufter Wiesenbau, Wien.&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=865</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=865"/>
		<updated>2025-12-03T17:38:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Mähen und Abführen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der „Abgestuften Grünlandbewirtschaftung&amp;quot; bietet Landwirt:innen die Möglichkeit, die ertragsbetonte Grünlandnutzung mit der Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Die Grünlandflächen eines Betriebes werden dabei in ertragsbetonte Flächen und in solche mit geringerer Bewirtschaftungsintensität differenziert. Auf dem ertragsbetonten Grünland wird möglichst hochwertiges und leistungsgerechtes Grundfutter gewonnen. Dieses Grünland hat ein hohes Potential für die Produktion von Eiweiß und kann damit dem Import von Eiweiß aus Übersee entgegenwirken. Das nutzungsreduzierte Grünland des Betriebes wird extensiv bewirtschaftet, hier kann sich eine standortgemäße Artenvielfalt entwickeln (Abfalter et al., 2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=864</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=864"/>
		<updated>2025-12-03T17:19:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes ebenso negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=863</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-03T17:15:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber (Holler &amp;amp; Schlögl, 2024, Holler &amp;amp; Hausmann, 2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=862</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=862"/>
		<updated>2025-12-03T17:14:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; K. Hausmann (2025): Erhebung und Bewertung der Streuobstwiesen im Naturpark Rosalia-Kogelberg.- Studie im Auftrag des Naturparks Rosalia-Kogelberg.&lt;br /&gt;
* Holler, Ch. &amp;amp; G. Schlögl (2024): Weiterentwicklung Naturjuwel Noplerberg-Biri. Grundlagen für die Biotoppflege im Landschaftsschutzgebiet „Biri – Noplerberg Stoob“ und für im Nahbereich liegende Wiesenflächen.- Studie im Auftrag der Marktgemeinde Stoob.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=861</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=861"/>
		<updated>2025-12-03T17:11:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau Obstwiesen erleben und erhalten.- Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=860</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=860"/>
		<updated>2025-12-03T17:09:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; A. Zehm (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=859</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=859"/>
		<updated>2025-12-03T17:08:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Vortrag 11.07.2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; Zehm, A. (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=858</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=858"/>
		<updated>2025-12-03T17:05:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
* Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; Zehm, A. (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=857</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-03T17:04:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einzelnachweis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023): Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1).&lt;br /&gt;
* Haug, B. (2023): Bodenwasservorräte erhöhen.&lt;br /&gt;
Leitner, M., C. Sacher, E. Sanglhuber, N. Schnetzer &amp;amp; S. Weiss (2011): Lebendiger Noplerberg „Biri“ - Ergebnisse zur Vegetation des Offenlandes und der Landschaftselemente ‐ Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung.- Studie i. A. von Marktgemeinde und Obstbauverein Stoob.&lt;br /&gt;
* Roos, B. (2023): Nährstoffversorgung im Streuobstbau.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al. (2023): Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; Zehm, A. (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
Weiss, S. (2019): Vegetationsökologische Kartierung. Streuobstwiesenerhaltung in der Mürztaler Streuobstregion.- Studie i.A.d. ARGE Mürztaler Herzimpulse, Kindberg. &lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; F. Weller (2021): Streuobstbau.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=856</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=856"/>
		<updated>2025-12-03T16:58:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129). Detaillierte Beschreibungen der Wiesenvegetation von österreichischen Streuobstwiesen finden sich z.B. bei Leitner et al. (2011) und bei Weiss (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023). Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1). &lt;br /&gt;
* Haug, B.: Bodenwasservorräte erhöhen. 2023.&lt;br /&gt;
* Roos, B.: Nährstoffversorgung im Streuobstbau. 2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al.: Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung, 2023.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; Zehm, A. (2014). Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; Weller, F.: Streuobstbau. 2021.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://streuobst-wiki.eu/index.php?title=Bewirtschaftung_des_Unterwuchses_in_Streuobstwiesen&amp;diff=855</id>
		<title>Bewirtschaftung des Unterwuchses in Streuobstwiesen</title>
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		<updated>2025-12-03T16:52:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Christian Holler: /* Beweidung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Streuobstbestände sind ein wichtiges Element der Kulturlandschaft. Als großkronige Obstbäume auf Streuobstwiesen und in Gärten, auf Äckern und in Weingärten, am Straßenrand und im Siedlungsbereich, prägen sie bis heute das Landschafts- und Ortsbild (vergl. [https://arge.level-r.at/assets/Streuobst-Definition-%C3%96sterreich_2017_Website.pdf „Streuobstdefinition für Österreich“], ARGE Streuobst, 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streuobstwiesen wurden traditionell meist landwirtschaftlich genutzt, also als Mähwiesen oder Weiden oder in einer Kombination von Mahd und Beweidung bewirtschaftet und so der Grünlandaufwuchs verwertet.&lt;br /&gt;
„Die Standortamplitude vieler Obstbäume entspricht etwa denjenigen der Arrhenatheretalia, also von Frischwiesen und ‐weiden. Im mageren und etwas trockeneren Bereich kommen auch Kalkmagerrasen, vereinzelt sogar Borstgrasrasen in Betracht. In vegetationskundlichen Untersuchungen werden vor allem Glatthaferwiesen und Weidelgras ‐ Weißkleeweiden als Vegetationstypen mit mancherlei Untereinheiten genannt. Untersuchungen zeigen zudem, dass Obstwiesen und –weiden durch eine Vielzahl von Kleinstrukturen besonders diverse Biotope darstellen.“ (Dierschke und Briemle, 2002: S.129).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft veränderte sich auch die Landnutzung. Die Grünlandintensivierung oder die Aufgabe der Viehhaltung verbunden mit Umwandlung von Grünland in Ackerland, sind Entwicklungen die u.a. auch maßgeblich zum Rückgang von Streuobstwiesen beigetragen haben und immer noch beitragen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die ideale Pflege einer Streuobstwiese die extensive Mahd oder extensive Beweidung. Mangels Verwertungsmöglichkeit für den Grünschnitt oder um die Bewirtschaftung der mit Obstbäumen bestandenen Flächen zu vereinfachen, ist mittlerweile auch die Bewirtschaftung durch Mulchen häufig anzutreffen (wobei das Mulchen der Baumscheibe vom Mulchen der Gesamtfläche zu unterscheiden ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch eine Unterwuchspflege mit Rasenmäher oder sogar mit Mähroboter ist zu finden, mit entsprechend negativen Folgen für die Wiesen als Ökosystem. Dem steht als anderes negatives extrem die Verbrachung und Verbuschung von Streuobstwiesen in Folge der Aufgabe der Unterwuchspflege gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rolle des Unterwuchs ==&lt;br /&gt;
Der Unterwuchs in Streuobstwiesen spielt eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und die langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaftselemente. Die Art der Bewirtschaftung beeinflusst maßgeblich die Nährstoffversorgung des Bodens und damit der Obstbäume, die Wasserverfügbarkeit sowie die Biodiversität. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Zudem kann die Wahl der Bewirtschaftungsmethode langfristige Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Baumwachstum haben. Ein ausgewogenes, an Boden, Klima und Vegetation angepasstes Management trägt dazu bei, den Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zu erhalten und zu verbessern und sichert gleichzeitig die Vitalität der Obstbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mähen und Abführen ==&lt;br /&gt;
Diese Methode umfasst das regelmäßige Schneiden des Unterwuchses und das Entfernen des Schnittguts von der Fläche. Besonders für artenreiche Wiesen hat sich das einmalige oder zweimalige Mähen pro Jahr als vorteilhaft erwiesen, da es konkurrenzschwache Pflanzenarten fördert und die natürliche Dynamik der Wiese erhält.&lt;br /&gt;
[[Datei:Heuernte c.Michael Schlitt.jpg|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Heuernte c.Michael Schlitt.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd beeinflusst dabei maßgeblich die Zusammensetzung der Vegetation. Eine späte Mahd fördert beispielsweise blühende Kräuter, während eine frühe und häufige Mahd zu einer Dominanz von Gräsern führen kann. &lt;br /&gt;
Die Häufigkeit der Mahd ist aber auch auf den Standort abzustimmen. Gut mit Wasser und Nährstoffen versorgte Wiesen müssen häufiger gemäht werden, hier können bis zu drei Schnitten auch ökologisch sinnvoll bzw. vertretbar sein. Auf mageren oder/und trockenen Standorten kann eine einmalige Mahd ausreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Wahl des Mähgeräts entscheidend: Balkenmäher sind insektenfreundlicher als rotierende Mähwerke, da sie Tiere weniger stark verletzen und daher zu empfehlen. Außerdem sollte die Schnitthöhe mindestens 10 cm betragen, um Überwinterungsräume für Insekten zu erhalten. Das Abführen des Mähguts reduziert die Nährstoffanreicherung des Bodens und verhindert, dass sich schnell wachsende, konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen.&lt;br /&gt;
Blütenreiche Bestände sollten möglichst bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen gemäht werden, da dann weniger Blütenbesucher unterwegs sind.&lt;br /&gt;
Die Mahd sollte von innen nach außen erfolgen. Dies ermöglicht mobilen Wildtieren während der Mahd die Flucht (z. B. Insekten, Rehen, Feldhasen).&lt;br /&gt;
Die Mosaikmahd (Staffel-Mahd), bei der immer kleine Flächen ungemäht bleiben, ist zu empfehlen. Teilbereiche, die bei der Mahd ausgelassen und erst einige Tage bis wenige Wochen später oder erst bei der nächsten Mahd gemäht werden (&amp;quot;Schmetterlingsstreifen&amp;quot;), dienen dem Erhalt von Rückzugsflächen und erhöhen der Überlebenschancen der Tiere. Dadurch ist eine schnelle Rückbesiedelung der Tierarten auf der gesamten Fläche möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile:&lt;br /&gt;
* Fördert artenreiche Wiesen und konkurrenzschwache Pflanzenarten;&lt;br /&gt;
* Verhindert übermäßige Nährstoffanreicherung im Boden;&lt;br /&gt;
* Reduziert die Verbuschung und erhält die Offenlandschaft.&lt;br /&gt;
Nachteile:&lt;br /&gt;
* Hoher Arbeitsaufwand, insbesondere bei häufiger Mahd;&lt;br /&gt;
* Damit verbunden zum Teil hohe Kosten für die Mahd und die Entsorgung des Schnittguts&lt;br /&gt;
* Gefahr von Schädigungen an Insekten und Kleintieren durch unsachgemäße Mahd;&lt;br /&gt;
* Verlust von Biomasse als natürliche Nährstoffquelle durch das Abführen des Schnittguts;&lt;br /&gt;
* Eine mehr als zweimalige Mahd im Jahr beeinträchtigt den Insektenbestand stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mulchen ==&lt;br /&gt;
Das gezielte Mulchen der Baumscheibe ist getrennt von der flächigen Bewirtschaftung des gesamten Unterwuchses zu betrachten. Mulchen ist berechtigt und sinnvoll, wenn es gezielt in kleinen Bereichen angewendet wird. Das flächige Mulchen über die gesamte Streuobstwiese hat überwiegend negative Effekte auf Fauna und Flora. Kleinlebewesen wie Insekten und deren Lebensräume werden zerstört, die Pflanzenvielfalt und der Blütenreichtum gehen zurück.&lt;br /&gt;
In Regionen ohne hinreichende Verwertungsmöglichkeit für den Grasaufwuchs (mangels viehhaltender Betriebe oder energetischer Nutzung) ist flächiges Mulchen dennoch eine Option um das verbrachen der Streuobstwiesen zu verhindern. Auch für eine Kompostierung müsste das Gras unter der Baumkrone aufwändig abgefahren werden. Beim Mulchen entfällt die Abfuhr, dies spart Betriebsmittel und es ist keine bzw. weniger Düngerzufuhr für die Obstbäume notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mulchen der Baumscheibe dient vorrangig dem Schutz der Baumwurzelzone, der Wasserspeicherung und der Nährstoffversorgung einzelner Bäume. Zusätzlich kann es helfen, mechanische Schäden durch Mähgeräte oder Weidetiere zu verhindern und die Konkurrenz durch Gräser um Wasser und Nährstoffe zu reduzieren. Auch sorgt eine regelmäßig gemulchte (gemähte) Baumscheibe dafür, dass Wühlmäuse weniger Versteckmöglichkeiten haben und von ihren „Feinden“ leichter erlegt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen bezeichnet das Abdecken des Bodens mit organischem Material wie Gras, Stroh oder Holzhackschnitzeln. Ziel ist es, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten, die Humusbildung zu fördern und Konkurrenzvegetation zu unterdrücken. Eine gut aufgebaute Mulchschicht reduziert zudem die Erosion und trägt langfristig zur Stabilisierung des Ökosystems bei.&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann die Art des Mulchmaterials verschiedene Effekte auf den Boden haben. Holzmulch fördert eine langfristige Humusbildung, während Grasschnitt schneller zersetzt wird und kurzfristig Stickstoff freisetzt. Stroh wirkt isolierend und verringert die Verdunstung, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sich Streuobstbäume guten entwickeln, lanfristig vital bleiben und einen guten Obstertrag bringen, brauchen sie eine hinreichende [[Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese|Nährstoffversorgung/Düngung]]. Dies wird mit dem Mulchen unter den Baumkronen gewährleistet, denn das Mulchen führt die im Gras gebundenen Nährstoffe zu einem großen Teil zurück. Zudem wird der Boden darunter locker und feuchter gehalten, was der Vitalität der Bäume zu Gute kommt.&lt;br /&gt;
Um dies zu erreichen, kann im unmittelbaren Baumbereich auch drei- bis viermal im Jahr mit dem Rasenmäher gemäht werden, sodass der Grasaufwuchs stark zerkleinert wird und sich schnell zersetzt und so Dünger für den Baum zur Verfügung steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, den Grasschnitt auf der Streuobstwiese zu verteilen, damit er Wühlmäusen keine Versteckmöglichkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Erhöhte Bodenfeuchte durch reduzierte Verdunstung;&lt;br /&gt;
* Förderung des Bodenlebens, insbesondere von Regenwürmern und Mikroorganismen;&lt;br /&gt;
* Bereitstellung von Nährstoffen für die Obstbäume;&lt;br /&gt;
* Schutz vor Bodenerosion und Temperaturregulierung des Bodens.&lt;br /&gt;
Nachteile des Mulchens:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Bodenverdichtung bei zu häufiger Anwendung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Förderung von Schneckenpopulationen;&lt;br /&gt;
* Mulchen ist für Kleinlebewesen insbesondere für Schmetterlingsraupen, Heuschrecken und Laufkäfer verheerend;&lt;br /&gt;
* Verarmung der Vegetation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweidung ==&lt;br /&gt;
Bei der Beweidung nutzen Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder den Unterwuchs als Futterquelle. Eine extensive Beweidung ist in der Regel vorteilhaft für den Erhalt der Wiesenvegetation, während eine zu hohe Besatzdichte zu Bodenverdichtung und Vegetationsschäden führen kann.  Bei Beweidung ist ein Schutz für die Obstbäume notwendig. In Abhängigkeit von der Tierart muss dieser Schutz unterschieldich massiv sein. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Jungbäume gut vor dem Weidevieh geschützt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:Weidegänse Streuobstwiese Holler.JPG|thumb|upright=1.5&lt;br /&gt;
|right|Weidegänse c.Christian Holler]]&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen der Beweidung hängen stark von der gewählten Tierart und der Besatzdichte ab. Schafe eignen sich besonders für eine gleichmäßige Beweidung und hinterlassen nur geringe Trittschäden. Ziegen hingegen fressen bevorzugt Gehölze und können dadurch junge Bäume schädigen. Rinder fördern durch ihre schweren Tritte die Bodenverdichtung, tragen jedoch durch ihre Hinterlassenschaften zur natürlichen Düngung bei. Eine extensive Beweidung mit einer Mischung aus verschiedenen Weidetieren wäre ideal, um eine artenreiche Vegetation zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kombination von Mahd und Beweidung kann sinnvoll sein, z.B. Mahd und Abfuhr des ersten Schnitts und Nutzung des Folgeaufwuchses durch Beweidung. Auch eine herbstliche Nachweide auf Mähwiesen ist möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beweidung kann helfen, invasive Pflanzenarten zu reduzieren und die Vielfalt der Wiesenpflanzen zu erhalten. Eine unzureichend kontrollierte Beweidung kann jedoch zur Übernutzung führen, was sich negativ auf die Regeneration der Vegetation auswirkt. Eine Abstimmung der Beweidung auf die Witterung ist notwendig. Dies ist sowohl im Interesse der Tiergesundheit als der Schonung von Boden und Vegetation, d.h. keine Beweidung bei zu feuchten Bodenverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Beweidung ist genauso wie bei der Mahd, die Abstimmung auf die jeweiligen Klima-, Vegetations- und Bodenverhältnisse notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Natürliche Düngung durch Exkremente der Tiere;&lt;br /&gt;
* Förderung der Bodenbiologie durch organischen Eintrag;&lt;br /&gt;
* Erhaltung der Wiesenvegetation durch selektiven Verbiss.&lt;br /&gt;
Nachteile der Beweidung:&lt;br /&gt;
* Gefahr von Trittschäden und Bodenverdichtung bei zu hoher Besatzdichte und Beweidung bei ungünstiger Witterung;&lt;br /&gt;
* Mögliche Schädigung der Bäume durch Verbiss;&lt;br /&gt;
* Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand durch den notwendigen Verbiss-Schutz;&lt;br /&gt;
* Risiko einer Überweidung und damit einhergehender Bodenerosion;&lt;br /&gt;
* Negative Veränderung des Pflanzenbestandes bei zu hohen Besatzdichten und Überweidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich der Methoden ==&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede der Methoden übersichtlich dar:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Methode !! Biodiversität !! Bodenfruchtbarkeit !! Wasserhaushalt !! Arbeitsaufwand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mulchen || Niedrig || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mähen &amp;amp; Abführen	 || Hoch	 || Mittel	 || Mittel	|| Hoch	&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beweidung	 || Hoch	 || Hoch	 || Mittel	 || Hoch	&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mulchen erhält die Bodenfeuchte, während Mahd und Abfuhr die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen. Beweidung kombiniert Pflege und Düngung, birgt jedoch Risiken für Bodenschäden und Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klima- und Umweltrelevanz ==&lt;br /&gt;
Die Wahl der Bewirtschaftungsmethode hat direkte Auswirkungen auf die Klimaanpassungsfähigkeit der Streuobstwiesen. Studien zeigen beispielsweise, dass in Süddeutschland extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen eine höhere Wasserspeicherung und bessere CO₂-Bindung aufweisen als intensiv genutzte Flächen. Eine extensive Bewirtschaftung mit Mulchen oder Beweidung trägt zur Speicherung von CO₂ im Boden bei und verbessert die Humusbildung. Übermäßige Mahd oder intensive Beweidung können hingegen die Bodengesundheit und Wasserspeicherung negativ beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsbedarf ==&lt;br /&gt;
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Effekte der Bewirtschaftungsmethoden besser zu verstehen. Studien zeigen beispielsweise, dass Mulchen zwar die Bodenfruchtbarkeit verbessert, jedoch gleichzeitig zu einer Reduktion bestimmter Insektenarten wie Laufkäfern und Heuschrecken führen kann. Ebenso ist der Einfluss der Beweidung stark von der gewählten Tierart abhängig: Während Schafe positive Effekte auf die Vegetationsstruktur haben können, verursachen Ziegen und Pferde erhebliche Schäden an Baumrinden, wenn nicht ein sehr guter Baumschutz angebracht wurde. Rinder können durch Trittschäden die Bodenverdichtung fördern.&lt;br /&gt;
Auch die Auswirkungen intensiver Mahd sind noch nicht vollständig erforscht. Während eine zu häufige Mahd die Artenvielfalt reduziert, kann eine vollständige Brache ebenso negative Effekte auf Wiesenarten haben. Daher sind Langzeitstudien erforderlich, um die optimale Kombination dieser Methoden für unterschiedliche Standortbedingungen zu bestimmen. Insbesondere fehlen Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Mulchmaterialien und Bodenmikrobiologie, zur optimalen Kombination von Mahd und Beweidung sowie zur Resilienz der Bodenfruchtbarkeit unter veränderten Klimabedingungen. Zudem ist unzureichend erforscht, inwiefern unterschiedliche Bewirtschaftungsformen die Kohlenstoffspeicherung im Boden beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
* Dierschke, H. &amp;amp; G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer Verlag, Stuttgart.&lt;br /&gt;
* Gorthner, A. (2023). Insektenfreundliche Grünlandpflege (Vers. 2021/1). &lt;br /&gt;
* Haug, B.: Bodenwasservorräte erhöhen. 2023.&lt;br /&gt;
* Roos, B.: Nährstoffversorgung im Streuobstbau. 2023.&lt;br /&gt;
* Schliebner, S. et al.: Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Leitfaden. Oberlausitz-Stiftung, 2023.&lt;br /&gt;
* Van de Poel, D., &amp;amp; Zehm, A. (2014). Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. Anliegen Natur, 36 (2), 36–51.&lt;br /&gt;
* Zehnder, M. &amp;amp; Weller, F.: Streuobstbau. 2021.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Christian Holler</name></author>
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